Am Rande der Unterwelt

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Bewertung
****
Originaltitel
The Secret Place
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

Belinda Lee, Ronald Lewis, Michael Brooke, Michael Gwynn, Geoffrey Keen

Regie
Clive Donner
Farbe
s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London: Die hübsche Molly Wilson (Belinda Lee) ist Verkäuferin in einem Kiosk und Freddie Haywood, ein 14jähriger Junge aus der Nachbarschaft, hat einen Narren an ihr gefressen. Molly mag den Teenager, Sohn eines Polizeibeamten (Geoffrey Keen), der sie morgens auf seinem Schulweg zu ihrer Arbeit begleitet und ihr mitunter Geschenke macht, etwa einen selbst gemachten Gürtel. Aber die junge Frau ist mit Gerry Carter (Ronald Lewis) verlobt, einem impulsiven Tunichtgut, der mit seinen Kumpanen Harry (George A. Cooper) und Steve Waring (Michael Gwynn) einen Gebrauchtwagenhandel im Hinterhof betreibt. Hier hat Mollys Bruder Mike (David McCallum) eine Anstellung als Mechaniker und auch sonst als Mädchen für alles. Aber heute hat Harry ein Problem. Charlie Mason (Alan Coleshill) hat kein Interesse daran, für den Überfall auf einen Juwelier, den Gerry und Steve planen, ihren Fahrer des Fluchtwagens zu spielen. Er gibt Harry den Rat, dass sie weiterhin besser Autos verkaufe, anstatt als Amateure an einem Verbrechen zu versuchen. Die beiden sind hinter der Werkstatt dabei, anhand eines von Steve gebauten Pappmodells der Büro- und Verkaufsräume des Juweliers Mr. Venner (Philip Ray) ihren Überfall detailgenau zu planen. Jener sieht vor, dass dank eines Anrufs von Charlie die Rezeptionistin (Wendy Craig) sich aus dem Raum vor Venners Büro wieder in den Empfang begibt. Im nächsten Moment klärt jedoch Harry die beiden darüber auf, dass sie für den Coup nicht mal einen Fahrer haben…

 

“Hidden gem is an overused term when applied to neglected films, but it's one that describes The Secret Place perfectly,” schreibt Dylan Cave für BFI Screenonline und bringt es damit auf den Punkt. Belinda Lee hatte ihre erste Rolle in einem Film Noir an der Seite von Dane Clark und zwar im Alter von gerade einmal 18 Jahren in dem von Hammer Films produzierten Murder by Proxy (USA 1954), der in den USA als Blackout in die Kinos kam. Unter der Regie von Terence Fisher und mit englischen Charakterdarstellern wie Alfie Bass und Harold Lang gut besetzt, war Murder by Proxy eine der besseren Produktionen von Hammer Films in Kooperation mit Lippert Pictures, die zwischen 1952 und 1954 eine ganze Reihe von B-Filmen drehten. Am 12. März 1961 kam sie mit nur 25 bei einem Autounfall in San Bernadino, Kalifornien, ums Leben, genau einen Tag nachdem ihr Post Noir Das bittere Leben (ITA 1961) unter der Regie des später berühmten Damiano Damiani in Italien seine Premiere gefeiert hatte. Von ihren 33 Filmen ist vieles nicht der Rede wert, doch Am Rande der Unterwelt gab Belinda Lee erstmals die Gelegenheit ihr Talent voll auszuspielen. Sie steht nicht bloß auf den Plakaten an erster Stelle, ihre Figur dominiert den Film. Molly Wilson trifft im Zwiespalt zwischen ihrer Liebe zum Gangster Gerry Carter und der Freuzndschaft mit dem Nachbarsjungen Frddie Haywood eine Entscheidung, die für alle Beteiligten unabsehbare Folgen hat. Im England gab es immer wieder Werke des Film Noirs, darin Kinder und Jugendliche eine Rolle spielten, etwa Kleines Herz in Not (UK 1948), Ein Kind war Zeuge (UK 1952), oder Tiger-Bay (UK 1959). Mit Michael Brooke präsentiert Clive Donners Regiedebüt einen Kinderdarsteller in seiner achten und letzten Rolle für Film und Fernsehen, und als gepeinigter Teenager, der zwischen seiner ersten Liebe und einer tief wurzelnden Ehrlichkeit hin- und hergerissen ist, agiert er bemerkenswert.

 

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“You’re late.” - “Yeah… I missed the bus this morning“ - “You missed the bus years ago.“ Der Film ist sicher kein vergessenes Meisterstück, davon ist auch in Dylan Caves Aufsatz nicht die Rede. Doch mit Blick auf den im Ausklang befindlichen Film Noir seiner Zeit, der bald in die Kitchen-Sink-Dramen, in die banalen Krimis der Frühsechziger oder in den Autorenfilm übergehen sollte, ist Am Rande der Unterwelt ein couragierter B-Film von dem zu der Zeit oft zuverlässigen Filmstudio J. Arthur Rank Film, der sich neben seinen Darstellern durch wunderbare Drehorte im Herzen Londons und die Kammeraarbeit Ernest Stewards (Venetian Bird / The Assassin, UK 1952) auszeichnet. Die Erzählung ist so vertrackt wie vorhersehbar, doch das Finale ist konsequent und die Schklussequenz zudem auch doppelbödig. Der englische Film Noir der 50er Jahre ist längst nicht voll erschlossen, er wird oft unterschätzt oder schlicht ignoriert. Für Freunde klassischen europäischen Kinos ist Am Rande der Unterwelt durchaus mehr als eine Randnotiz seiner Historie. Zudem lohnt sich die Wiederentdeckung Belinda Lees als einer Darstellerin, die zu früh starb und zu früh in Vergessenheit geriet.

 

Es gibt meines Wissens weltweit keine BD oder DVD dieses Films, der als Fernsehmitschnitt in Online-Portalen kursiert und der damit weiterhin auf seine Wiederentdeckungt und eine digitale Veröffentlichung wartet.

 

 

Film Noir | 1957 | UK | Clive Donner | David McCallum | Geoffrey Keen | Ian Hendry | Belinda Lee

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