Kind war Zeuge, Ein

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Bewertung
****
Originaltitel
Hunted / The Stranger In Between
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Dirk Bogarde, Jon Whiteley, Elizabeth Sellars, Kay Walsh, Geoffrey Keen

Regie
Charles Crichton
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Der sechsjährige Robbie (Jon Whiteley), seinen Teddy in der Hand, rennt aufgebracht durch die Straßen. Inmitten abrissreifer Häuser prescht über ein Trümmerfeld bis in einen Keller hinunter. Aber dort ist er nicht allein. Chris Lloyd (Dirk Bogarde) kniet neben der Leiche eines Mannes im Zweireiher, ergreift den Jungen und schleift ihn mit sich. Robbie, der sein eigenes Zuhause in Brand gesetzt zu haben glaubt, leistet keinen Widerstand und ruft nicht um Hilfe. Als seine Adoptivmutter Mrs. Sykes (Kay Walsh) nach Haus kommt, sieht sie, dass Robbie, als er mit Streichhölzern spielte, die Küchenvorhänge ankokelte. Sie fragt in der Nachbarschaft. Da niemand den Jungen gesehen haben will, gibt sie bei der Polizei eine Vermisstenanzeige auf. Inzwischen betritt ein Liebespaar den stillen Keller und sieht sich der Leiche des Unbekannten gegenüber. Detective Inspector Deakin (Geoffrey Keen) nimmt in dem Mordfall die Ermittlungen auf und trifft bald auf Magda Lloyd (Elisabeth Sellars). Sie war in der Firma des Ermordeten angestellt, wurde mit ihm in einer Bar gesehen und ist die Ehefrau des Matrosen Chris Lloyd…
 
Dieser Film Noir lebt nicht zuletzt vom expressionistischen Schwarzweiß seines Kameramanns Eric Cross und ist besser, als man nach der Lektüre des Inhalts erwarten könnte. Ein Kind war Zeuge erzählt mehr als nur eine Geschichte, ohne dass der Film dafür viel Zeit bräuchte. Rasant wird der Zuschauer in den Strudel der Ereignisse gerissen, die sich schier überschlagen. Alles hat schon stattgefunden oder findet just im Augenblick statt. Fast störend ist dieses Tempo, das an den Takt eines Raoul Walsh erinnert. Doch zunehmend wird der Film zu einem Zweipersonenstück und widmet sich den Protagonisten Chris und Robbie – den ungleichen Gleichen, deren Schicksale mehr und mehr wie Teile ein und desselben anmuten. Kriminalhandlung und Flucht sind für Charles Crichton der Einstieg in eine Geschichte, die sich ganz der Einsamkeit und Entfremdung der beiden Protagonisten widmet. Sie sind extreme Außenseiter und es dauert nicht lange, da ist der Mordfall hinterm Horizont verschwunden wie einst in Alberto Calvancatis englischem Film Noir Sträfling 3312 (UK 1947) mit Trevor Howard. Dennoch hätte ein weniger hastiger Einstieg und ein weniger abruptes Ende komplementär zu den stimmungsvollen Außenaufnahmen in englischen Städten und auf dem Land das entscheidende Plus bedeutet.
 
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© Koch Media GmbH
 
Der spätere Weltstar Dirk Bogarde (Der Diener, UK 1963) war 31 Jahre alt, als ihm mit der Darstellung des Chris Lloyd ein grandioses Charakterportrait gelang. Seine Zusammenarbeit mit dem Exil-Amerikaner Joseph Losey begann 1954 mit dem Film Noir The Sleeping Tiger – mit Regisseur Loseys erstem englischen Film. Auch sonst zeigt sich in Ein Kind war Zeuge exzellentes Personal des britischen Film Noirs – Elisabeth Sellar (The Long Memory, UK 1952), Geoffrey Keen (Auf falscher Spur, UK 1950) und Julian Somers (In den Fängen der Unterwelt, UK 1953) runden das Ensemble ab. Ein Junge als Zeuge eines Mordes stand 1949 im Zentrum des US- Film-Noirs Das unheimliche Fenster von Ted Tetzlaff. Im Jahr 1959 drehte J. Lee Thompson (Ein Köder für die Bestie, USA 1962)  gewissermaßen ein Remake von Ein Kind war Zeuge und zwar mit Horst Buchholz als polnischem Matrosen Korchinsky und mit Hayley Mills in Tiger-Bay. Eric Gross war auch hier der Kameramann und sorgte für eine nahezu identische Atmosphäre wie beim Erstling von Charles Crichton.
 
Die unscheinbare DVD von Koch Media ist hervorragend: der Film ist mit 83 Minuten ungekürzt und im Originalformat enthalten, die bildtechnische Restauration ist topp. Es gibt wahlweise die englische oder die deutsche Tonspur, dazu den original Kinotrailer als Extra, zudem ein Kinoplakat als Beiblatt und obendrein noch Reclams elektronisches Filmlexikon auf einer Bonus-CD-ROM. Unbedingt empfehlenswert!
 

 

Film Noir | 1952 | UK | Charles Crichton | Dirk Bogarde | Geoffrey Keen | Elizabeth Sellars | Kay Walsh

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