Einzelgänger, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
Thief / Violent Streets
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1981
Darsteller

James Caan, Tuesday Weld, Willie Nelson, Jim Belushi, Robert Prosky

Regie
Michael Mann
Farbe
Farbe
Laufzeit
125 min
Bildformat
Widescreen

 


 

Der Einzelgaenger-Poster-web1.jpg Der Einzelgaenger-Poster-web4.jpg Der Einzelgaenger-Poster-web2.jpg Der Einzelgaenger-Poster-web3.jpg

© United Artists Corporation

Chicago, Illinois: In einer Seitengasse, die in Hinterhöfe hochragender Gebäude mit auswärtigen Feuerleitern führt, steht im Dunkel einer verregneten Nacht eine unbeleuchtete Limousine, darin sitzt Joseph (Willam LaValley) und hört den Polizeifunk ab. Unweit davon arbeitet Barry (Jim Belushi) vor einem geöffneten Leitungskasten daran, jene Telefonkabel zu unterbrechen, mit denen die Alarmanlagen des vor ihm liegenden Gebäudes geschaltet werden In dessen Tiefen ist Frank (James Caan) mit einem Spezialbohrer beschäftigt, einen Hochsicherheitstresor zu öffnen, darin Diamanten von erheblichem Wert liegen. Als es ihm gelingt, nimmt er dank genauer Kenntnis nur die kostbaren Kassetten mit. Dann funkt er Joseph und Barry an, ob die Luft rein sei und arrangiert den Rückzug. Barry und Frank verstauen ihre Ausrüstung im Kofferraum der Limousine, die im strömenden Regen sofort davonfährt. Die beiden entledigen sich ihrer Overalls, springen auf der angrenzenden Hauptstraße in einen Wagen und fahren los. In einer abgelegen Mietgarage verbergen sie ihr Fahrzeug, nehmen jeweils andere Autos und machen sich auf den Weg nach Hause… Bei Tageslicht Frank ist selbstständiger Unternehmer. Er hat einen Gebrauchtwagenhandel und organisiert mithilfe seiner Sekretärin Paula (Lora Staley) an diesem Morgen seinen Tag. In der Post auf ihrem Schreibtisch findet sich ein Brief von seinem Mentor im Gefängnis, Okla (Willie Nelson), mit dem Frank 11 Jahre seines Lebens verbrachte und der inzwischen alt ist…

 

Your criteria are so far up your ass, they can't see daylight!” Die Eröffnungssequenz von Michael Manns erstem Kinofilm, jene ersten 10 Minuten des Einbruchs in der regendurchtränkten Urbanität Chicagos zu den elektronischen Klängen der Berliner Band Tangerine Dream, sie dürfte zum Besten zählen, was das Thrillerkino der 80er Jahre zu bieten hat. Ohnehin legt dieser Film mit seinem vor Energie, Leidenschaft und Willen aus allen Nähten platzenden James Caan in der Rolle des ex-Häftlings Frank eine ungeheure Kraft und Dynamik an den Tag - genaugenommen an die Nacht, so wie es sich für einen Neo Noir ziemt. Michael Mann war nach Dokumentarfilmen und Erfahrungen beim Fernsehen ein 37jähriger Debütant des Kinos und er tut alles, um diesen ersten Film seiner Karriere zum Ausweis einer ureigenen Handschrift werden zu lassen. Schauplätze, Kameraführung, Dialoge, Dramaturgie, Rollencharaktere und Schauspieler sind von einer ungewöhnlichen Intensität. Es mag daran liegen, dass Mann außer James Caan und Tuesday Weld fast nur Neulinge verpflichtete und teils Laiendarsteller. Späterhin bekannte Schauspieler wie William Petersen, Dennis Farina oder Robert Prosky hatten in Der Einzelgänger jeweils ihre erste Kinorolle. Vor allem aber war es die Akkuratesse in der Wiedergabe von Lebensstil und fachlicher Expertise, die Franks Dasein als hoch spezialisierter Diamantendieb und Einbruchsspezialist auszeichnet, die dem Film zugutekommt. Der Autor der autobiographischen Vorlage The Home Invaders: Confessions of a Cat Burglar (EA 1975) für Manns Drehbuch, John Seybold, war als Juwelendieb selbst ein Mann vom Fach und saß bis 2001 wiederholt im Gefängnis. Einbruchswerkzeuge, die im Film tatsächlich Verwendung fanden, und sonstige Beratung hatte Michael Mann John Santucci zu verdanken, wie Seybold in einem früheren Dasein selbst ein Dieb, der im Film obendrein die Rolle des Police Sergeant Nurizzi übernahm.

 

Das Geheimnis dieses Films, dessen Lokalkolorit so sehr an die späten 70er und frühen 80er Jahre erinnert, gut zu altern und Jahrzehnte nach seinem Dreh noch frisch zu wirken, liegt in seinen schillernden und lebenssatten Rollencharakteren. James Caan selbst zählt seine Darstellung Franks zu seinen Lieblingsrollen, wenn er auch die emotionale Gebrochenheit des Charakters bedauert. Dessen Verhältnis zu Jessie (Tuesday Weld) ist eine Stärke der Filmhandlung und die nächtliche Szene in einem Imbisslokal, während der Frank in ungewohnter und doch brillanter Weise seine Lebensphilosophie erläutert und Jessie seine Liebe zu vermitteln sucht, ist einzigartig. Im Gegensatz zu seinen späteren Filmen zeigt Michael Mann in Der Einzelgänger eine große Empathie gegenüber den zentralen Rollencharakteren und nimmt sich die gesamte erste Hälfte Zeit, sie im Detail abzubilden. In der zweiten Hälfte dominieren Missverständnisse, Konflikte und Bedrohungen das Geschehen. Der Film führt einerseits zu einer grandiosen Einbruchssequenz, welche jener zu Beginn entspricht. Darüber hinaus bringt die Wandlung Franks im Finale seine tiefe Zerrissenheit und seine Brüchigkeit zum Tragen, sowohl das Skript als auch James Caan tragen dieser Komplexität der Anlage Rechnung. Doch im Abschluss dominiert Action “Made in Hollywood“, die letzten 10 Minuten fand ich persönlich teils enttäuschend. Der Einzelgänger war seinerzeit kommerziell kein Erfolg, hat sich über die Jahrzehnte aber zum Kultfilm gemausert und wurde 2014 mit einer Veröffentlichung in der Criterion Collection gekürt. Für Neo-Noir-Liebhaber ist er im Fahrwasser von Brennpunkt Brooklyn / French Connection / (USA 1971) oder Driver (USA 1978) ganz sicher ein Muss.

 

Komplementär zur Veröffentlichung als BD und DVD (2014) in der Criterion Collection, USA, gibt es von OFDb Filmworks via Edel eine deutsche BD (2016) und eine 5-CD-Box (BD und DVD) als Ultimate Edition (2016), darin der Hauptfilm in drei Fassungen beinhaltet ist, nämlich als überarbeitete Director’s Cut-Fassung von einem 4K-Transfer, erstellt in Kooperation mit Michael Mann, in der Kinofassung von 1981 und als Special Director’s Edition von 1995. Die Liste der Extras dieser Ultimate Edition: Audiokommentare von Michael Mann, James Caan und von Prof. Dr. Marcus Stiglegger, isolierte Musik- und Effektspur bei der Kinofassung, die Dokumentation The Directors: Michael Mann, ein Interview mit James Caan als Stolen Dreams, eine Episode der französischen Serie “Ciné regards“ namens Hollywood USA: James Caan, dazu The Art of the Heist, eine Analyse des Films mit Schriftsteller und Filmkritiker F.X. Feeney, den Kinotrailer, ein Booklet mit einem Essay von Prof. Dr. Marcus Stiglegger und das gefaltete US-Filmposter.

 


Neo Noir | 1981 | USA | Michael Mann | Dennis Farina | James Caan | William Petersen | Tuesday Weld

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