Spinne, Die

banner_noir_film_festival-2018.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


Brighton Rock


Hier klicken zur Blu-ray


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
Black Widow
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Ginger Rogers, Van Heflin, Gene Tierney, George Raft, Peggy Ann Garner

Regie
Nunnally Johnson
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen

 


 

 Die Spinne-Poster-web1.jpg  Die Spinne-Poster-web4.jpg  Die Spinne-Poster-web2.jpg

© Twentieth Century Fox Film Corporation

New York: Peter Denver (Van Heflin) ist ein erfolgreicher Theaterproduzent am Broadway und er bringt seine Frau Iris (Gene Tierney) zum Flughafen auf ihrem Weg nach Oklahoma, wo sie ihre kranke Mutter pflegen wird. Indessen sie am Gate voneinander Abschied nehmen, ringt Iris ihrem Ehemann das Versprechen ab, dass jener zumindest kurz auf der Party seiner Schauspielerin Carlotta Marin (Ginger Rogers), von allen Lottie genannt, vorbeischauen wird, wozu Denver nicht die geringste Lust verspürt. Als er in dem luxutiösen Apartmentblock, in dem auch er und Iris eine Wohnung haben, aus dem Fahrstuhl kommt, befindet er sich in einem Strom von Gästen, die alle in Lotties Apartment streben. Er möchte auf der Stelle umkehren, als er von Lotties Ehemann Brian Mullen (Reginald Gardner) erspäht wird und der ihn dazu nötigt, zumindest einen einzigen Drink mit ihm zu nehmen. Peter  begrüßt seine Gastgeberin und entflieht auf den ausladenden Balkon, wo er von einer jungen Frau (Peggy Ann Gardner) angesprochen wird, die sich ihm als 20jährige Autorin Nancy Ordway vorstellt, die seit kurzem in New York und mit ihrem Schreiben bis dato erfolglos ist. Sie sei mit einer Freundin gekommen, sagt sie, die sie aber im Gedränge verloren habe, und als Denver sie zu einem Abendessen einlädt, begegnen sie auf dem Weg zur Tür erneut Lottie. Da diese weiß, dass Iris zurzeit bei ihrer Mutter weilt, schöpft sie Verdacht. Aber Peter Denver hegt gegenüber Nancy Ordway, die ihm sympathisch ist, nicht die geringsten Absichten…

 

Im Gegensatz zu den hier verwendeten Aushangfotos ist der Film weder im klassischen Vollbildformat noch in dem für den Film Noir signifikanten Schwarzweiß gehalten. Demgegenüber ist er ein Beispiel für einen frühen Film in Cinemascope, was bei den Außenaufnahmen tatsächlich eine wunderbare Wirkung entfaltet, bei den vielen Dialogen in Bars und Apartments aber ebenso befremdlich wie überflüssig anmutet. Die Spinne hätte keineswegs im Breitwandformat (oder in Farbe) gefilmt werden müssen; wahrscheinlich aber wollten die Produzenten die seinerzeit neue Technik unbedingt zur Anwendung bringen. Stilistisch ist Nunnally Johnsons Werk folglich weit weg vom Film Noir der späten 40er und frühen 50er Jahre angesiedelt, inhaltlich und mit Blick auf die Narration allerdings nicht. Insofern der Film Noir bis heute in der Kuturgeschichte und in der Rezeption völlig zu Recht als ein Filmstil gilt, lässt sich fragen, mit welchem Anspruch er im Portal überhaupt besprochen wird. Nun taucht diese Frage mit Blick auf Die Spinne, der im Jahr 2008 als einer der letzten Filme von Twentieth Century Fox Film Corporation in deren dem Film Noir zudgedachten DVD-Reihe Fox Film Noir in den USA wiederveröffentlicht wurde, nicht zum ersten Mal auf. Aber “for the most part the movie is grim, focusing as it does on Peter’s descent into the noir abyss”, schreibt John Grant für Noirish und liegt mit dieser Schlussfolgerung genau richtig.

 

 Die Spinne-still-web1.jpg  Die Spinne-still-web2.jpg  Die Spinne-still-web3.jpg

© Twentieth Century Fox Film Corporation

In erster Linie war Nunnally Johnson ein Drehbuchautor. Für Fritz Lang schrieb er das Skript für Gefährliche Begegnung / Der Erpresser (USA 1944) und für Robert Siodmak dasjenige für Der schwarze Spiegel (USA 1946). Er war mit dem Film Noir vertraut und Die Spinne war im Alter von 57 Jahren seine zweite Arbeit als Regisseur, Autor und Produzent in einer Person. Der Film erinnert durchaus an Joseph L. Mankiewicz’ Alles über Eva (USA 1950), wie überhaupt Johnsons flinke Dialogsprache an den seelenverwandten Autor und Regisseur gemahnt. Seinerzeit wurde er von den Kritikern dafür abgestraft - zu bühnenhaft, dialoglastig, manieriert und darstellerisch übertrieben. Ich bin anderer Meinung. Van Heflin ist in der Rolle des unter Mordverdacht geratenen Theaterproduzenten Peter Denver schier überragend. Eine mit 33 sichtlich gealterte Gene Tierney enttäuscht mich in keiner Weise, sie ist auch hier eine klasse Schauspielerin. Am meisten überraschte mich George Raft als ermittelnder Detective Lt. C.A. Bruce. Raft ist ein Darsteller, der in vielen Film Noirs bestenfalls routiniert, meist unterdurchschnittlich agiert. Hier wirkt er ambitioniert und bei weitem besser als sonst. Die Spinne ist ein Hybrid, ein “Borderline Noir“, wie es John Grant ausdrückt, zugleich ein Film, wie er nur in der Phase auf dem Weg in die 60er Jahre möglich war. Besetzt mit Stars, die im Alter zwischen 33 (Tierney) und 52 (Raft) schon auf dem Weg des Verschwindens waren, fand ich alle der beteiligten Rollencharaktere bizarr und eigenwillig, so dass mich der Film genau deshalb bei der Stange hielt.

 

Erstklassige DVD-Edition (2008) der Twentieth Century Fox Home Entertainment LLC.in der Reihe Fox Film Noir mit dem Film bild- und tontechnisch restauriert, ungekürzt im Originalformat, den original englischen Ton inklusive optional englischer, französischer oder spanischer Untertitel, dazu zwei kurze Dokumentationen über Ginger Rogers und Gene Tierney, sogar den Soundtrack des Films als Audiodatei, ein interaktives “Press Book“, einen Audiokommentar von Alan K. Rode und den original US-Kinotrailer als Extras. Die englische DVD (2013) von Odeon Entertainment in deren Reihe The Hollywood Studio Collection ist ebenso gut und enthält alle Extras bis auf den Soundtrack und das “Press Book“, zudem gibt es keine Untertitel.

 


Film Noir | 1954 | USA | Nunnally Johnson | Nunnally Johnson | George Raft | Otto Kruger | Van Heflin | Gene Tierney

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.