Shock

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Bewertung
***
Originaltitel
Shock
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Vincent Price, Lynn Barri, Frank Latimore, Anabel Shaw, Michael Dunne

Regie
Alfred L. Werker
Farbe
s/w
Laufzeit
70 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

San Francisco, Kalifornien: Es ist spät am Abend, als Mrs. Janet Stewart (Anabel Shaw) vor dem Hotel Bel Arms samt Koffer aus dem Taxi steigt. Sie ist verwirrt, da der Taxifahrer (George E. Stone) sie zurückruft, aber sie hat vergessen, ihr Fahrgeld zu bezahlen. Dem Portier erklärt sie, dass sie die Ehefrau von Lieutenant Paul Stewart (Frank Latimore) sei, und fragt, ob er schon eingetroffen sei. Vor drei Tagen habe sie ein Telegramm geschickt, womit sie das Zimmer reserviert habe. Der Portier (Charles Tannen) findet keine Reservierung und bedauert es, da das Bel Arms ausgebucht sei. Mrs. Stewart bricht in Tränen aus. Nur hier könne sie Paul, Kriegsheimkehrer aus zweijähriger Gefangenschaft, in der fremden Stadt sicher finden. Der Hotelmanager (Pierre Watkin) zeigt sich gerührt und gibt Mrs. Stewart das Zimmer eines Herrn, der heute nicht eingetroffen ist, allerdings nur bis morgen Mittag. Dort sitzt Janet Stewart auf dem Sofa, in der Hand eine gerahmte Fotografie ihres Ehemanns, bis sie einschläft und in einen Traum entgleitet. Es klopft an der Tür, sie hört Pauls Stimme. Doch als sie ihm öffnen will, ist die Tür unerreichbar weit weg. Nachdem sie sie mit übermenschlicher Anstrengung öffnete, ist der Gang leer. Wieder hört sie nur eine ferne Stimme… Janet Stewart erwacht. Es ist halb zwei. Sie ruft die Rezeption an und fragt, ob Paul angekommen sei, aber der Portier verneint. Sie tritt auf den Balkon und sieht im Apartment nebenan einen Mann (Vincent Price) im heftigen Streit mit seiner ebenfalls im Raum befindlichen Ehefrau…

 

Alfred L. Werkers Shock versammelt eine Reihe der für den Film Noir der unmittelbaren Nachkriegszeit typischen Motive und bemüht sich, sie gemäß einem eindeutig vom Film Noir beeinflussten Zeitgeist in eine adäquate dramatische Form zu bringen. Man könnte folglich schließen, Shock ist durch und durch ein Film Noir seiner Ära. Immerhin erfuhr er 2007 in den USA seine Wiederöffentlichung auf DVD in der renommierten Reihe Fox Film Noir seitens der Twentieth Century Fox Film Corporation, die solche für ihre Verhältnisse kleine B-Produktion seinerzeit auch initiierte. Oder man könnte urteilen, Shock sei fade Unterhaltung nach Schema F, jedoch im Deckmantel des Film Noirs, nachdem sich Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944) für Paramount als ein unerwarteter Erfolg und als stilbildend erwiesen hatte. Und leider ist die zweite Einschätzung bei weitem richtiger, denn Shock zeigt bei näherer Betrachtung viele der für Frau ohne Gewissen relevanten Zutaten, allzu viele. Statt eines Ehemanns tötet der berühmte Psychiater und Klinikinhaber Dr. Richard Cross (Vincent Price) im Affekt seine (bereits ältere) Frau Margaret, doch in der Dynamik mit der von ihm geliebten, jüngeren Femme fatale Elaine Jordan (Lynn Barri), Oberschwester in der eigenen Klinik, wird die Ähnlichkeit offensichtlich. Cross nutzt sogar wie Walter Neff (Fred MacMurray) in Frau ohne Gewissen, ein Diktiergerät, um seine Fälle zu dokumentieren, was im Finale nochmals zu einer augenfälligen Parallele führt.

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation

 

Ein weiteres Motiv vieler Film Noirs der Nachkriegsjahre ist die Psychologie in Gestalt der Psychotherapie, die hier hauptsächlich der Psychoanalyse geschuldet ist, ohne dass es explizit zum Ausdruck kommt. Alfred Hitchcocks Ich kämpfe um dich (USA 1945) und Joseph L. Mankiewizc‘ Somewhere In The Night (USA 1946) waren ebenfalls Filme, die in solchem Fahrwasser angesiedelt waren. Joseph L. Mankiewizc drehte im gleichen Jahr für Twentieth Century Fox mit Weißer Orleander (USA 1946) eine seltsame Mischung aus Historienepos, Melodram und Horrorfilm, in Hauptrollen Vincent Price und Gene Tierney. Beide waren zuvor in den erfolgreichen Film Noirs Laura (USA 1944) und Todsünde (USA 1945) aufgetreten, mit Price stets in Nebenrollen. Mit seiner US-Kinopremiere im Januar 1946 wurde Shock der erste Versuch von Twentieth Century Fox, den 34jährigen Vincent Price als einen Hauptdarsteller zu etablieren, doch er scheiterte ebenso wie der zweite (Premiere im April 1946). Über ein Jahrzehnt später sollte Price als immerfort diabolischer Wahnsinniger neben Peter Lorre, Bela Lugosi und Boris Karloff in zahllosen B-Produktionen des Horror-Genres, häufig Edgar-Allen-Poe-Verfilmungen, zu spätem Ruhm gelangen. In Shock ist bei weitem nicht alles schlecht, aber das potentiell Gute scheitert an der faden Routine, die auch für andere Filme Alfred L. Werkers typisch ist. Wie anderen Handlangern großer Filmstudios fehlt es Werker an einer eigenen Handschrift. So kann auch der exzellente Kameramann Joseph MacDonald diesen Film letzlich nicht „retten“.

 

Insofern Shock der Public Domain zugehört, gab es international unzählige DVD-Veröffentlichungen der dafür berüchtigten Filmvertriebe, die ihn reißerisch und fälschlicherweise als Horrorfilm anpreisen und das Werk in bild- und tontechnisch katastrophaler Qualität beinhalten. Einzig die in der Serie Fox Film Noir durch die Twentieth Century Fox Home Video publizierte DVD-Edition (2006) aus den USA bietet den Film bild- und tontechnisch hervorragend restauriert und natürlich ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Originalton mit optional spanischen oder englischen Untertiteln sowie einen (nicht zuletzt humorvollen) Audiokommentar des Filmhistorikers John Stanley als Extras. Diese Fassung gibt es in Spanien auch via Twentieth Century Fox Home Entertainment als DVD (2010) und zwar inklusive der englischen Tonspur unter dem Titel El Susto. Sie ist die einzige in Europa zum Kauf zu empfehlende Version.

 


Film Noir | 1946 | USA | Alfred L. Werker | Joseph MacDonald | Reed Hadley | Vincent Price | Anabel Shaw | Lynn Bari

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