Schweigegeld für Liebesbriefe

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
The Reckless Moment
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Joan Bennett, James Mason, Geraldine Brooks, Henry O'Neill, Shepperd Strudwick

Regie
Max Ophüls
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Columbia Pictures Corporation
 
Die 17jährige Bea Harper (Geraldine Brooks) ist mit dem leichtlebigen Ted Darby (Shepperd Strudwick) liiert, der seinerseits Kontakte zur Unterwelt hat. Ihre Mutter Lucia (Joan Bennett) ist darüber unglücklich, zumal ihr Mann geschäftlich in Übersee weilt, und sie sich allein um die Familie kümmert. Außer dem neunjährigen Sohn David (David Bair) zählt noch Schwiegervater Tom Harper (Henry O’Neill) dazu. Als Lucia eines Morgens neben ihrem Haus am Strand Ted Darbys Leiche entdeckt, geht sie davon aus, dass ihre Tochter den dubiosen Freund im Streit tötete. Sie schleppt den Leichnam in ihr Boot und lässt ihn verschwinden. Kurze Zeit später meldet sich ein Martin Donnelly (James Mason) bei der Familie Harper. Er scheint über Beas Verhältnisse gut informiert zu sein und bietet Lucia im Auftrag eines gewissen Nagle (Roy Roberts) den Kauf von Liebesbriefen ihrer Tochter an. Lucia Harper sieht ihre Familie als Ziel einer handfesten Erpressung und beschließt, Zeit zu gewinnen. Denn Zeit braucht sie, um einen Plan zu schmieden...
 
Für manchen angesehenen Regisseur und viele Cineasten hat Max Ophüls das Kino revolutioniert. In Deutschland kennt man oft nur den Künstlernamen des aus Saarbrücken stammenden Juden Max Oppenheimer, der die meisten seiner Filme im französischen und amerikanischen Exil drehte, nicht aber sein Werk. Schweigegeld für Liebesbriefe war 1949 der letzte von seinen insgesamt vier Filmen in Hollywood, wo Max Ophüls mit dem System der mächtigen Studios nie wirklich zu Rande kam. Ophüls, der auch wegen seiner ständig in Bewegung befindlichen, fließenden Kameraarbeit bekannt wurde, liefert mit The Reckless Moment (Originaltitel) als Nachfolger des gleichfalls brillanten Caught (USA 1949) einen Film Noir ganz besonderer Güte.
 
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© Columbia Pictures Corporation
 
Zum zweiten Mal arbeitet Max Ophüls mit dem Engländer James Mason zusammen. Die weibliche Hauptrolle übernahm Joan Bennett, die drei Male für Fritz Lang in einem Film Noir mitgewirkt hatte, unter anderem in Gefährliche Begegnung / Der Erpresser (USA 1944). Als Hausfrau Lucia Harper führt Joan Bennett das US-amerikanische Familienidyll vor – als deren sorgendes, liebendes Oberhaupt, das in Abwesenheit des Hausherrn mit sicherer Hand das Regiment führt. Auf den ersten Blick wirkt das wie in Alfred Hitchcocks Im Schatten des Zweifels (USA 1943) und auf den zweiten mehr wie in Michael Curtiz’ Solange ein Herz schlägt (USA 1945). Lucia Harpers Verwandlung im Angesicht der Gefahr geht jedoch über diejenige der Mildred Pierce hinaus. Sie ist, was den Zuschauer mit einem tiefen Unbehagen zurücklässt. Signifikant ist zudem, dass gerade die Film-Noir-Chronisten James Ursini und Alain Silver für den wenig bekannten Schweigegeld für Liebesbriefe als Film Noir der klassischen Periode eine Lanze brechen. Kurz nach der Jahrtausendwende drehten Scott McGehee und David Siegel unterm Titel The Deep End – Trügerische Stille (USA 2001) nach der gleichen Vorlage - Elisabeth Sanxay Holdings Roman The Blank Wall - ein Remake mit Tilda Swinton und Goran Višnjić.
 
Die englische DVD-Ausgabe (2008) von Second Sight Film Ltd. erschien im Rahmen einer schön editierten Max-Ophüls-Edition: erstklassig restauriertes Bild, ungekürzt und im Originalformat, mit englischem Ton ohne Untertitel und mit einigen guten Extras. Unbedingt zu empfehlen!
 

Film Noir | 1949 | USA | Max Ophüls | Burnett Guffey | Henry O'Neill | James Mason | Peter Brocco | Roy Roberts | William Schallert | Geraldine Brooks | Joan Bennett

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