Mord im Zwiebelfeld

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Bewertung
****
Originaltitel
The Onion Field
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1979
Darsteller

John Savage, James Woods, Franklyn Seales, Ted Danson, Ronny Cox

Regie
Harold Becker
Farbe
s/w
Laufzeit
121 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Los Angeles im Jahr 1963: Police Detective Karl Francis Hettinger (John Savage) wird in die Großstadt versetzt und trifft dort im Präsidium auf seinen Kollegen Detective Ian James Campbell (Ted Danson). Beide Männer waren als US-Marines im Koreakrieg, waren in ihren Universitätsstudien und in früheren Jobs jedoch glücklos. Ian Campbell hat schottische Wurzeln und spielt als Hobby den Dudelsack; Hettingers Lebenstraum wäre eine Farm und ein Leben als Bauer… Indessen ist der junge Schwarze Jimmy Lee “Youngblood“ Smith (Franklyn Seales) aus dem Gefängnis entlassen worden und trifft auf der Straße seinen Bekannten Billy (Lee Weaver), der sich die Shuhe putzen lässt und dem es offensichtlich gut geht. Billy stellt Jimmy seinem Freund Gregory Powell (Frank Woods) vor, einem Weißen, mit dem er zusammen offenbar gute Geschäfte tätigt. Im Nu findet Powell Gefallen an dem jungen, unsicher großspurigen Jimmy, dem er Geld gibt und den er bald unter seine Fittiche nimmt. Greg Powell entpuppt sich als impulsiv, autoritär und obsessiv, aber er bietet Jimmy eine Beteiligung an seinen Diebstählen und Raubüberfällen an und macht ihn mit seiner Frau (Beege Barkette) bekannt, die von Greg ein Baby erwartet. Powell möchte, dass sie alle eine Art Familie bilden, und Jimmy Smith, der nichts zu verlieren hat, lässt sich auf die Zusammenarbeit mit Powell ein, obgleich Powell nun gegenüber Billy extrem hinterhältig auftritt. Zuerst überfallen sie einen Spirituosenladen, wobei Jimmy Smith den Fluchtwagen steuert…
 
“Guilty? That's just something the Man says in court when your luck runs out.” Nach einem Roman von Joseph Wambaugh (EA 1973), der auch das Drehbuch verfasste, verfilmte Regisseur Harold Becker 1979 diese wahre Geschichte in der Nachbarschaft des von Truman Capote in Romanform gebrachten Falls über ein mörderisches Duo in Kaltblütig, der von Richard Brooks ebensfalls als Kaltblütig (USA 1967) verfilmt worden war. Mord im Zwiebelfeld wurde seinerzeit von Becker und Wambaugh und mehreren Freunden selbst finanziert, damit sie im Laufe der Entwicklung und Erstellung des Werks die Kontrolle darüber hätten. Dass den beiden mit Blick auf Dramaturgie und publikumswirksame Zugestädnisse kein Hollywoodstudio reinredete, macht sich bis heute bezahlt. Das Drama ist einerseits so stringent und fokussiert, wie es sich andererseits ausgiebig Zeit für seine Charaktere nimmt und auch die in Nebenrollen agierenden Figuren nicht aus dem Blick verliert. Der verängstigte Ganove Billy, die in patriotischer Ergebenheit erfrorene Chrissie Campbell (Priscilla Pointer), Gregory Powells skrupellos lüsterne Ehefrau und die schier verzweifelte, in Würde ergraute Stiefmutter (Lilian Randolph) von Jimmy “Youngblood“ Smith sowie der von Recht und Gesetz bis ins Mark frustrierte Staatsanwalt Phil Halpin (David Huffman) runden das Ensemble eines Films, der dank dessen zwei Stunden lang Klasse beweist. Aber vor allem ist es der Film von James Woods, der bereits seit den frühen Siebzigern in Nebenrollen aktiv war und mit Mord im Zwiebelfeld die Gelegenheit ergriff, sich für alle Zeiten als einer der großen Psychopathen des Neo Noirs zu verewigen: “His performance, the film’s single most impressive achievement, (…) the impact is disorienting and unforgettably forceful“, schrieb Robert C. Cumbow bereits 1980 für Movietone News.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Elemente des Film Noirs finden sich vor allem in der ersten Hälfte der Handlung wieder: die lange Rückblende, welche das Drama einleitet, der ex-Häftling ohne Geld und Perspektive sowie der Psychopath, der die schwächeren Charaktere in seinem Umfeld zum unwiederbringlichen Fehltritt verführt. Nicht alle der Figuren in diesem Drama schillern auf der Grenzlinie zwischen Gut und Böse so vielschichtig und beizeiten ergreifend wie Jimmy“Youngblood“ Smith in der Verkörperung durch den talentierten Franklyn Seales. Auch John Savage, dessen Transformation vom kumpelhaften Cop zum Psychowrack im Zentrum der Handlung steht, ist als Karl Hettinger bemerkenswert glaubwürdig. In der zweiten Hälfte findet sich eine Tendenz zur Botschaft; der Film rückt die Tücken und Abgründe der US-amerikanischen Rechtsprechung in den Vordergrund. Dies geht im letzten Drittel auf Kosten der Aufmerksamkeit, die Zuschauer heutigentags zu investieren bereit sind. Mord im Zwiebelfeld findet sich international auf vielen Listen zum Neo Noir seit 1967, dezidiert besprochen wird der Film aktuell jedoch kaum, womit man dem dunklen, eigenwilligen und ausdrucksstarken Drama Unrecht tut. Joseph Wambaugh und Harold Becker taten sich im Jahr darauf für die Verfilmung eines weiteren Romans des Autors zusammen, nämlich The Black Marble (USA 1980). James Woods (Der Cop, USA 1988) startete von hier aus in eine Filmkarriere, die ihm vor allem im Lauf der 80er Jahre wiederholt Hauptrollen bescherte.
 
Sehr gute DVD-Edition (2012) von Arthaus / Studiocanal mit dem Film ungekürzt im Originalformat inklusive der deutschen (nicht empfehlenswert), der spanischen, italienischen und englischen Tonspur, optional neun verschiedene Untertitel, darunter auch Deutsch, mit dem Kinotrailer, der Dokumentation The Return to the Onion Field und einem Audiokommentar Harold Beckers als Extras.
 

Neo Noir | 1979 | USA | Harold Becker | Christopher Lloyd | James Woods | John Savage | Lee Weaver | William Sanderson

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