Tödlicher Hass

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Bewertung
****
Originaltitel
Tony Arzenta
Kategorie
Neo Noir
Land
ITA/FRA
Erscheinungsjahr
1973
Darsteller

Alain Delon, Richard Conte, Carla Gravina, Marc Porel, Roger Hanin

Regie
Duccio Tessari
Farbe
Farbe
Laufzeit
108 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Mailand; Italien: Mit seiner Ehefrau Anna (Nicoletta Machiavelli) und mit geladenen Gästen samt deren Kindern begeht Tony Arzenta (Alain Delon) am heutigen Herbstnachmittag den Geburtstag seines achtjährigen Sohnes Carlo (Francesco Bonetti). Bedienstete servieren eine opulente Torte und schenken Champagner ein. Doch Tony ist nervös und blickt auf die Uhr, die Stimmung zwischen den Eheleuten scheint bedrückt. Er beglückwünscht Carlo und verabschiedet sich von Anna, bevor er seinen Mantel greift und ins Auto steigt. Von Mailand fährt er nach Turin, und als er zwei Stunden später dort ankommt, ist es dunkel. Tony begibt sich zu dem Luxusbad American Health Spas des Gangsters Gesmundo (Ettore Manni), das er unbemerkt betritt. Gesmundo ist sehr aufgebracht, da ein Geschäftspartner Druck auf ihn ausübt. Seine Freundin (Loredana Nusciak) verabschiedet sich ins gemeinsame Domizil und Gesmundo begibt sich in sein Büro, um zu telefonieren. Tony Arzenta klopft an, tritt ein und zieht aus seinem Mantel eine Pistole mit Schalldämpfer, mit der er Gesmundo und einen seiner Assistenten erschießt… Zurück in Mailand findet er seine Frau im Bademantel mit einem Buch, betritt das Kinderzimmer und gibt dem schlafenden Sohn einen Kuss. Am nächsten Morgen trifft er Nick Gusto (Richard Conte) und eröffnet ihm, dass sein Auftragsmord an Gesmundo der letzte für die Organisation gewesen sei und er aussteigen werde. Gusto ist davon nicht begeistert, verspricht jedoch, in Paris für Tony ein Wort einzulegen…
 
„Was Tessaris Film vom Spätwerk eines Melville unterscheidet, ist, dass er sich nicht die Boshaftigkeit verkneifen kann, sowohl dem Zuschauer als auch Arzenta die Möglichkeit eines unerwarteten Happy Ends zu suggerieren“, bringt es Oliver Nöding in seinem Blog Remember It For Later auf den entscheidenden Punkt. Und er nennt als Referenz auch den Namen jenes französischen Regisseurs, der für diese Art Neo Noir in Europa seit den Frühsechzigern stilbildend geworden war und die Premiere dieses Films im August 1973 nicht mehr erlebte, Jean-Pierre Melville. In dessen Der eiskalte Engel (FRA/ITA 1967), einem dezidiert an Frank Tuttles Klassiker des Film Noirs Die Narbenhand (USA 1942) angelehnten Werk, hatte Alain Delon mit der Figur des Killers Jef Costello zu einer Rolle gefunden, die für einen Großteil seiner Filme während der Siebziger zu seinem Markenzeichen wurde. Auch in Tödlicher Hass erkennen wir jene Art distanzierter Coolness, unter der sich ebenso Bitterkeit und skrupelloser Hass wie auch Zuneigung und Empathie verbergen, letztere vor allem in der Beziehung zu seinem Sohn Carlo, zu seinem Freund Domenico Maggio (Marc Porel) und zu der wie er selbst von der Mafia gejagten und mit ihm verbündeten Sandra (Carla Gravina). Im Ganzen ist die italienisch-französische Co-Produktion ein nicht untypischer B-Film jener Jahre, der den Zuschauer mit Action und Shoot-Outs in Kino locken wollte, wofür sie seinerzeit vom Filmjournalismus abgestraft wurde. Aus heutiger Sicht fallen nicht nur die detailverliebt innovative Kameraarbeit und die Ausstattung ins Auge sondern auch jener gnadenlose Nihilismus, der die Erzählung von der ersten Einstellung an beschwert. Wie Badende, die unterhalb einer geschlossenen Eisdecke mit letzter Kraft versuchen an die Luft zu gelangen, derart zappeln die Protagonisten in Fängen der Organisation, der sie manche Wunde beibringen und der sie nicht entrinnen.
 
Von der Entwicklung seiner Handlung erinnert Tödlicher Hass an Mike Hodges’ Jack rechnet ab (UK 1971). Eindeutig ist auch der häufig erwähnte Einfluss von Fritz Langs Heißes Eisen (USA 1953) und schon ein Film wie Die Rache des Johnny Cool (USA 1963) bereitete für diese Art Neo-Noir-Thriller den Boden. Die Darstellung Alain Delons ist mir persönlich ein wenig zu routiniert, demgegenüber ich Richard Conte, Marc Porel, Nicoletta Machiavelli und den aus vielen deutschen Produktionen bekannten „Fiesling“ Anton Diffring auffällig gut finde. Was seinerzeit als einer von vielen blutigen Krimis auf dem Index landete und aus den Kinos und aus der Erinnerung schnell verschwand, ist heute ein Werk, das mehr über die Mechanismen seiner Zeit verrät als der gesamte Oscar-prämierte Eskaspismus aus Hollywood. Duccio Tessaris Neo Noir - er war 2015 auch im Programm des Noir Film Festivals in Tschechien - ist als DVD in verschiedenen Fassungen auf dem Markt, seine offizielle Laufzeit soll 108 Minuten betragen. Meine Big Guns (seinerzeit US-Titel) benannte Version mit englischer Synchronisation und ohne Untertitel läuft 104 Minuten; manche Fassungen sind auf 95, 97 oder 99 Minuten gekürzt. Eine deutsche Edition gibt es bis dato nicht, und da mir mindestens 4 Minuten Spielzeit nicht zugänglich waren, kann ich übers Ausmaß der Brutalität nur bedingt eine Aussage treffen. Tödlicher Hass ist kein Meisterstück, doch allemal ein Werk klassischen europäischen Erzählkinos, wie es heute kaum noch zu finden ist.
 
Die Situation auf dem DVD-Markt für diesen Film ist extrem unübersichtlich. Manche Editionen werden ganz ohne Angabe einer Laufzeit präsentiert. Die im Rahmen der Alain Delon Collection angebotene französische DVD (2003 und 2011) von Fox Pathé Europa verzeichnet bloß 99 Minuten Länge, ist also stark gekürzt und beinhaltet obendrein lediglich die französische Synchronfassung ohne Untertitel. Die mir bekannte US-Version verfügt nur über eine englische Tonfassung. Manche Versionen des Films sind nicht im korrekten Bildformat, was Widescreen (1.85:1) wäre, sondern zeigen eine Fernsehfassung im Vollbildformat (4:3). Eine japanische DVD von TOWA beinhaltet wohl die vollen 108 Minuten; mehr dazu erfährt man im Blog bei Bloodsuckerz.net.
 

Neo Noir | 1973 | International | Duccio Tessari | Alain Delon | Richard Conte | Roger Hanin

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