Blood

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Film Noir und Neo Noir von 1922 bis heute


Bewertung
****
Originaltitel
Blood
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
2012
Darsteller

Paul Bettany, Stephen Graham, Brian Cox, Mark Strong, Ben Crompton

Regie
Nick Murphy
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Police Detective Joe Fairburn (Paul Bettany) erinnert sich daran, wie Vater Lenny (Brian Cox) ihm und seinem Bruder Chrissie (Stephen Graham) früher im Watt vor den Inseln immer riet, die Jacken zuzuknöpfen, damit sie der Wind nicht aufs Meer hinaustriebe. Und sie hatten ihm das geglaubt… Von allen Richtungen strömen Menschen zum Skater-Rondell einer Wohnsiedlung, das Polizisten in Uniform eben absperren und auf deren Grund die grausig zugerichtete, mit 12 Messerstichen ermordete Teenagerin Angela Drinkle liegt. Auch die im Morddezernat beschäftigten Brüder Joe und Chrissie Fairburn sind an Ort und Stelle, ebenso wie ihr Kollege Robert Seymour (Mark Strong). Für die Männer ist der Anblick nicht leicht zu verdauen, besonders für Joe, der selbst Vater der 15jährigen Miriam (Naomi Battrick) ist. Als das Handy der Toten klingelt, nimmt Chrissie es aus der Tasche ihrer Jeans, doch der Anrufer ist nicht klar zu verstehen, es ist nur ein Murmeln vernehmbar. Joe holt seine Tochter von einem Wettlauf ihrer Klasse an der Seepromenade ab. Ihre Schule wird aus Anlass der Ermordung Angelas geschlossen, die Miriam jedoch nicht persönlich kannte... Im Büro sprechen die Kollegen von Joes anstehender Feier aus Anlass seiner inzwischen zwanzigjährigen Ehe mit seiner Frau Lily (Natasha Little). Indessen landet die Aktie von Jason Buliegh (Ben Crompton) auf Joe Fairburns Schreibtisch. Buliegh ist ein erst kürzlich aus der Haft entlassener Pädophiler, der häufig in Angelas Gesellschaft gesehen wurde…
 
“Filled with darkness and shadows, with a tension like an anxious heartbeat, “Blood“ is surprisingly effective”, schreibt Sheily O’Mailley für Roger.Ebert.com, doch das ist eins der wenigen positiven Resümees zum Film. Nick Murphys zweite Arbeit furs Kino brachte dem britischen Fernsehrregisseur weit weniger Lorebeeren ein, als er verdient hätte. Weder die Kritiker noch das Publikum konnten sich mit dem tief ernsten und düsteren Thriller anfreunden, dessen Handlung minimal, dessen Charaktere vielschichtig und dessen Verlauf schlicht tragisch ist. Blood ist ein Film in der Tradition nicht nur des Kinos, obgleich seine Zugehörigkeit zum Kanon des Neo Noirs ganz unstrittig ist - vom Erzähler aus dem Off, über die Rückblendentechnik bis zu jenem Schritt vom Weg ab, der von Recht zu Unrecht leitet und der keine Umkehr zulässt, wie sehr man auch strampelt und sich sträubt. Ohne Hektik und ohne übermäßige Dramatik zieht das Drehbuch die Schlinge um die Brüder Chrissie und Joe Fairburn zu, wobei der Titel sich keineswegs auf eine plakativ gezeigte Brutalität des Mordens sondern auf Familienbande bezieht. Denn die Fairburns sind eine Familie von Polizeibeamten, und der patriarchische Lenny hat eine ureigene Auffassung davon, was erfolgreiche Methoden sind und wie seine Söhne und seine ehemaligen Kollegen sie zu befolgen haben. Fernab von einem banalen Copthriller im Neo-Noir-Kostüm à la Helden der Nacht (USA 2007) gelingen Autor Bill Gallagher glaubwürdig konturierte Charaktere, die beizeiten noch etwas genauer hätten ausgeführt werden können. Womöglich zeitgt sich hier die Schwäche der kurzen Spielzeit des einzelnen Films, beruht Blood schließlich auf der von Gallagher bereits 2004 geschriebenen TV-Serie Conviction, die für die Geschichte der Fairburns in 6 Episoden immerhin 360 Minuten Länge beanspruchte.
 
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© Koch Media GmbH
 
Der Film Noir hat eine lange Historie in England. Er entwickelte sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs parallel zu demjenigen in den USA und brachte eine Reihe von Meisterwerken hervor. Auch gab es immerzu exzellente Schauspieler, Frauen wie Männer, die aus England stammten. In Blood zeigen uns die vier Herren in Hauptrollen einmal mehr, wo heutzutage auf der Insel die Messlatte anzusetzen ist. Bettany und Graham als Geschwister, Cox als deren Vater und Strong als ihr inzwischen emanzipierter Kollege, der als gewiefter Ermittler und als Mann mit ureigener Geschichte riecht, was hier faul ist, sie alle erweisen sich als erstklassiges Ensemble, dem die Frauen in Nebenrollen in nichts nachstehen. Tja, ist der Film folglich zu dunkel und allzu deprimierend, um das hiesige Thriller-Publikum zu begeistern? Das mag sein. Der Neo Noir tut sich gerade in Deutschland seit Jahren schwer, sobald er nicht auf Action und eine flotte Erzählweise setzt, sondern eher geruhsam und detailgenau sein möchte, wie es bei Blood der Fall ist. Ich empfehle Nick Murphys Werk denen, die sich im klassischen Drama heimisch fühlen, ein deftiges Stück Erzählkino zu schätzen wissen und sich vor bitteren Wahrheiten, wie sie im Neo Noir keine Seltenheit sind, nicht scheuen. Blood ist kein Meisterwerk, doch eins jener europäischen Noir-Werke aus den letzten Jahren, das es stets zu entdecken gilt.
 
Exzellente BD- und DVD-Editionen (2013) der Koch Media GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, inklusive der deutschen und der englischen Tonspur, dazu optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer sowie Interviews mit Paul Bettany und Nick Murphy als Extras.
 

Neo Noir | 2012 | UK | Nick Murphy | Brian Cox | Stephen Graham | Zoë Tapper

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