Helden der Nacht

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Bewertung
**
Originaltitel
We Own The Night
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2007
Darsteller

Joaquin Phoenix, Mark Wahlberg, Eva Mendes, Robert Duvall, Danny Hoch

Regie
James Gray
Farbe
Farbe
Laufzeit
112 min
Bildformat
Widescreen
 

 

Bild Helden der Nacht-Poster-web4.jpg Bild Bild
© Universal Pictures
 
New York im Jahr 1988: Im Stadtteil Brooklyn ist der sich über mehrere Etagen erstreckende Nachtclub El Caribe die erste Adresse im Nachtleben der Stadt. In seinem Büro möchte deren Geschäftsführer Bobby Green (Joaquin Phoenix) mit seiner Freundin Amada Juarez (Eva Mendes) gern auf dem Sofa zusammen kommen, als sie von Bobbys rechter Hand Jumbo Falsetti (Danny Hoch) jäh gestört werden. Einige Betrunkene schlagen im Parterre vor der Bar über die Stränge und Bobby soll helfen, die Situation in den Griff zu bekommen… Auf der anderen Straßenseite besucht Bobby den Inhaber des Clubs, den russischen Patriarchen Marat Buzhayev (Moni Monshov), dessen Frau Kalina (Elena Solovey) ihm die Tür öffnet und ihn dann mit selbst gekochten Leckereien verwöhnt. Buzhayev verabredet sich mit Bobby für die kommende Woche, denn er schätzt dessen Arbeit im El Caribe und möchte über weitere Pläne fürs New Yorker Nachtleben mit ihm sprechen… In der St. Chrisophers Church im Stadtteil Queens findet eine Abendveranstaltung des New York Police Departments zu Ehren von Police Captain Joseph Grusinsky (Mark Wahlberg) statt. Das ist Bobby Greens Bruder, insofern der als Geschäftsführer des El Caribe den Mädchennamen seiner verstobenen Mutter führt. Bei der Feier ist auch der Vater der Brüder und Chief der New Yorker Polizei, Burt Grusinsky (Robert Duvall), anwesend, der auf Bobby nicht gut zu sprechen ist. Indessen die beiden auf ihn warten, rauchen Bobby und Amada im Auto einen Joint…
 
“It's not that it's done poorly (…) but rather that there is nothing here that you haven't seen before. And when we say nothing, we mean nothing. At all.” So schreibt David Medsker für Bullz-Eye.com und setzt damit den ersten Akzent. Ins Jahr 1988 versetzt, erinnert der fein ausgestattete und gut besetzte Film optisch an Neo-Noir-Werke aus der Werkstatt Martin Scorseses oder Abel Ferraras, erreicht aber nicht ansatzweise deren Klasse. Nun zeugt das Prädikat “Neo“ vor dem “Noir“ davon, dass sich die Filmsparte eh auf teils erschlossenem Terrain bewegt. Helden der Nacht ist jedoch so uninspiriert wie dessen deutscher Titel und seine Geschichte besteht nicht nur aus bekannten Versatzstücken, sondern ist per se unglaubwürdig. Derart unglaubwürdig nämlich, dass sie spätestens nach der ersten Hälfte für den Zuschauer zum Ärgernis wird. Zu dem Zeitpunkt hat der eingangs als hedonistisch und unabhängig vorgeführte Bobby Green aka Grusinsky plötzlich seine Familie wiederentdeckt. Im Nu wird er zu einem noch fanatischeren Gefolgsmann seines Vaters Burt Grusinsky als sein Bruder Joseph, indessen er sich zu Beginn über beide bloß amüsiert. Der Sinneswandel ist trotz der rachsüchtigen russischen Mafia eine Farce und entlarvt die ganze Konstruktion als genau das, eine Farce nämlich. Zu Beginn sehen wir Bobby Green, den beim steinreichen Marat Buzhayev so beliebten Geschäftsführer. Außer der Anweisung, zwei, drei Betrunkene rauszuwerfen, tut er aber nie etwas, was nach Arbeit aussieht. Später halten die Russen ihn für ein Genie, weil er ihnen vorschlägt, von Brooklyn nach Manhattan zu expandieren. Police Captain Joseph Grusinsky veranstaltet im El Caribe mit einem Riesenaufgebot eine Razzia, um den Dealer Vadim Nezhinski (Alex Veadov) zu schnappen, den er dann laufen lassen muss, weil er nicht ein Krümelchen Haschisch bei ihm findet… Was ist das alles für ein Unsinn? Jeder deutsche TV-Krimi ist besser recherchiert und mit Blick auf die Polizeiarbeit stichhaltiger als solcher Mumpitz.
 
“Gray shapes his classical framework too close to both contrivance and convention too often, leaving his intriguing thematic payload lost in murky, indistinct drama,” schlussfolgert Jonathan Crocker für Time Out. Und vor allem folgt es einer Richtung, die in eine antiquierte Schwarzweißmalerei mündet. Vom Ende her betrachtet, gibt es die großartigen, selbstlosen New Yorker Cops, die sich als ganze Familie dem Wohl des Vaterlands verschreiben, und die bösen Invasoren aus Russland, die als Familie eine liebreizende Fassade errichten, dahinter sie mit diabolischer Skrupellosigkeit ihren illegalen Geschäften nachgehen und jeden hinrichten, der sich ihnen in den Weg stellt. Doch abgesehen vom “Kalten Krieg“, der 1988 noch nichtg ganz vorüber war, gibt es Signale eines versteckten Rassismus’. So sehen wir Bobbys Freundin aus Puerto Rico, Amada Juarez, die sich vom Acker macht, wenn es unbequem wird, sowie den Freund mit italienischen Wurzeln, Jumbo Falsetti, der loyal scheint, sich jedoch als Verräter entpuppt. Vom Finale und vom nationalistischen Pathos der Schlusssequenz will ich gar nicht erst reden - beides ist so banal, dass einem die Spucke wegbleibt. Bei Pressevorführungen auf den Filmfestspielen in Cannes 2007 wurde der Film während des Abspanns von Kritikern ausgebuht, zugleich wurde Gray für die Goldene Palme nominiert. Oberflächlich ist Helden der Nacht nur ein konservatives und schlampig konstruiertes Cop-Drama, dessen Akteure entgegen der Meinung vieler Kritiker darin nicht zur Hochform auflaufen. Vor allem Mark Wahlberg und Joaquin Phoenix liefern als zentrale Charaktere lediglich solide Leistungen, demgegenüber Robert Duvall und Eva Mendes am ehesten überzeugen. Aber auch gemessen am Unterhaltungswert, den solch professionell polierte Oberfläche erzeugt, gibt es weit bessere Filme. Von den Ambivalenzen, die Scorsese und Ferrara in ihren Neo-Noir-Werken zeigen, ist keine Spur zu finden. Lange Rede, kurzer Sinn: James Grays Film hinterlässt einen üblen Nachgeschmack und ist schlicht überflüssig.
 
Gute BD- und DVD-Ausgaben der Universal Pictures Germany GmbH (2008) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch, Englisch, Spanisch, die gleichen Sprachen als Untertitel, ein Making of als Extra.
 

Neo Noir | 2007 | USA | James Gray | Joaquin Phoenix | Mark Wahlberg | Robert Duvall | Tony Musante | Eva Mendes

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