Blue Ruin

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Bewertung
****
Originaltitel
Blue Ruin
Kategorie
Neo Noir
Land
USA/FRA
Erscheinungsjahr
2013
Darsteller

Macon Blair, Devin Ratray, Amy Hargreaves, Kevin Kolack, Eve Plumb

Regie
Jeremy Saulnier
Farbe
Farbe
Laufzeit
87 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Dwight Evans (Macon Blair) badet in Häusern, deren Bewohner gerade unterwegs sind. Er sucht am Strand von Rehoboth Beach, Delaware, nach leeren Pfandflaschen und stöbert im örtlichen Vergnügungspark Funland in Müllsäcken nach Essbarem. Seine Behausung ist ein Autowrack, das in einer Brache steht, hier liest und schläft der keinesfalls gänzlich verwahrloste Mann. Eines Morgens weckt ihn Police Officer Eddy (Sidné Anderson) und fordert ihn auf, mit ihr aufs Revier zu kommen. Sie entschuldigt sich dafür, dass sie so geheimnisvoll tue. Sie wolle sicherstellen, dass er nicht allein sei, wenn er erfahre, dass Wade Cleland (Sandy Barnett) vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen werde… Dwight ist von der Nachricht schockiert. Doch bald wird er tätig. Er baut die Batterie ins Auto ein, betankt den Wagen und der startet auch. In einem Supermarkt kauft er eine Straßenkarte von Virginia. Andernorts begutachtet er zum Verkauf ausliegende Handfeuerwaffen. Als er eine Videokamera sieht, nimmt er bloß eine Postkarte und eine Briefmarke. Er schreibt an seine Schwester Sam (Amy Hargreaves) und wirft die Karte in den Postkasten, bevor er aufbricht. Am Abend stiehlt er vor einer Raststätte aus einem Pickup Truck eine Pistole, doch beim Versuch, deren Schloss zu knacken, zerstört er sie. Er fährt, bis er das Deerfield Correctional Center erreicht, wo Wade mit einem Karton Habseligkeiten von Carl, Kris, Teddy und Hope Cleland (Brent Werzner, Eve Plumb, Kevin Kolack, Stacy Rock) in Empfang genommen wird…
 
“You know what's awful? Just 'cause my dad loved your mom... we all end up dead.” Der Neo Noir Blue Ruin ist einer von vielen mit Ach und Krach finanzierten Independentfilmen und er ist einer der wenigen, der Kritiker und Publikum aufscheuchte und sich nach seiner Prämiere auf dem Filmfestival in Cannes im Mai 2013 über einen Zeitraum von 1 ½ Jahren weltweit seinen Platz in den Kinos und auf den Regalen für BDs und DVDs eroberte. Man sieht ihm sein schmales Budget an; sowohl die Schauspieler als auch sein Autor und Regisseur sind auf der internationalen Bühne fast unbekannt, und wirklich neu ist weder sein Thema noch die Art der Erzählung. Aber wie im Fall von Debra Graniks Winter’s Bone (USA 2010) oder Andrew Dominiks Killing Them Softly (USA 2012) zelebrieren die Beteiligten vor und hinter der Kamera das Ritual des Erzählens selbst mit einer ungewohnten Intensität. Darin liegt die Stärke unabhängiger Produktionen, die seit gut 10 Jahren zunehmend Abstand zum Einerlei der Blockbuster suchen und sie auch finden. Wie im B-Film der Vierziger und Fünfziger, als z.B. Edgar G. Ulmers Detour (USA 1945) oder Stanley Kubricks Die Rechnung geht nicht auf / Killing (USA 1956) weit über den Rahmen ihrer Kulissen und Kosten hinausragten, zeigen kleine und kleinste US-Produktionen heutigentags wieder große Klasse. Auch Blue Ruin fokussiert sich über weite Strecken auf die entscheidenden Zutaten, die schlicht vorhanden sein müssen – auf seine Schauspieler nämlich, die Jeremy Saulniers Drehbuch adäquat umsetzen, und das tun sie meisterhaft.
 
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© Ascot Elite Home Entertainment
 
Als Tragödie von geradezu antikem Zuschnitt erinnert Blue Ruin in seiner unverzagten Inszenierung an die Ursprünge westlicher Theatergeschichte. In den Konstellationen der Figuren, in ihren Dialogen und dem Hin und Her von Freund und Feind ist der Film im Grunde "klassizistisch", darüber wollen auch der Hardcore-Punk von The Baseball Furies und der Countryrock von The Texas Sapphire und Horse Opera nicht hinwegtäuschen. Der klassische Film Noir war gewissermaßen die Entdeckung der in fatale Romantik getauchten Tragödie durch Hollywood, als Autoren und Regisseure der Traumfabrik, darunter viele Exilanten, sich anschickten, die von der Rezession der Dreißiger geprägten Down-and-Out-Stories Raymond Chandlers, Dashiell Hammetts und James M. Cains zu verfilmen. Blue Ruin greift diese Tradition auf und steht über 60 Jahre später als Independentfilm zugleich in einer neuen Serie von Neo Noirs, die seit einigen Jahren auch in den USA an Qualität zulegen, wie Steve-O in seiner Besprechung von Jeremy Saulniers Werk für Film Noir of The Week festhält: “Right now in the US there's another great neo noir revival going on.“ Bemerkenswert ist, dass Independentfilme à la Blue Ruin heute solche überblasenen Blockbuster wie Gangster Squad (USA 2013) oder Sin City 2 - A Dame To Kill For (USA/CYP 2014) - beide mit Produktionskosten von 60 bis 65 Mio US-Dollar und bis zum Bersten voller internationaler Filmstars - in all deren Irrelevanz und Ödnis schlicht der Lächerlichkeit preisgeben. Blue Ruin, der lediglich 425,000 US-Dollar kostete, ist nicht perfekt, aber eine ebenso eigenwillige wie vor allem spannungsgeladene Erweiterung des aktuellen Kanons. Sehr empfehlenswert!
 
Erstklassige BD- und DVD-Editionen (2015) der Ascot Elite Home Entertainment GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, - 87 Minuten ist in PAL absolut richtig - Tonspuren auf Deutsch und auf Englisch, optional deutsche Untertitel, dazu den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2013 | USA | Jeremy Saulnier | Macon Blair

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