Cry Danger

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Bewertung
***
Originaltitel
Cry Danger
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Dick Powell, Rhonda Fleming, Richard Erdman, William Conrad, Regis Toomey

Regie
Robert Parrish
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Los Angeles: Nach fünf Jahren in Haft kommt der ex-Marine Rocky Mulloy (Dick Powell) auf freien Fuß. Ihm wurde vorgeworfen, zusammen mit seinem Kumpanen Danny Morgan bei einem Raubüberfall 100.000 US-Dollar erbeutet und den Mord an einem Wachmann begangen zu haben. Erst jetzt entlastete ihn ein anderer ehemaliger Marinesoldat namens Delong (Richard Erdman), der zu der fraglichen Zeit mit Mulloy in Los Angeles zusammen gewesen sein will, dann jedoch für fünf weitere Jahre nicht in den USA war. Bereits am Bahnhof lauert Detective Lieutenant Gus Cobb (Regis Toomey) mit Delong dem freigelassenen Häftling auf und folgt ihm nach draußen, wo jener vom Zeitungsverkäufer Hank (Lou Lubin) angesprochen wird, der ihm die Ausgabe des Los Angeles Post-Journals zeigt, die Mulloys Entlassung auf der Titelseite bringt. Zu dritt gehen sie in eine Bar, wo Cobb dem ehemaligen Gangster Mulloy klar macht, das er ihn Tag und Nacht beschatten lassen wird. Nachdem Cobb sie verlassen hat, eröffnet Delong Rocky Mulloy, dass sein Alibi natürlich falsch war und er sich einen Anteil an den 100.000 US-Dollar erhofft, von denen bis dato noch kein Cent aufgetaucht ist. Doch Mulloy behauptet, an dem Überfall gar nicht beteiligt gewesen und unschuldig zu sein. In Delongs Wagen fahren sie zu einem Trailerpark, wo Danny Morgans Frau Nancy (Rhonda Fleming) lebt, einst auch Rocky Mulloys große Liebe …
 
“There is no atmosphere and it all plays out like a too long second-rate 50s TV police drama. A sorry example of how not to make a noir”, ist die Meinung von Tony D’Ambra in seiner Rezension für Filmsnoir.net und sie ist zu 100% richtig. Das Ganze wirkt wie ein Remake eines Film Noirs der 1940er, mit Dick Powell in der Tough-Guy-Rolle, die er über die Schwelle des Glaubwürdigen und des für den Zuschauer Erträglichen ausspielt. Dick Powell ist alle andere als ein schlechter Schauspieler, aber sein Rocky Mulloy ist eher eine Karikatur von Sam Spade & Co. als ein wirklicher Rollencharakter. Dabei war er es, der in Edward Dmytryks Murder, My Sweet (USA 1944) nicht nur die erste sondern auch die beste Verkörperung von Raymond Chandlers Privatdetektiv Philip Marlowe ablieferte und dieses Urteil gilt für die ganze Ära des klassischen Film Noirs. Hier war Powell sowohl tough, weltweise und sarkastisch als auch mit weiteren Charaktereigenschaften gesegnet, unter anderem verletzlich und von inneren Dämonen getrieben. Demgegenüber ist sein Rocky Mulloy enorm eindimensional, ein über jedes Maß hinaus selbstbewusster Womanizer und prügelnder Schmalspurgangster. Man nimmt ihm weder die 5 Jahre im Gefängnis ab noch seine Loyalität zu Danny Morgan, dem langjährigen Busenfreund, die ihn zu seinem Aufklärungsfeldzug antreibt, denn ein Motiv persönlicher Rache ist es nicht. Im Nu wird klar, dass Rocky Mulloy lediglich ein Starvehikel für Dick Powell war, der am laufenden Meter Einzeiler ausspuckt, alle nach der Rezeptur der alten Film-Noir-Drehbücher verfasst und allesamt over-the-top.
 
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“Listen, doll girl, when you drink as much as I do, you’ve got to start early.” Auch die übrigen Charaktere kommen vom Reißbrett und geben wenig her, weder Regis Toomey als schlauer Cop mit Herz noch Rhonda Fleming als biedere Jugendliebe – früher Femme fatale, heute Sekretärin. Es illustriert nur die simple Tatsache, dass Cry Danger in den erzkonservativen Fünfzigern entstand und vereinzelt Elemente des Film Noirs wie sozusagen dekorative Accessoires in sein simpel gestricktes Kriminalschema übernimmt. Sogar stilistisch gibt es kaum Anleihen beim Film Noir, denn trotz Kameramann Joseph F. Biroc (Die gläserne Mauer, USA 1953) zeigen sich weder viele Nacht- oder Außenaufnahmen noch innovative Perspektiven. Wer nicht darüber nachdenkt, dem fällt nicht auf, dass es hier - von vereinzelten Sequenzen abgesehen - so etwas geben könnte. Wer nicht darüber nachdenkt, kommt nicht auf die Idee, dass Cry Danger ein Film Noir sein will. Nun, er ist es gewissermaßen, aber noch sein von Die Spur des Falken / Der Malteser Falke (USA 1942) inspiriertes, bloß viel schwächeres Ende zeigt, inwieweit der einst beste Philip Marlowe in seinem letzten Film Noir als Sam-Spade-Kopie die eigene Legitimität untergräbt. Für Film-Noir-Komplettisten teils von Interesse. Im Übrigen erklärt sich, warum Cry Danger in Deutschland weder jemals im Kino noch im Fernsehen lief – der Film ist ein durch die Bank harmloser Routinekrimi.
 
In Europa gibt es eine spanische DVD-Edition mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu englischer Ton mit spanischen Untertiteln. In den USA erscheint im April 2014 bei Olive Films eine via Film Noir Foundation bild- und tontechnisch neu restaurierte Ausgabe als BD und als DVD, dazu gibt es dann auch reichlich Extras.
 

Film Noir | 1951 | USA | Robert Parrish | Joseph F. Biroc | Dick Powell | Jay Adler | Lou Lubin | Regis Toomey | William Conrad | Rhonda Fleming

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