My Name Is Julia Ross

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Bewertung
***
Originaltitel
My Name Is Julia Ross
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Nina Foch, George Macready, Dame May Whitty, Roland Varno, Anita Sharpe-Bolster

Regie
Joseph H. Lewis
Farbe
s/w
Laufzeit
65 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Columbia Pictures Corporation
 
Im strömenden Regen eilt Julia Ross (Nina Foch) durch die Haustür von Mrs Mackies (Doris Lloyd) Mietshaus in der Carrington Street, Bloomsbury, London, in den Flur, wo sie die Putzhilfe Bertha (Joy Harrington) mit Schrubber und Eimer antrifft. Sie zeigt der Mieterin, die Mrs Mackie drei Wochen Miete schuldig ist, einen Brief von Dennis Bruce (Roland Varno), einem Nachbarn im Haus, der Julia zu seiner Hochzeit auf dem Land eingeladen hat, doch der Termin war gestern. Julia berichtet Bertha, dass sie bei der Suche nach einer Anstellung erneut kein Glück gehabt habe und findet just in der Tageszeitung ein Inserat der Allison Employment Agency, ein Stellenangebot für eine Sekretärin. Trotz des Regens verlässt sie sofort das Haus und begibt sich dorthin. Hier trifft sie die ältliche Ms Allison (Anita Sharp-Bolster), die sich gewissenhaft erkundigt, ob Julia Ross Familienbande oder ein Liebesverhältnis unterhalte oder doch alleinstehend sei. Julia Ross versichert, dass letzteres der Fall sei, und die Dame erwähnt ein Angebot der in London residierenden Mrs Hughes (Dame May Whitty), die nach einem Anruf Ms Allisons tatsächlich mit ihrem Sohn Ralph (George Macready) in der Agentur erscheint. Schnell ist man sich handelseinig und Julia Ross nimmt die Stelle bei der reizenden alten Dame an. Eigenartig ist nur, dass sie sogleich dort einziehen soll, doch verspricht sie, ihre Sachen zu packen und vor 21:00 Uhr dort zu sein. Kaum ist Julia fort, gratuliert Mrs Hughes der nun als Sparkes titulierten Ms. Allison zu ihrem Geschick und ein bisher im Nebenraum verborgener Mann namens Peters (Leonard Mudie) tritt herein…
 
Die Einflüsse der Frühvierziger in Hollywood, denen sich der B-Film My Name Is Julia Ross nach dem Roman The Women in Red (EA 1941) von Anthony Gilbert (Pseudonym der Engländerin Lucy Beatrice Malleson) verdankt, sind offensichtlich. Alfred Hitchcocks Rebecca (USA 1940) und Verdacht (USA 1941) sind motivisch zitiert. Vor allem kommt George Cukors Das Haus der Lady Alquist (USA 1944) als Einfluss in Betracht, das US-Remake des englischen Thrillers Gaslight (UK 1939), der wie Fritz Langs Ministerium der Angst (USA 1944) und John Brahms Scotland Yard greift ein (USA 1944) neben den Sherlock-Holmes-Filmen mit Basil Rathbone und Nigel Bruce die Popularität von “foggy ole London“ im Hollywood jener Jahre bezeugt. Aber Joseph H.Lewis‘ Thriller, der bis heute wegen seiner stringenten Dramaturgie in 65 Minuten viel Anerkennung erhält, birgt in seiner Handlungslogik etliche Schwächen: “One has to be willing to accept a few implausibilities, and there are moments where you feel like Julia (Nina Foch in a good but somewhat plain performance) isn’t trying hard enough”; urteilt Martin Teller. Das Verbergen und Auffinden von Belegen für die jeweiligen Pläne, darauf das Katz-und-Maus-Spiel beruht, überzeugt im Detail nicht ansatzweise. Ständig kommt ein Zufall dem Plot zu Hilfe, oder das planvolle Verhalten der Kontrahenten kippt urplötzlich in extreme Naivität und Nachlässigkeit. Als die mörderische Familie schließlich zur Tat schreitet, hätte sie es kaum noch dümmer anstellen können. Dabei hatte sie tagelang Zeit, ihr Vorhaben bis ins Letzte zu vorzubereiten.
 
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© Columbia Pictures Corporation
 
“The casting of an actress often described as aloof makes the portrayal of these struggles difficult”, schreibt Mark Fertig für Where Danger Lives und trifft es. Nina Foch überzeugt in der Hauptrolle als die in eine Falle gegangene Julia Ross leider nicht; Roland Varno als ihr Freund und dann plötzlich sogar ihr Verlobter tut es auch nicht. George Macready und Dame Mae Whitty, die auch in Das Haus der Lady Alquist eine kleine Rolle bekleidete, sind exzellent. Der Star des Films ist aber ein Unsichtbarer, nämlich Kameramann Burnett Guffey. Er veredelt den Streifen jenseits seiner gotischen Gruselkulisse mit brillanter Schwarzweißfotografie in Film-Noir-typischen Einstellungen und Perspektiven, die nicht nur das geringe Budget der B-Produktion vergessen lassen sondern mitunter sogar über die Stolpersteine der Erzählweise hinwegtrösten. My Name Is Julia Ross hätte nicht nur eine andere Hauptdarstellerin sondern auch eine längere Laufzeit mit einem detaillierten, sorgfältig und glaubwürdig ausgearbeiteten Handlungsverlauf gut vertragen. Dass der Film in nur 18 Tagen abgedreht wurde, merkt man, denn er hinterlässt einen zu guter Letzt unzufrieden. Über die Abläufe des Finales darf man nicht anfangen nachzudenken, denn sie sind grotesk. Ein teils spannender, zugleich völlig vorhersehbarer Film - keinesfalls schlecht und dennoch schwach.
 
Bildtechnisch erstklassig restaurierte Fassung im Rahmen der Columbia Pictures Film Noir Classic III (2012), einer nur in den USA erschienen, hochpreisigen 5DVD-Box mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu den englischen Originalton ohne Untertitel, sowie mit dem Kinotrailer und einer Bildergallerie als Extras.
 

Film Noir | 1945 | USA | Joseph H. Lewis | Burnett Guffey | George Macready | Nina Foch

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