Auf falscher Spur

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Bewertung
****
Originaltitel
The Clouded Yellow
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Trevor Howard, Jean Simmons, Barry Jones, Sonja Dresdel, Kenneth More

Regie
Ralph Thomas
Farbe
s/w
Laufzeit
90 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Major David Somers (Trevor Howard), ehemals Journalist und inzwischen Agent des britischen Geheimdienstes, ist nach einer gescheiterten Mission am Londoner Flughafen eingetroffen und fährt durch die Stadt zu seinem Vorgesetzten Chubb (André Morell). Das Treffen ist nicht vor der Art, wie es Somers erwartete, denn trotz guter Leistungen in früheren Fällen wird er gefeuert. Chubbs macht deutlich, dass es für Somers unvorteilhaft werden könne, etwaige Geheimnisse seiner Arbeit zu verraten und so muss sich Somers, der keinen Penny angespart hat, nach einer Anstellung umsehen. Er findet eine Stelle als Assistent bei dem Schmetterlingsforscher Nicholas Fenton (Barry Jones). Zuletzt entscheidet Somers sich dafür, weil er sich nach Landleben und Ruhe sehnt, obgleich er mit der Arbeit selbst keine Erfahrung hat. Anfangs fühlt er sich bei dem älteren, kauzigen Herrn und dessen Ehefrau Jess (Sonja Dresdel), die mit ihrer Nichte Sophie Malraux (Jean Simmons), in einem Landhaus abseits jeder Ortschaft wohnen, durchaus wohl. Sophie, deren dunkle Vergangenheit ihre psychische Stabilität mehr als beeinträchtigte, erweist sich zwar als wunderlich, zudem weiß Somers nicht, dass der Geheimdienst via Will Shepley (Kenneth More) noch immer ein Auge auf ihn wirft. Doch ist es vor allem Hicks (Maxwell Reed), der überall erscheinende, ruppige Wildhüter und Handlanger, der Somers verdeutlicht, dass die Dinge anders liegen, als sie scheinen. Hicks unterhält eine stürmische Affäre mit Jess, die sich in seiner Anwesenheit sichtlich wandelt. Und Sophie macht aus ihrem Hass gegen Hicks keinen Hehl, als etwas geschieht, das für sie und David Somers folgeschwer zu enden droht…
 
Das ist einer der (zumindest hierzulande) vergessenen Filme, dessen geringer Bekanntheitsgrad einem im Verlauf der sowohl an Atmosphäre als auch an Spannung reichen Handlung zunehmend weniger einleuchtet. Einmal auf dem Gleis lässt Regisseur Ralph Thomas nicht locker und bringt Auf falscher Spur nach einer Erzählung und einem Drehbuch Janet Greens sicher ins Finale. Das Hafenbecken von London, Newcastle Upon Tyne, der Lake District und Liverpool mit seiner Hochbahn, den Hafenanlagen von Mersey und den Gleisanlagen für den Frachtverkehr: hier wimmelt es von exzellent gewählten Schauplätzen für Außenaufnahmen, die jenes Nachkriegsengland in pointiert düsterer Weise einzufangen wissen. Das Schauspiel von Trevor Howard, dessen Rolle nicht weit von derjenigen des George Clement Morgan in Sträfling 3312 (UK 1947) entfernt liegt und dasjenige von Jean Simmons, zwei Jahre vor ihrer Rolle in Otto Premingers Engelsgesicht (USA 1952), trägt den Film mühelos. Ralph Thomas erreicht als Regisseur nicht die Klasse eines Alfred Hitchcocks, an den dieser Thriller mit seinen Film-Noir-Elementen teils denken lässt und dessen Spionageklassiker 39 Stufen (UK 1935) von Kritikern nicht grundlos erwähnt wird. Dennoch ist dieser britische Schwarzweißfilm der wenig geschätzten Nachkriegsjahre ein Paradebeispiel für exzellent in Szene gesetzte 90 Minuten diesseits der bekannten Meisterwerke Carol Reeds.
 
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Für das Gelingen sorgt auch die gelungene, vielschichtige Charakterisierung der handelnden Personen, ihre stimmige Chemie miteinander, vor allem diejenige zwischen David und Sophie, wenn auch Trevor Howard mit 37 Jahren, gerade gegenüber der 21jährigen Jean Simmons, teils älter wirkt, als er tatsächlich war. Die dunkle Vergangenheit der Femme fragile Sophie Malraux, in einer für Jean Simmons nahezu perfekten Rolle, dazu die Vielzahl der falschen Identitäten, die mit und ohne Wissen des Zuschauers am Ende sich zu enthüllen gezwungen sein werden, das von harten Kontrasten geprägte Schwarzweiß in dem von Vorstädten und Industrieanlagen gezeichneten England der Hafenstädte – es gibt reichlich Film-Noir-Elemente in dem Thriller Auf falscher Spur. An einigen Stellen ist das Drehbuch jedoch zu sehr auf Krimikonventionen bedacht und hier kommt Hitchcock nicht zuletzt als Einflussgeber ins Spiel. Das Finale, im Vergleich zu vielen vergleichbaren Produktionen seiner Zeit richtig gelungen, erinnert einmal mehr an Alberto Cavalcantis Sträfling 3312 (1947). Allemal rundet es einen englischen Film Noir der klassischen Periode, den zu entdecken sich lohnt und dessen deutsche DVD-Edition stets auf sich warten lässt.
 
Die 2010 erschienene DVD-Ausgabe von Eureka präsentiert Auf falscher Spur (Originaltitel) erstmals in der ungekürzten, vollständig restaurierten Fassung, doch bildtechnisch kommt es in der Wiedergabe aufgrund des Ausgangsmaterials zu qualitativen Schwankungen. Im Vergleich mit den nicht restaurierten Werken des Film Noirs ist das zu verschmerzen: komplett im Originalformat mit einer gut verständlichen, englischen Tonspur.
 

Film Noir | 1950 | UK | Ralph Thomas | Janet Green | Geoffrey Unsworth | André Morell | Barry Jones | Eric Pohlmann | Geoffrey Keen | Maxwell Reed | Trevor Howard | Jean Simmons

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