Si muero antes de despertar

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Bewertung
****
Originaltitel
Si muero antes de despertar / El vampiro acecha
Kategorie
Film Noir
Land
ARG
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Néstor Zarvace, Blanca del Prado, Floren Delbene, Homero Cárpena, Enrique de Pedro

Regie
Carlos Hugo Christensen
Farbe
s/w
Laufzeit
73 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Buenos Aires, Argentinien: Eine Wahrheit ist tief ins menschliche Herz eingegraben, so der Erzähler, dass nämlich das Böse nur durch die Reinheit des Kindes besiegt werden kann. Die alten Geschichten erzählen von derlei heldenhaften Jungen und Mädchen, die heute als Holzfiguren auf dem Karussell ihre Kreise ziehen. Noch wie damals hat der Kampf des Kindes wider das Böse seinen Platz in der Wirklichkeit, sehen die Kleider und die Orte auch längst anders aus… Lucio Santana (Néstor Zarvace) ist auf dem Weg zur Grundschule. Er ist alles andere als ein guter Schüler, und als die Pausenglocke die Kinder in den Klassenraum ruft, ist er wieder einmal der letzte. Heute bittet die Lehrerin (Virginia Romay) ihre Schüler die Hefte hervorzuholen und schreibt die Präpositionen mit Ablativ an die Tafel. Lucio zeichnet lieber eine Karrikatur der Lehrerin, und er benutzt den Zopf der vor ihm sitzenden Alicia Miranda (Marta Quintela) als einen Pinsel, bis sie es schließlich bemerkt und dadurch auch die Lehrerin auf die Streitenden aufmerksam wird. Sie verlangt von Lucio die Kasi, von denen sie eben sprach, zu wiederholen, und als er es nicht vermag, antwortet Alicia an seiner Stelle. Die Lehrerin vergibt an das Mädchen die Bestnote, indessen Lucio mit null Punkten abgestraft wird. Nach der Schule hüpft Alicia eine verschlungene Treppe hinunter zum angrenzenden Park. Ein Karussel dreht sich hier, auf dem viele der Schulkinder mitfahren. Sie sucht offenbar jemanden, doch ist es Lucio, der sie hier plötzlich zur Rede stellt…

 

Auf den ersten Blick erinnern der Film und seine Geschichte an Fritz Langs M – Eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931), der zwei Jahre später ebenfalls in Argentinien mit Román Viñoly Barretos Der Würger geht durch die Stadt (ARG 1954) als Neuverfilmung in die Kinos kam. Auch in Si muero antes de despertar lockt ein Serienkiller junge Mädchen in einer ihrer Schule benachbarten Parkanlage mithilfe von Geschenken – Lollies mit Fruchtgeschmack und bunte Schieferkreide – in ein Vertrauensverhältnis, so dass sie sich täglich mit ihm treffen. Und eines Tages ist es ein letztes Mal… In einer Sequenz gibt es einen Verkäufer von Luftballons, und in Anbetracht eines Streifenpolizisten lässt der namenlose Verführer und Mörder (Homero Cárpena) die Hand seines Opfers fahren, um nicht verdächtigt zu werden. Doch damit enden die Parallelen zu Langs Klassiker des frühen deutschen Tonfilms und des dem Film Noir vorangehenden, stilbildenden Kriminalfilms auch schon. Denn in Christensens Werk steht der Schüler Lucio Santana im Mittelpunkt, Sohn des mit den Ermittlungen der Kindesmorde beauftragten Polizeiinspektors (Floren Delbene). Aufgrund eines Schwurs kann Lucio sein Wissen über das Verschwinden der Mitschülerin Alicia Miranda nicht preisegeben. Seine Gewissensnot und sein Verhalten bringen ihn deshalb bei seinen Lehrern und bei seinem Vater in Misskredit. Schon ab dem zweiten Drittel gemahnt der Film dadurch weit mehr an Ted Tezlaffs wunderbaren Film Noir Das unheimliche Fenster (USA 1949) mit Bobby Driscoll in der Rolle des 9-jährigen Tommy Woodry, der Zeuge eines Mordes wird, dem als notorischer Schwindler niemand Glauben schenken will.

 

Wer genauer hinsieht, wird sich darüber auch nicht wundern. Beide Filme basieren auf einer Vorlage des für den US-amerikanischen Film Noir wichtigen, rabenscharz nihislistischen Kriminalschriftstellers Cornell Woolrich. Indessen Tetzlaffs Das unheimliche Fenster (USA 1949) auf der Kurzgeschichte The Boy Cried Murder (EA 1947) beruht, diente Christensens Si muero antes de despertar die Erzählung If I Die Before I Wake (EA 1946) als Vorlage, die Woolrich wiederum unter seinem Pseudonym William Irish publiziert hatte. Und während Bobby Driscoll mit 11 Jahren einen 9-jährigen Jungen spielte, ist der Protagonist der Kurzgeschichte If I Die Before I Wake 11 Jahre alt, indessen Néstor Zarvace bereits 15 war. Er ist als Darsteller jedoch perfekt gewählt, wie überhaupt das wunderbare Schauspiel aller Beteiligten, ob Kind oder Erwachsene, zusammen mit der grandiosen Kameraarbeit Pablo Tsaberneros der schlichten Story das für einen Film Noir nötige Flair verleihen. Man sollte sich von der ersten, großteils bei Tag gedrehten Hälfte des Films nicht täuschen lassen. Wenn die Nacht in den Film Einzug hält, wird es dunkel und dunkler, der von Cornell Woollrich bevorzugten Tönung seiner Geschichten entsprechend. Ist das Ende auch klischeehaft und fast schon banal, so bleibt Si muero antes de despertar einer der unentdeckten, international nahezu unbekannten Film Noirs aus Lateinamerika, der sich für Freunde der Filmklassik und Connaisseure des Film Noirs auf jeden Fall lohnt.

 

Bis heute (2022) gibt es weltweit keine BD- oder DVD-Edition dieses Films, der einzig online als TV-Mitschnitt ungekürzt in einer bild- und tontechnisch unterdurchschnittlichen Fassung mit Originalton ohne Untertitel und im korrekten Bildformat zur Verfügung steht.

 


Film Noir | 1952 | International | Carlos Hugo Christensen | Cornell Woolrich

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