I Love Trouble

Banner-NoirCity_2022-Film_Noir_web3_0.jpg


banner_noir_film_festival-2022-web.jpg


Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
****
Originaltitel
I Love Trouble
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1948
Darsteller

Franchot Tone. Janet Blair, Janis Carter, Adele Jergens, Glenda Farrell

Regie
S. Sylvan Simon
Farbe
s/w
Laufzeit
93 min
Bildformat
Vollbild

 


 

I LoveTrouble-Poster-web4.jpg I LoveTrouble-Poster-web3.jpg I LoveTrouble-Poster-web2.jpg I LoveTrouble-Poster-web1.jpg I LoveTrouble-Poster-web5.jpg

© Columbia Pictures Corporation

Los Angeles, Kalifornien: Eine elegant gekleidete Frau namens Mrs. Jane Johnson (Lynn Merrick) kommt an einem sonnigen Morgen aus der in Westwood gelegenen Filiale der Bank of America. Beim Überqueren der Straße sieht sie einen Zeitung lesenden Mann (Franchot Tone) und wechselt kurzentschlossen die Richtung. Der Mann scheint sich jedoch von ihr fortzubewegen und Mrs. Johnson schlägt erneut einen Haken. Tatsächlich aber taucht der Unbekannte, Privatdetektiv Stuart G. Bailey, gleich wieder auf, und die junge Frau stellt ihn zur Rede. Er mimt den Unschuldigen, steigt in seinen Wagen und fährt davon… Als er im Büro eintrifft, bereitet ihn die in seinem Vorzimmer hinter ihrem Schreibtisch sitzende Hazel Bixby (Glenda Farrell) darauf vor, sich auf einiges gefasst zu machen. Bailey ahnt, dass ihn sein Auftraggeber Ralph Johnson (Tom Powers) erwartet und dass er keine gute Laune hat. Tatsächlich droht ihm der Vorsitzende des Stadtrats und Bevollmächtigte für öffentliche Finanzplanung mit Entlassung. Der Privatdetektiv sollte sich nicht an die Fersen seiner Frau heften, sondern nur in deren Heimat Portland ein wenig in Janes Vergangenheit schnüffeln. Zu Baileys Überraschung argumentiert Johnson damit, dass seine Frau Angst habe und zeigt ihm eine handgeschriebene Notiz, mittels derer man sie zu erpressen hofft. Im Gegenzug ist Ralph Johnson, der Baileys Dienste bereits stornieren will, verblüfft zu hören, dass seine Frau in Westwood ein Bankkonto unterhält und heute eine erhebliche Summe Bargeld abhob…

 

Zwei Jahre vor Premiere dieses Films veröffentlichte der US-Autor Roy Huggins seinen Debütroman The Double Take (EA 1946), auf dem wiederum S. Sylvan Simons I Love Trouble basiert, für das Huggins selbst das Drehbuch verfasste. Darin schuf er mit Stuart G. Bailey einen Privatdetektiv, der 10 Jahre später dank Verkörperung durch Efraim Zimbalist jr. in Richard L. Bares Die Augenzeugin (USA 1958) den Auftakt zu einer der langlebigsten TV-Serien der Zeit liefern sollte - zu 77 Sunset Strip (USA 1958-1964) für Warner Bros. Television. An der Seite seines Mitstreiters Jeff Spencer (Roger Smith) verkörperte Efraim Zimbalist jr. den “Private Eye“ Stu Bailey in 173 je einstündigen Episoden, alle in Schwarzweiß und doch von Anbeginn fernab vom Film Noir. Als jener erste Stuart G. Bailey wird Franchot Tone von seinem Regisseur und vom exzellenten Kameramann Charles Lawton jr. (Die Lady von Shanghai, USA 1947) geradewegs in die Vorhölle des Film Noirs entsandt. Denn ob Freund oder Feind ist für ihn kaum zu entscheiden: Bailey tigert durch illegale Spielclubs und abgelegene Gassen und Hinterhöfe bei Nacht, wird niedergeschlagen und hinters Licht geführt, gibt in I Love Trouble doch eine Femme fatale der nächsten die Klinke in die Hand. Franchot Tone überzeugt als Privatdetektiv und zwar auf ganzer Linie. Wie sein berühmtester Kollege in der Rolle des P.I. - Humphrey Bogart - wirkt Tone jenseits der 40 stets frisch und engagiert. Die Besetzung ist insgesamt bemerkenswert, da es sich um haufenweise Darsteller aus der zweiten Reihe handelt, die ein Connaisseur zu schätzen weiß: Adele Jergens, John Ireland und Raymond Burr sind einige aus einer beeindruckenden Vielzahl. Seine Drehorte in Los Angeles, die knackigen Dialogzeilen voll boshaft doppelbödigem Witz und die vertrackte, an Raymond Chandler gemahnende Geschichte tragen zum Gelingen des Werks bei, das mit Fug und Recht in den Kanon des klassischen Film Noirs sortiert gehört.

 

I LoveTrouble-lc-web1.jpg I LoveTrouble-lc-web2.jpg I LoveTrouble-lc-web3.jpg

© Columbia Pictures Corporation

“You ever have the feeling you've been watched or followed?” – “Not nearly enough.” Vergleichbar vielen Film Noirs der Zeit ist I Love Trouble ein Paradebeispiel für jenes hochgezüchtete Flirten in Drehbüchern der Goldenen Ära in Hollywood. Es wimmelt geradezu von zugespitzten Bonmots, die sich Mann und Frau mit Genuss um die Ohren hauen: “Humble pie gives me hives.“ Die Geschichte selbst schreitet geruhsam voran, wie es in der Filmklassik Usus ist, doch gibt es genug der Verwicklungen und der dubiosen Charaktere, um seine Zuschauer bei der Stange zu halten. Einziges Minus: Stuart G. Bailey ist zu sehr Bürgertum und Mittelstand, ein Mann ohne Dämonen einer finsteren Vergangenheit und ohne eine Neigung zu Schwermut - einer, der seinen Beruf wie ein Beamter ausübt. Im richtigen Leben wurde es für Franchot Tone allemal turbulent, als er 1951 B-Film-Sexsymbol Barbara Payton (Den Morgen wirst du nicht erleben, USA 1950)  ehelichte und von deren Verehrer Tom Neal (Detour, USA 1945) krankenhausreif geschlagen wurde, was Neals Filmkarriere ein für allemal beendete. Roy Huggins kreierte jenseits von 77 Sunset Strip (USA 1958-1964) mehrere TV-Serien um Privatdetektive, von denen Detektiv Rockford - Anruf genügt (USA 1974-1980) die bekannteste wurde. Im Kielwasser von Roman Polanskys Neo Noir Chinatown (USA 1974) schuf Roy Huggins die in den 30er Jahren angesiedelte Fernsehserie City Of Angels (USA 1976) um den Privatdetektiv Jake Axminster (Wayne Rogers), die jedoch nach 13 Folgen eingestellt wurde und heute (in den USA) Kultstatus genießt.

 

Mit der fein editierten 5-DVD-Box Columbia Pictures Film Noir Classics (2009) starteten Sony Pictures Home Entertainment und The Film Foundation in den USA die Aufbereitung von Klassikern des Film Noirs bei Columbia Pictures auf DVD und später auch auf BD. Warum ausgerechnet I Love Trouble bis heute nicht in einer hochwertig restaurierten Fassung vorliegt, demgegenüber viele weniger explizit dem Film Noir zugehörige Werke in solche Editionen Einzug hielten, erschließt sich mir nicht. Dank Reel Vault gibt es eine US-amerikanische DVD (2019), die den Film in exakt jener miserablen Bild- und Tonqualität beinhaltet, - ungekürzt im Originalformat mit englischem Ton ohne Untertitel und ohne Extras - wie er sich auch in zahlreichen Online-Foren findet.

 


Film Noir | 1948 | USA | S. Sylvan Simon | Charles Lawton jr. | Eduardo Ciannelli | Franchot Tone | John Ireland | Paul E. Burns | Steven Geray | Tom Powers | Adele Jergens | Janis Carter

Neuen Kommentar schreiben

Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.