große Trick, Der

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Bewertung
****
Originaltitel
The Big Fix
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1978
Darsteller

Richard Dreyfuss, Susan Anspach, Bonnie Bedelia, John Lithgow, Ofelia Medina

Regie
Jeremy Kagan
Farbe
Farbe
Laufzeit
108 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Los Angeles, Kalifornien: Privatdetektiv Moses Wine (Richard Dreyfuss) beobachtet mit seinem sechsjährigen Sohn Simon (Danny Gellis) eine Verladestation von Turkey Land. Mit dem Fernglas vor Augen zählt Wine die via Draht in einen Lkw transportierten, geschlachteten Truthähne, als ein Motorradpolizist (Caskey Swaim) ihn auf der zu einer Überführung emporsteigenden Treppe erspäht und zu sich hinunter zitiert. Der Cop macht ihn auf das defekte Rücklicht seines VW-Käfer-Cabriolets aufmerksam, lässt sich Führerschein und seine Lizenz als Privatdetektiv zeigen, wobei der im Handschuhfach deponierte Revolver zum Vorschein kommt, in dessen Lauf die Kinder einen Bleistift steckten… In der Wohnung seiner ex-Frau Suzanne (Bonnie Bedelia) telefoniert Wine mit einer Sekretärin, der er mitteilt, dass sein Klient ihm für die Informationen zu Turkey Land 120 US-Dollar schuldig sei. Suzanne witzelt darüber, dass er damit fast die Hälfte der für den Oktober zu zahlenden Alimente für die Söhne beisammen habe. Und Suzannes neuer Partner Randy Esterhasz (Ron Rifkin) gibt ihm Tipps für eine erfüllte Beziehung und setzt eine Bemerkung über den Beruf des Privatdetektivs und das Kind im Manne obendrauf… Es ist Halloween. Im Fernsehen läuft das Footballspiel zwischen den San Francisco 49ers und den Los Angeles Rams. Moses Wine ist in seinem Apartment und spielt Clue, als das Telefon klingelt und jemand ihn darauf aufmerksam macht, dass er nach aktuellem Spielstand seine 100 Dollar Wetteinsatz verlieren wird…

 

“Gotten pretty cynical, haven’t you, Moses?” – “The Sixties are over, Lila.” Der Film ist eine für die Mitte der 70er Jahre typische Hommage und gleichzeitig eine Parodie auf jenen für den klassischen Film Noir und für den Neo Noir so relevanten Rollencharakter, den Privatdetektiv. Basierend auf dem gleichnamigen Roman (EA 1973) von Roger L. Simon, der auch das Drehbuch verfasste, ist dieser erste Fall einer bis 2003 neunbändigen Buchserie um den P.I. Moses Wine zugleich der einzige, der je fürs Kino oder fürs Fernsehen verfilmt wurde. Und eins hat der von Richard Dreyfuss brillant verkörperte Antiheld Wine, der in den 60er Jahren in Berkeley studierte und einer politisch radikalen Studentenbewegung angehörte, mit den Private Eyes der 40er gemeinsam, nämlich den Sarkasmus eines vom schnöden Pragmatismus des Lebens stets und ständig Enttäuschten. Moses Wine ist zweifacher Vater und geschieden und notorisch pleite. Er ließ seine Ideale und Träume in den 60er Jahren zurück, von denen er sich als “Private Eye“ (wegen des Broterwerbs) Lichtjahre entfernt und inzwischen auch entfremdet fühlt. Er sieht die Weggefährten von einst so wie sich selbst durch unausgegorene, vom Zufall der Gelegenheiten diktierte Lebensentwürfe der 70er taumeln und er nimmt sie sowenig ernst wie sich selbst. Als er durch seine ex-Geliebte Lila Shea (Susan Anspach) in Diensten des im Wahlkampf befindlichen Kongressabgeordneten Nigel Hawthorne (John Cunningham) angeheuert wird, um den polizeilich gesuchten Anarchisten Howard Eppis (F. Murray Abraham) aufzuspüren, finden Vergangenheit und Gegenwart zusammen. Nur leider nicht so, wie Moses Wine es sich gewünscht hätte.

 

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© Pidax film media Ltd.

“Being a revolutionary in America is like being a spoil sport at an orgy. All these goodies being passed around and you feel like a shit when you say no.” Schon der klassische Film Noir nach literarischen Vorlagen, die im Kielwasser der Großen Depression von 1929 entstanden, kommentierte die gesellschaftliche Realität in den USA seiner Zeit. Jeremy Kagans Blick auf die Phase des Umbruchs, die jene Spätsechziger für die USA und die westliche Welt bedeuteten, tut es ebenfalls. Der große Trick ist ein “Neo Noir“ in einem besonderen und fast sprichwörtlichen Sinn, lauscht man dem Bezug zur US-Geschichte, der sich darin spiegelt. Als Thriller und als Kriminaldrama ist er flott und unterhaltsam inszeniert, allerdings unterhalb eines Meisterstücks und nicht mit der pointierten Finesse, die etwa Robert Bentons Die Katze kennt den Mörder (USA 1977) auszeichnet. Dafür hätte es neben Richard Dreyfuss und seinem Moses Wine noch weitere Schauspieler und Rollencharaktere seines Kalibers geben müssen. Immerhin kam das Werk seinerzeit sogar in Deutschland ins Kino, und es ist erfreulich, dass es inzwischen auch hierzulande wiederentdeckt und erneut veröffentlicht wurde.

 

Es gibt eine bild- und tontechnisch einwandfrei restaurierte Fassung des Films auf einer deutschen DVD (2018) der Pidax film media Ltd. mit dem Film ungekürzt und im Originalformat. Neben der deutschen Synchronisation gibt es die original englische Tonspur, leider ohne Untertitel, und außer dem Wendecover biete die Edition auch keine Extras. Allemal empfehlenswert!

 


Neo Noir | 1978 | USA | Jeremy Kagan | F. Murray Abraham | John Lithgow | Richard Dreyfuss

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