Shadowed

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Bewertung
**
Originaltitel
Shadowed
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Anita Louise, Lloyd Corrigan, Michael Duane, Mark Roberts, Doris Houck

Regie
John Sturges
Farbe
s/w
Laufzeit
68 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Columbia Pictures Corporation

In den Büroräumen der Fred J. Johnson Agricultural Implements probt dessen Inhaber, Fred J. Johnson (Lloyd Corrigan), seinen Vortrag “The Good Neighbor“ für das anstehende Treffen des Nachbarschaftsvereins The Luncheon Club. Doch lässt er sich von Ausstellungsstücken seiner Kollektion ablenken, platziert auf dem Boden einen Golfball, den er mit einem Handpflug zu schlagen beabsichtigt, als die Tür geöffnet wird und Johnsons Tochter Caroline (Anita Louise) hereinkommt, die zugleich seine Sekretärin ist. Hastig und zerstreut erklärt er ihr, dass er am Nachmittag auf dem Golfplatz eine Übrungsrunde einzulegen hoffe, obgleich die Saison noch nicht begonnen habe. Aber er schätze eben einen leeren Platz, auf dem er seinem Hobby ungestört nachgehen könne. Gesagt, getan! Fred Johnson ist mit einer schweren Golftasche voller Schläger und Bälle an diesem Märztag allein auf dem Platz unterwegs, und er hat das unfassbare Glück unbeobachtet einen Hole-in-one zu erzielen. Er nimmt den Ball aus dem Loch, notiert auf dem Ball seine Initialen, das Ass selbst und das Datum und benutzt ihn auch für den nächsten Schlag. Der landet in einem Waldstück jenseits der Umzäunung, und Johnson begibt sich auf die Suche. Hier kreuzt sich eine stillgelegte Eisenbahnstrecke mit einer darunter liegenden Abwasserkanalisation, und der unglückliche Golfer steigt hinab. Unversehens entdeckt er die Leiche der Varieté-Tänzerin Billie Benson (Virginia Cruzon), neben ihr ein in Packpapier eingewickeltes Päckchen…

 

Der Name John Sturges schrieb in den 50er und 60er Jahren US-amerikanische Kinogeschichte – Stadt in Angst (USA 1955), Die glorreichen Sieben (USA 1960) und Gesprengte Ketten (USA 1963) gelten bis heute zu Recht als Filmklassiker. Lange vor diesen A-Produktionen drehte Sturges mit Shadowed einen Film Noir für Columbia Pictures, der sein zweiter Spielfilm als Regisseur und zugleich eine frühe B-Produktion des Studios in der durch die Konkurrenz auf die Schiene gebrachten Schwarzen Serie war. Bereits mit Budd Boettichers Escape In The Fog (USA 1945) und mit Joseph H. Lewis‘ My Name Is Julia Ross (USA 1945) hatte Columbia Pictures erste Versuche in Richtung Film Noir ins Kino gebracht. Beide Filme hinkten jedoch dem Status quo bei Paramount, bei Universal-International, bei Warner Bros. oder bei RKO Radio Pictures hoffnungslos hinterher. Sogar eine mit minimalem Budget gedrehte Poverty-Row-Produktion wie Detour (USA 1945) ließ die genannten Werke weit hinter sich zurück. Sturges‘ Shadowed kam im September 1946 in die US-Kinos, ein halbes Jahr nachdem Columbia Pictures mit der A-Produktion Gilda (USA 1946) unter der Regie Charles Vidors einen erstklassigen Film Noir serviert hatte, der für das Studio in dem Segment wegweisend werden sollte. Davon ist bei Shadowed jedoch nichts zu merken. Der Film erreicht kaum das Niveau der obenan zitierten B-Produktionen des Vorjahrs, und das ist nicht (nur) die Schuld von Cast und Crew. Vielmehr sind die Erzählung von Julian Harmone, Vorlage fürs Filmskript von Brenda Weisberg, und eben jenes Drehbuch banal und mit der Brechstange konstruiert. Der Humor ist so spießig wie der Papa mit seinen beiden Töchtern, die Polizeibeamten sind maximal farblos und die Gangster faseln einen Unsinn, den man nicht mal in einem Heftroman erwarten würde. Wie zudem aufgrund einer Reihe von Koinzidenzen die Rädchen der Story ineinander greifen, ist bestenfalls unfreiwillig lustig.

 

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© Columbia Pictures Corporation

Der Film war eine der wenigen Gelegenheiten für Lloyd Corrigan eine Hauptrolle zu spielen. Er ist etwas über 14 Jahre älter als Anita Louise, die seine Tochter spielt und sich mit 30 Jahren auf dem absteigenden Ast befand. In den 30er Jahren bei Warner Brothers‘ ein Star war Anita Louise im Anschluss noch in drei Kinofilmen zu sehen, bevor sie für weitere 20 Jahre hin und wieder im Fernsehen auftrat. Terry Moore war 16 Jahre alt und auf dem Weg nach oben, aber ihr Overacting ist grenzwertig, und ihre Szenen mit Eric Roberts als Schulfreund Lester Binkey sind furchtbar klischeehaft. Wem Ehre gebührt, ist Kameramann Henry Freulich (Chinatown At Midnight, USA 1949), der im Verbund mit John Sturges das Dasein jenes durch die Zeugenschaft an einem heimtückischen Mord aus der Bahn geworfenen Spießbürgers Fred J. Johnson eindrücklich bebildert. Von Szene zu Szene wird es dunkler und schließlich nachtschwarz, wenn Johnson schweißgebadet der Polizei und den Mobstern zu entgehen versucht und seine Töchter vor dem Zugriff der Gangster zu schützen hofft. Doch das Finale und die Schlusssequenz neutralisieren jenen Abgrund, dahinein Papa Johnson kurzzeitig hinabsehen musste, und offenbaren die Zugehörigkeit des Werks zum Kanon des Film Noirs als eine kalkulierte Farce.

 

Trotz aktuell vieler Veröffentlichung von B-Produktionen der Columbias Pictures Corporation in den USA gibt es bis heute (2022) weltweit keine BD- oder DVD-Edition des Werks, das Freunden des Film Noirs in Online-Portalen in Form einer bild- und tontechnisch miserablen Fassung mit Originalton ohne Untertitel, ungekürzt und im korrekten Bildformat zur Verfügung steht.

 


 

Film Noir | 1946 | USA | John Sturges | Lloyd Corrigan | Paul E. Burns | Terry Moore

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