Polizistenhasser

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Bewertung
****
Originaltitel
Cop Hater
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1958
Darsteller

Robert Loggia, Gerald S. O‘Loughlin, Ellen Parker, Shirley Ballard, Russell Hardie

Regie
William Berke
Farbe
s/w
Laufzeit
75 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© United Artists Corporation

New York: Es 23:00 Uhr in der Nacht, als auf dem Nachttisch der Wecker klingelt und Police Detective Bill Reardon (Alan Bergnan) vom 87. Revier aus dem Bett steigt. Er holt seine Dienstwaffe aus der Kommode und wäscht sich in der Küche kurz das Gesicht. Dann steckt er die Pistole in seine Gesäßtasche, bevor er sich von dem in einem Kinderbett schlafenden Baby und von seiner Frau Maggie (Janet Manson) verabschiedet, ohne diese zu wecken. In Zivil und mit Zigarette tritt er hinaus auf das menschenleere Trottoir vor dem Mietshaus und geht gemächlich los, als plötzlich zwei Schüsse zu hören sind und Bill Reardon zusammenbricht. Als die Police Detectives Steve Carelli (Robert Loggia) und Mike Maguire (Gerald S. O’Loughlin) am Tatort eintreffen, wo sich indessen Schaulustige versammelten, können die anwesenden Streifenpolizisten nur noch Reardons Tod melden… Noch in der gleichen Nacht hält Detective Lieutenant Byrnes (Russell Hardie) eine Ansprache an seine Beamten im 87. Revier und beauftragt Carelli und dessen Partner Maguire mit dem Fall des Mordes an ihrem Kollegen Bill Reardon. Maguire wird von Byrnes instruiert, Reardons Ehefrau Maggie am kommenden Morgen die Nachricht vom Tod ihres Mannes zu überbringen. Gegenüber Carelli erinnert sich Maguire, dass er vor einigen Tagen hörte, ein Kerl namens  Frank Clark (Alan Manson) habe öffentlich eine Pistole vom Kaliber 45 herumgezeigt. Es ist kaum eine echte Spur, aber Carelli und Maguire machen sich dennoch auf den Weg…

 

“Oh, you're wet! You're oozing wet!” – “You used to like it when I was oozing wet.” In der zweiten Hälfte der 50er Jahre war die McCarthy-Ära zwar Geschichte, dennoch setzte der Film Noir nur vereinzelt nochmals einen Glanzpunkt. So greifen Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf / Killing (USA 1956), Paul Wendkos‘ Ein Toter lügt nicht (USA 1957) oder Vincent J. Donahues Das Leben ist Lüge (USA 1958) auf die Ära der 40er zurück und öffnen zugleich den Blick auf die kommenden 60er Jahre. Den genannten Werken ist gemeinsam, dass sie auf den für Hollywood typischen Glamour verzichten und sich auf Figuren fokussieren, die sich im Dschungel der Großstadt nur mit Mühe auf den Beinen halten können. William Berkes Film Noir Polizistenhasser nach dem gleichnamigen Roman Ed McBains (EA 1956, auf Deutsch 1964 als Polizisten leben gefährlich) spielt für mich in der gleichen Liga und ist als unabhängige und via United Artists vertriebene B-Produktion eine Überraschung. Zwar lief der Film 1960 auch in bundesdeutschen Kinos, doch ist er hierzulande vergessen und international nur in Zirkeln von Cineasten und Freunden des Film Noirs bekannt. Ähnlich wie im Fall von Edgar G. Ulmers Detour (USA 1945) zeigen sich Regie-Veteran William Berke (Police Reporter / Shoot To Kill, USA 1947) und Drehbuchautor Henry Kane (Martin Kane, Private Eye, USA 1949-1954) in der Lage, aus der Vorlage das Maximale herauszuholen. So erinnert das Portrait New Yorks in der Hitze des Sommers an William Wylers Polizeirevier 21 (USA 1951), der seinen deutschen Titel dem Ort seiner Handlung verdankt. Zugleich beweist Berkes Film in zwei für die Handlung relevanten Aspekten eine verblüffende Abkehr von Klischees: Steve Carelli ist mit Theodora “Teddy“ Franklin (Ellen Parker) verlobt, die wiederum taubstumm ist. Sowohl ein Kollege als auch Zeitungsjournalist Hank Miller (Gene Miller) zeigen in je einer Szene ihre Geringschätzung gegenüber Teddy, die der Film als eine im Beruf erfolgreiche und selbstbewusste Frau porträtiert. Bill Reardons Partner auf dem 87. Revier ist Police Detective Dave Foster (Lincoln Kilpatrick), ein Afroamerikaner. Foster erinnert sich, wie er lange vor ihrem Berufsleben bei der Polizei mit seinem ermordeten Jugendfreund Reardon die Schulzeit verbrachte. Mit Blick auf diesen klar wider Diskreminierung jedweder Art gerichteten Subtext ist der Film für mich auf einer Höhe mit Joseph L. Mankiewicz‘ Der Hass ist blind (USA 1950) und mit Samuel Fullers The Crimson Kimono (USA 1959).

 

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© United Artists Corporation

“Cop Hater is (…) lifted by strong performances from a cast of ambitious up-and-comers, an overarching sense of oppression and gloom; and in spite of its 1958 release date it is presented in the noir style”, bringt es Mark Fertig für Where Danger Lives auf den Punkt. Tatsächlich sind die Darstellerleistungen bemerkenswert, und es wundert einen, dass Robert Loggia, der für weitere 55 Jahre meist als Nebendarsteller im Fernsehen auftrat, keine Karriere im Kinofilm vergönnt war. Seine Chemie mit Ellen Parker, die an Janet Leigh und an Shirley MacLaine erinnert, ist exquisit, und auch sie liefert als taubstumme Teddy Franklin eine hervorragende Einzelleistung ab. William Berke drehte mit Loggia und Parker im gleichen Jahr den Science-Fiction-Film Das rote Telefon… Alarm! (USA 1958), verstarb jedoch kurz nach Beginn der Dreharbeiten an einem Herzinfarkt, so dass sein Sohn Lester Wm. Berke den Film fertigstellte. Ellen Parker trat nach 1958 nie wieder in Film und Fernsehen auf; Robert Loggia, Jerry Orbach und Lincoln Kilpatrick setzten ihre Karrieren noch bis ins 21. Jahrhundert fort. Ihr gemeinsamer Film Noir Polizistenhasser bleibt ein Geheimtipp und ist für Cineasten definitiv eine Bereicherung des Kanons.

 

Unter dem Titel Cazador de Policías gibt es eine spanische DVD-Edition (2012) von Cinema International Media, S.L. mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch einwandfrei, dazu den englischen Originalton und die spanische Kinosynchronisation mit optional spanischen Untertitel und mit Booklet samt Produktionsnotizen (auf Spanisch) als Extra. Unterm Originaltitel gibt es in der US-amerikanischen Limited Edition Collection von Metro-Goldwyn-Mayer eine hochwertige DVD-R (2011) ohne Extras.

 


Film Noir | 1958 | USA | William Berke | Ed McBain | Jerry Orbach | Robert Loggia | Ellen Parker

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