Harikomi

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Bewertung
*****
Originaltitel
Harikomi
Kategorie
Film Noir
Land
JPN
Erscheinungsjahr
1958
Darsteller

Minoru Ôki, Takahiro Tamura, Seiji Miyaguchi, Hideko Takamine, Kin Sugai

Regie
Yoshitarô Nomura
Farbe
s/w
Laufzeit
116 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Am Hauptbahnhof von Yokohama südlich von Tokio fährt nachts um elf Uhr ein Schnellzug zur Hafenstadt Kagoshima auf der Insel Kyūshū ein. Trotz der vorgerückten Stunde ist auf dem Gleis viel Betrieb und die aus Tokio stammenden Polizeibeamten Takao Yuki (Minoru Ôki) und Yji Shimooka (Seiji Miyaguchi) rennen in höchster Eile die Treppe hinab und springen auf den schon fahrenden Zug. Doch alle Waggons sind bis auf den letzten Platz belegt. Zudem herrscht in dieser Sommernacht eine extreme Schwüle und nur mit Mühe gelingt es den beiden, sich zwischen zahllosen Mitreisenden mit ihren Reisetaschen auf den Boden zu kauern. So rast der Zug von einer Stadt zur nächsten durch die Nacht. Erst in Morgenstunden ergattern die Beamten zwei Sitzplätze. Sie vertreiben sich die Zeit mit Lesen, mit Schlafen und lassen sich auf dem Bahnhof von Hiroshima durch das offene Fenster etwas zu essen reichen. Den ganzen Tag fahren sie, oft an der Küste entlang, durch Japans Süden, bevor sie spät nachts in der Hafenstadt Saga eintreffen und den Zug verlassen. Am nächsten Morgen zeigen die Kommissare der Metropolitan Police Tokyo dem Polizeichef von Saga (Fuemon Ôtomo) ihre Ausweise und werden zu einer Besprechung gebeten. Aber Shimooka lehnt vorerst alle Hilfe der örtlichen Behörden ab; man wolle allein operieren. So machen sich die zwei zu Fuß auf den Weg zu ihrem Ziel, zum Haus der Familie Yokogawa. In dem gegenüberliegenden Hotel Hizen-ya entdecken sie die für ihre Zwecke perfekte Absteige...

 

“Nomura’s often dynamic mise en scène and his flair for the slow-burning film noir atmosphere in Stakeout have more in common with Akira Kurosawa’s Stray Dog (1949)”, liest man in der Besprechung des Werks bei the archipelago, die damit etwaige Vergleiche mit Alfred Hitchcocks Das Fenster zum Hof (USA 1954) als zu kurz gegriffen kennzeichnet. Das ist deshalb richtig, weil auch Kurosawas Film von der ermüdenden Routine einer polizeilichen Untersuchung handelt, ohne dadurch seine Zuschauer zu ermüden oder sie gar zu langweilen. Die Handlung von Yoshitarô Nomuras elftem Spielfilm in fünf Jahren, zugleich die erste von später insgesamt acht Verfilmungen einer Erzählung oder eines Romans des Kriminalschriftstellers Seichô Matsumoto, ist simpel. Aber die Montage der Handlungsebenen, die zum ersten den Auftrag und das Ansinnen der Polizisten im fernen Saga und zum zweiten die (scheinbaren) Parallelen mit dem Privatleben Takao Yukis, des jüngeren und überaus empathischen Ermittlers, den Zuschauern offenbart, ist dergestalt kunstvoll angeordnet, dass im Verlauf der Observation der unglücklich verheirateten Sadako Yokogawa (Hideko Takamine) nicht der Eindruck von Detailversessenheit oder Überlänge entsteht. Nach einem in Tokio verübten Einbruch, bei dem der Besitzer eines Ladens von einem der beteiligten Diebe ermordet wurde, hoffen die Polizisten, dass sich der zweite und noch flüchtige Einbrecher namens Kyûichi Ishii (Takahiro Tamura) in dessen Heimatstadt Saga bei seiner Jugendliebe Sadako einfinden werde. Aber je länger die Kommissare in ihrem Hotelzimmer mit Blick auf das Yokogawa-Haus in der Gluthitze des Sommers ausharren müssen und dabei vom Hotelpersonal misstrauisch beäugt werden, desto mehr zweifelt auch der Zuschauer an dem Erfolg ihrer Mission.

 

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Die Dunkelheit dieses Kriminaldramas, welches den Film in den Kanon des japanischen Film Noirs einrückt, ist keinesfalls jene Art der zum Extrem aufgepeitschten Verzweiflung, die in einem blutigen Finale gipfelt und das Glimmen der Hoffnung in Asche verwandelt. Nein, die Dunkelheit wurzelt in der von Kameramann Seiji Inoue in eindrucksvolle Bildkompositionen gerahmten Nüchternheit der Mechanik eines Alltags, darin die Hoffnung von vornherein nicht zu Gast war. Es ist jener Polizeibeamte Takao Yuki, durch dessen Augen das Publikum an solcher Erkenntnis teilhat. Sein älterer Kollege Yji Shimooka, ein verheirateter Familienvater, ist ganz und gar Pragmatiker seines Berufsstands - das ausführende Organ seiner Behörde, sachlich und präzise. Yuki hingegen gewinnt ein Gespür für die Lage der von ihnen observierten Frau, für ihre Nöte und Hoffnungen, denn er ist feinfühlig und befindet sich in Liebesdingen selbst in einer Zwickmühle… Als Yoshitarô Nomura 2005 im Alter von 85 Jahren starb, war er in Japan und auch international eine Legende und hinterließ ein beeindruckendes Œuvre von Kinofilmen aus vier Jahrzehnten, einige davon dem Film Noir oder Neo Noir zugehörig. Doch selbst preisgekrönte Erfolge wie Zero Focus (JPN 1961) oder The Castle Of Sand (JPN 1974) fanden nie einen Weg ins hiesige Kino, weshalb Nomuras Werk in der Bundesrepublik Deutschland bis heute nur einigen Cineasten ein Begriff ist.

 

Der Film ist seit Januar 2020 als Stakeout Bestandteil einer 17 Filme umfassenden, Japanese Noir betitelten Reihe von Klassikern im US-amerikanischen Streaming Portal The Criterion Channel und verfügt dort auch über englische Untertitel. Neben einer japanischen DVD ist die einzige mir bekannte europäische Edition auf DVD (2013) eine Harikomi benannte italienische Edition der Minerva Pictures Group SRL mit dem Werk ungekürzt im Originalformat und mit der japanischen Tonspur plus optional italienischen Untertiteln.

 


Film Noir | 1958 | International | Yoshitarô Nomura | Seichô Matsumoto | Seiji Miyaguchi

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