Penny Gold

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Psychologische Verteidigung


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Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Penny Gold
Kategorie
Neo Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1973
Darsteller

James Booth, Francesca Annis, Nicky Henson, Joss Ackland, Richard Heffer

Regie
Jack Cardiff
Farbe
Farbe
Laufzeit
90 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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Windsor, England: In den Grancourt Studios des Mode- und Werbefotografen Claude Grancourt (Richard Heffer) steht abends eine junge Frau unter der Dusche. Eine maskierte Person mit Handschuhen öffnet die Eingangstür und schaltet die Hauptsicherung aus. Als es im Bad dunkel wird, verlässt die Frau die Dusche und begibt sich zum Sicherungskasten, wo hinter einer Tür der Eindringling hervorkommt und auf sie einschlägt… Detective Chief Inspector Matthews (James Booth) ist mit Anna (Una Stubbs) beim Rugbyspiel seines Kollegen Roger (Nicky Hension), vom Dienstgrad Sergeant und Annas Ehemann. Roger wird am Knie verletzt, doch als die Nachricht von der Leiche einer Frau in einem Fotostudio überbracht wird, müssen sich Matthews und sein Sergeant sputen, um am heutigen Sonntag den Tatort aufzusuchen. Dort ist die Spurensicherung bereits bei der Arbeit. Die Leiche selbst ist kaum noch erkernnbar; ihr Gesicht wurde mit der stumpfen Mordwaffe vollends deformiert. Am geöffneten Tresor versucht ein Experte Fingerabdrücke zu sichern. Auf dem Weg ins Büro erörtert Matthews seinem Kollegen, dass er von einer Theorie zugunsten eines Psychopathen wenig halte, nicht zuletzt der fachmännisch geöffnete Safe spräche dagegen. Bei der Toten handelt es sich um Diane Messon (Francesca Annis), Inhaberin einer im Erdgeschoss des Gebäudes gelegenen Boutique, Stieftochter des reichen Sir Charles Henry Blachford (Joseph O’Conor) und eine der beiden Zwillingsschwestern, die jener aufzog…

 

“I’m not investigating a parking offense. Your stepdaughter was murdered.“ Die Geschichte der Mordfälle um die legendäre Briefmarke Penny Gold ist mehr ein klassischer Kriminalfilm, eine Hatz nach dem Mörder und weniger explizit ein Neo Noir oder ein Thriller mit Elementen aus dem Zeitalter des Film Noirs. Als ebenso romanischer wie altbackener Film hat er wenig von dem harten und harschen Flair eines Jack rechnet ab (UK 1971), dem mit Michael Caine besetzten Meilenstein des britischen Gangsterfilms unter der Regie von Mike Hodges, der zwei Jahre zuvor den britischen Neo Noir einläutete und zu definieren half. Doch gibt es formal und inhaltlich eine Reihe Bezüge zu bekannten Film Noirs der 40er Jahre, vor allem zu Otto Premingers Laura (USA 1944) und zu Roberto Calvadóns Palast der Sünde / Die Andere (MEX 1946) bzw. zu Robert Siodmaks Der schwarze Spiegel (USA 1946). In ersterem wird eine junge Frau mit einem Schuss aus einer Schrotflinte ermordet, der ihr Gesicht bis zur Unkenntlichkeit entstellt, so dass die Polizeibeamten und ihr Umfeld einfach davon ausgehen, dass es sich um die Besitzern des Apartments, um Laura Hunt (Gene Tierney) handele, ohne ihre Annahme in Zweifel zu ziehen. In den beiden anderen Werken geht es um das auch im Film Noir beliebte Motiv eineiiger Zwillinge – äußerlich nicht auseinanderzuhalten, charakterlich grundverschieden. Spielten in den genannten Klassikern diese Rollen jeweils Olivia de Havilland und Dolores del Rio, kann in Penny Gold auch Francesca Annis in solcher Doppelung überzeugen. Zudem ist die Besetzung das Gegenteil zu jenen glatten und mit puppenhaft standardisierten Zeitgeistidealen besetzten Produktionen heutiger Tage - nämlich viele gegerbte, speckige, zerzauste Charakterköpfe. Schauspiel und Drehorte konnten mich voll zufriedenstellen. Der Film erzählt seine Geschichte ohne Mätzchen oder Schnörkel; auch mehrere Rückblenden aus je unterschiedlichen Perspektiven greifen ein Stilelement des Film Noirs auf. Eine mögliche romantische Neigung des ermittelnden Detective Chief Inspectors Matthews zur ebenfalls verdächtigen Zwillingsschwester Delphi wird als versuchte Einflussnahme einer möglichen Femme fatale auf die Ermittlungen angedeutet, nicht aber ausgespielt, indessen Chief Inspector Matthews von Kollegen und Vorgesetzten auf seine Neigung angesprochen wird.

 

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© Renown Pictures Ltd.

Der heute vollends obskure und seinerzeit im Kino nicht sonderlich erfolgreiche Penny Gold erweist sich als wunderbare Zeitreise in jene frühen 70er Jahre voller eigentümlicher Stilelemente und Traditionen, zudem nicht ohne humorvolle Bezüge zu der seit den späten 60ern salonfähig gewordenen Popkultur. Seine Darsteller alter Schule und seine immer auch romantische Note als Gegenentwurf zu den Härten und Nöten einer von Gier, Eifersucht und Obsessionen gelenkten Welt lassen den einen oder anderen Cineasten womöglich wehmütig werden. Seine Kriminalgeschichte, in der Anlage nicht ohne Clerverness, erweist sich in der Umsetzung von einigen Schwächen und Logiklöchern gezeichnet, die den Film spätestens ab Hälfte der Spielzeit vorhersehbar werden lassen, was wiederum dem allemal soliden Finale nicht förderlich ist. Letzteres erinnerte mich an dasjenige von Michael Curtiz‘ The Unsuspected (USA 1947), wo der Strippenzieher sich des letzten Zeugen, von seinem Schergen betäubt, ebenfalls in einer Kiste zu entledigen sucht. Alles scheint erledigt: da erkernnt sich der Betrüger als der Betrogene. Penny Gold ist kein großer Film, ganz sicher nicht, für Freunde des Kinos der 70er Jahre und des britischen Films trotz seiner Defitite womöglich aber ein heimliches Vergnügen.

 

Es gibt eine englische DVD-Ausgabe (2012) von Renown Prictures im Vertrieb der Simply Media mit dem Film ungekürzt im Originalformat und mit der englischen Tonspur ohne Untertitel, bild- und tontechnisch nicht brillant, in Anbetracht des Alters dennoch gut restauriert, das Ganze leider ohne jegliche Extras.

 


Neo Noir | 1973 | UK | Jack Cardiff | James Booth | Francesca Annis | Marianne Stone

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