Affäre Delavine, Die

 

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Bewertung
**
Originaltitel
The Delavine Affair
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1955
Darsteller

Peter Reynolds, Honor Blackman, Gordon Jackson, Valerie Vernon, Michael Balfour

Regie
Douglas Peirce
Farbe
s/w
Laufzeit
64 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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London, England: Noch spät in der Nacht ist der Journalist und Inhaber einer Presseagentur, Rex Banner (Peter Reynolds), auf dem Weg zu seinem Informanten “Gospel Joe“, der ihn anrief und um ein Treffen bat. Als Banner in der im Untergeschoss gelegenen Absteige eintrifft, findet er den alten Mann mit eingeschlagenem Schädel auf dem Boden liegend, in der Faust einen ausgeschnittenen Zeitungsartikel über den Juwelenraub im Hause Sir John Delavines, der nun bereit 2 Jahre zurückliegt. Banner nimmt das Papier an sich, als auch bereits Schritte ertönen und Inspektor Johnson (Peter Neil) von Scotland Yard und sein Assisstent auf der Bildfläche erscheinen. Johnson verlangt von Banner, seine Anwesenheit am Ort eines Verbrechens zu erklären und macht keinen Hehl daraus, dass er ihn für verdächtig hält, doch lässt er ihn vorerst von dannen ziehen. Trotz der vorgerückten Stunde kehrt Banner in das Büro seiner Presseagentur zurück, die er gemeinam mit seiner Verlobten Maxine Hamilton (Honor Blackman) betreibt. Kaum hat er sich einen Drink eingeschenkt, klingelt schon das Telefon und Maxine erkundigt sich danach, wo er denn bitte bleibe. Er vertröstet sie und will soeben mit einem Artikel über die Ereignisse der Nacht beginnen, als ihn der Chefredakteur Macgregor (Vernon Kelso) anruft und seinerseits wegen des Mordes an Gospel Joe bei Rex Banner nachhakt. Banner gibt zu verstehen, dass er persönlich am Tatort gewesen sei, als die Polzei eintraf und dass eine Serie von ihm daher teuer würde…

 

Mitte der 50er Jahre hatte Großbritannien längst eine ureigene Tradition im Film Noir zu verzeichnen, ohne dass es in der Filmproduktion oder auch in der Rezeption ein deutlich umrissenes Bewusstsein dessen gab. Aber von Lawrence Huntintons Das dämonische Ich (UK 1946) und Alberto Cavalcantis Sträfling 3312 (UK 1947) führte der Weg über Carol Reeds Der dritte Mann (UK 1949) und J. Lee Thompsons Murder Without Crime (UK 1950) zu Terence Fishers Murder By Proxy / Blackout (UK 1954) und Lewis Gilberts Dämon der Frauen (UK 1955). Ähnlich wie in den USA stieg über die Jahre der Anteil der mit jeweils minimalem Budget inszenierten B-Produktionen, die versuchten mit dem zugkräftigen Namen eines in die Jahre gekommenen Hollywoodstars zu punkten oder die jungen britischen Talenten eine Chance einräumten. Letzteres tat man in Die Affäre Delavine, darin sich Peter Reynolds und Honor Blackman mit jeweils 29 und Gordon Jackson mit 31 Jahren in tragenden Rollen beweisen konnten. Dass sie solch eine Chance, ganz unabhängig vom Karriereverlauf Blackmans und Jacksons in den 60er bzw. in den 70er Jahren, nicht nutzen konnten, lag nicht am Trio der Darsteller. Die Affäre Delavine ist vor allem hinter der Kamera schwach besetzt und das zuerst einmal im Hinblick auf das Drehbuch von George Fisher und Basil Boothroyd basierend auf dem Kriminalroman Winter Wears A Shroud (EA 1953) vom Journalisten Robert H. Chapman. Letzterer hatte eine Serie von Krimis mit dem Reporter Rex Banner als quasi Privatdetektiv verfasst, von denen neben Die Affäre Delavine noch One Jump Ahead (UK 1955), Berufsrisiko (UK 1956) und Murder Reported (UK 1957) ihren Weg ins Kino fanden - letztere alle mit Paul Carpenter in der hier einmalig von Peter Reynolds gespielten Rolle.

 

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“If you don’t mind the fact that the plot doesn’t really make sense and some of Rex’s deductions (…) seem to be pulled (…) from thin air, The Delavine Affair is reasonable enough entertainment“, fasst John Grant für seinen Blog Noirish zusammen. Der Autor von A Comprehensie Encyclopedia of Film Noir: The Essential Reference Guide (EA 2013) ist es auch, der in seiner Rezension des Films die Geschichte der Romane von Robert H. Chapman und den Autor selbst beleuchtet. Was den Film betrifft, fällt mein Urteil kürzer aus, denn Die Affäre Delavine ist unterm Strich einfach nur schlecht und zwar für jede Dekade des Filmschaffens. Neben den Autoren hätte es zumindest eines kompetenten Regisseurs bedurft, aber der zwischen 1947 und 1967 fast ausschließlich als Produktionsleiter oder als Produzent tätige Douglas Peirce zeigt in seiner zweiten Regiearbeit fast kein Talent und de facto keine eigene Handschrift. So wie George Fisher und Basil Boothroyd niemals wieder ein Skript für einen Kinofilm schrieben, führte auch Peirce nie wieder Regie, und dies erscheint mir nach dem unausgegorenen Mischmasch aus Whodunit, Film Noir und Kriminalkomödie nur folgerichtig. Indessen die Kombination von Honor Blackman und Peter Reynolds in Momenten an diejenige von Mark Stevens und Lucille Ball in Henry Hathaways Feind im Dunkel / Der weiße Schatten (USA 1946) erinnert, dümpelt deren Detektivarbeit mit lahmen Ehewitzen und müden Sprüchen vor sich hin. Rex Banner, nach eigenen Worten unter Mordverdacht stehend, hüpft wie ein Schuljunge durch die Filmhandlung, welche von der ihr eigenen Langweile zunehmend in die Lächerlichkeit abdriftet. Fazit: Auf jeden Fall der Versuchung widerstehen und nicht anschauen.

 

Es gibt eine englische DVD (2013) von Simply Media mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild- und tontechnisch mittelprächtig, inklusive der englischen Tonspur und ohne Untertitel, ebenso ohne jegliche Extras. Dafür enthält die DVD als zweiten Film Charles Saunders‘ The End Of The Line (UK 1957), ist allerdings in Deutschland aus mir unbekannten Gründen nicht erhältlich.

 


 

Film Noir | 1955 | UK | Douglas Peirce | Michael Balfour | Peter Reynolds | Honor Blackman

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