Kill Me Three Times

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Kill Me Three Times
Kategorie
Neo Noir
Land
AUS/USA
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Sullivan Stapleton, Alice Braga, Teresa Palmer, Callan Mulvey, Luke Hemsworth

Regie
Kriv Stenders
Farbe
Farbe
Laufzeit
91 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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In einem Luxushaus an der australischen Ozeanküste wartet der tödlich verwundete Auftragskiller Charlie Wolfe (Simon Pegg) auf sein Ende. Mit Blick aufs Ambiente ringsum hätte es ihn schlimmer erwischen können, und dennoch fragt er sich, wie es dazu hat kommen können… Irgendwo in einer baum- und buschlosen Leere flieht Sam (Steve Le Marquand) vor Charlie Wolfe über einen Hügel. Aber der Verfolger holt sein Gewehr aus dem Kofferraum und erlegt sein Opfer ohne Gefühl. Noch bevor er ihn endgültig tötet, erhält er einen Anruf von Jack Taylor (Callan Mulvey) und Wolfe verspricht, ihn in 1 Stunde im The Rock Hotel zu treffen. Letzteres liegt im Küstenort Eagles Nest, wo Alice Taylor (Alice Braga), Jacks Ehefrau, mit ihrer Schwägerin Lucy Webb (Teresa Palmer) telefonisch einen Termin in der Zahnarztpraxis ihres Ehemannes Nathan Webb (Sullivan Stapleton) ausmacht, der für 2 Uhr am Nachmittag veranschlagt ist. Sie sei gegen eine Tür gerannt und leide Schmerzen. Nachdem Lucy den Hörer aufgelegt hat, ruft sie nach ihrem Mann, der in der leeren Praxis am Schreibtisch sitzt und bei einem Buchmacher eine Pferdewette lanciert. Nathan muss darum betteln, dass ihm jener noch ein letztes Mal einen Kredit einräumt, denn der spielsüchtige Zahnarzt hat immense Schulden. Als Alice Taylor zur fraglichen Zeit aufbrechen will, wird sie von Charlie Wolfe beobachtet, der sich vor dem Hotel auf die Lauer gelegt hat. Eine ihrer beiden Umhängetaschen verstaut Alice sorgfältig unter dem Fahrersitz ihres VW Käfers…

 

Diese tiefschwarze Komödie erinnert 15 Jahre nach dessen Entstehung an Gregor Jordans Two Hands (AUS 1999) und vor allem30 Jahre danach an Ethan und Joel Coens Blood Simple - Eine mörderische Nacht (USA 1984), den es inklusive eines alten VW Käfers gleich mehrfach zitiert. Auch hier ist es der Besitzer eines Hotels und eines Nachtclubs, der einen Killer beauftragt, seine untreue Ehefrau aus dem Weg zu räumen, Damit bringt Jack Taylor einen Stein ins Rollen, ohnen zu ahnen, dass zur gleichen Zeit bereits zwei Andere aus anderen Motiven genau die gleiche Absicht hegen. Seinen bitterbösen Humor und seine flotte Dramaturgie bezieht Kill Me Three Times aus der Art und Weise, wie sich diese ineinander verzahnten und sich mehrfach überkreuzenden Pläne der unterschiedlichen Parteien ergänzen bzw. ins Gehege kommen, so dass es an den Schnittstellen zu blutigen Auseinandersetzungen kommt, die das Geschehen in eine nächste Phase katapultieren. Der Autor und Regisseur Kriv Stenders lässt dabei nichts anbrennen. Sein Neo Noir mir den herzhaft sarkastischen Dialogpassagen ist von einer rasanten Dramaturgie, die einen hohen Unterhaltungswert generiert und den geneigten Zuschauer bei der Stange hält. Dazu „geneigt“ muss er in Anbetracht der zutiefst amoralischen Rollencharaktere und einer hohen Todesrate durch Gewalteinwirkung allerdings sein. Wer solche Neigung einer langjährigen cineastischen Erfahrung verdankt, durchschaut früher oder später das Spiel mit den ach so unerwarteten Wendungen. Denn Stenders‘ Montagetechnik mit einem sprunghaften Wechsel von Ort und Zeit ist wie der Ton des Films 1 zu 1 den Neo-Noir-Dramen Quentin Tarantinos entlehnt, allen voran Pulp Fiction (USA 1994) und Jackie Brown (USA 1997). Was in den 90er Jahren zumindest für ein Mainstream-Publikum frisch und neu wirkte, erweist sich 20 Jahre später bestenfalls als solide und witzig: ein weiterer Neo Noir im Niemandsland zwischen Zitaten und Klischees.

 

In einer Hinsicht ist Kriv Stenders seinem US-amerikanischen Vorbild allerdings überlegen. Er empfindet zumindest für zwei der Figuren seines Ensembles ein gehöriges Maß an Empathie und lässt es auch zum Zug kommen. Damit ist Kill Me Three Times zu guter Letzt als ein Thriller auch wieder mehr “Old School“, so dass beim Abspann sein Charakter eines „Märchens“ zum Tragen kommt, wie das in jenen frühen 90er Jahren auch im Neo Noir der USA keine Seltenheit war. Überdreht und hoch neurotisch sind seine Charaktere, somit enorm kurzweilig, zugleich mag sich einer zu guter Letzt mit Fug und Recht sagen: „So ein Quatsch!“ Dergestalt bleibt dieser australische Neo-Noir-Thriller der Art Junk Food zuzurechnen, das einem die Sinne zu betäuben weiß, solange man darauf herumkaut, welches danach jedoch eine Leere hinterlässt, die sich in diesem wie in so vielen Fällen nicht im Magen bemerkbar macht. Mit seinem clever gestrickten Muster vermag Stenders eine Weile zu verschleiern, dass es jenseits der Unterhaltung hier keinen weiterreichenden Anspruch gibt, was für Freunde des Neo Noirs und der schwarzen Komödie meist doch zu wenig ist. Schon lange vor seinem Finale wird Kill Me Three Times nämlich vorhersehbar und damit leider auch harmlos.

 

Sehr gute deutsche BD- und DVD-Editionen (2015) der Universal Pictures GmbH mit dem Film bild- und tontechnisch einwandfrei und ungekürzt im Originalformat inklusive der original englischen Tonspur und einer deutschen Synchronisation, dazu optional deutsche Untertitel und den Kinotrailer als einzigen Bonus.


Neo Noir | 2014 | International | Kriv Stenders | Bryan Brown | Simon Pegg | Sullivan Stapleton

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