Schatten der Vergangenheit

 

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Bewertung
***
Originaltitel
Dead Again
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1991
Darsteller

Kenneth Branagh, Emma Thompson, Derek Jacobi, Andy Garcia, Hanna Schygulla

Regie
Kenneth Branagh
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Paramount Pictures Corporation

Los Angeles, Kalifornien, am 10. Dezember 1949: Seit Monaten berichtet der Journalist Gray Baker (Andy Garcia) über den furchtbaren Mord an Margaret Strauss (Emma Thompson) und den Prozess gegen ihren Ehemann, den einst aus dem Dritten Reich geflohenen Komponisten Roman Strauss (Kenneth Branagh). Heute besucht er ihn zum letzten Mal im Gefängnis, denn Strauss wurde für schuldig befunden und zum Tod verurteilt. Baker folgt Strauss‘ Einladung, denn jener möchte, dass der Journalist in einem Artikel schreibt, dass er, Strauss, seine Frau immer lieben werde. Strauss hat stets seine Unschuld am Schicksal der Gattin beteuert, und er weist Baker darauf hin, dass mit seinem Tod die Sache kein Ende finden werde. Als er von Wärtern zum Richtplatz geführt wird, begreift Baker plötzlich, dass er die Schere, mit dem ihm der Wärter soeben das Haar schnitt, an sich nahm. Er stürzt hinaus in den Gang, wo Strauss bereits auf eine Gruppe Besucher zugeht, deren vorderste Margaret auf Haar gleicht, als er die Hand mit der Schere hebt und auf sie einsticht… 40 Jahre später: Mit einem Schrei erwacht eine junge Frau (Emma Thompson) in der Gewitternacht, die ein Heim für obdachlose Kinder und Jugendliche umtost. Zwei Nächte zuvor kletterte sie über die Mauer; jetzt steht sie unterm Schutz der Schwester Madeleine (Jo Anderson). Doch Pater Timothy (Richard Easton) sieht diesen Zustand als unhaltbar an, denn die Frau hat offenbar massive psychische Probleme. Jede Nacht schreckt sie laut schreiend aus ihren Alpträumen hoch...

 

Als der US-amerikanische Filmkritiker Roger Ebert zur Premiere des Films jenen mit den Thrillern Alfred Hitchcocks verglich, hatte er wohl seit langem keinen Film Hitchcocks mehr gesehen, Zwar versucht Kenneth Branagh, mit Schatten der Vergangenheit eine Atmosphäre des Mysteriösen herzustellen, wie sie für Hitchcocks Vertigo – Aus dem Reich der Toten (USA 1958) so signifikant war. Doch Alfred Hitchcock, der Großmeister klassischen Thrillers, überließ vieles der Andeutung und der Zweideutigkeit. Er führte seine Figuren subtil als von inneren Rätseln und psychischen Fallstricken Getriebene vor und brachte sie so seinen Zuschauern näher. Bei Kenneth Branagh ist das genau umgekehrt: aus dem Mysteriösen wird ein dezidiert im Übernatürlichen angesiedelter Fall von Wiedergeburt, bei dem die jeweils in Doppelrollen agierenden zentralen Charaktere sich äußerlich genau gleichen. Und Menschen, die eingangs vorsichtig mit der Wahrscheinlichkeit einer solchen Koinzidenz argumentieren, Robin Williams‘ ach so genialer Psychotherapeut Cozy Carlisle scheint eigens für den Zweck skeptischen Sachverstands geschaffen, reden später den gleichen Mumpitz wie alle anderen. Sogar Privatdetektiv Mike Church, Vertreter eines per se bodenständigen Berufsstands, entpuppt sich als Wiederkehrer wider Willen. Was die eingangs noch unterhaltsame und zu guter Letzt banale Erzählung aus der Feder Scott Franks vor der Zwei-Sterne-Bewertung so gerade noch rettet, sind das Schauspiel Emma Thompsons und eine zumindest übers erste Drittel hinweg stimmige Dramaturgie. Allerdings greift Branagh auch hier auf 08/15-Effekte aus der Thriller-Schublade zurück – dramatischer Gewitterdonner vor ebenso dramatisch klassizistischer Architektur, etc. pp. Frühzeitig wirkt der Film ästhetisch uninspiriert und so “billig“ wie ein altes Fernsehspiel. Obendrein wird die Möglichkeit, den Schauplatz Los Angeles gewinnbringend als Kulisse einzubeziehen – man denke nur an Roman Polanskis Chinatown (USA 1974) – fast vollends verschenkt.

 

Kenneth Branagh inszeniert seinen Möchtegern-Alfred-Hitchcock wie nach einer Vorlage William Shakespeares – die Dramatik im letzten Drittel wirkt grotesk übersteuert – und endet mit Schatten der Vergangenheit als Kopie eines Brian de Palmas, an dessen überladenen Schwarzer Engel (USA 1976) der Film gleichermaßen erinnert. Trotz der auch mit Derek Jacobi und Andy Garcia sehenswerten Besetzung und einer soliden Ausstattung der Produktion kommt der Film auch mit dem Erzählstrang der Vergangenheit - ein ausgerechnet Strauss benannter Komponist, der nach Machtergreifung durch die Nationalsozialisten aus dem Dritten Reich ins US-amerikanische Exil entkam - nicht auf ein adäquates Niveau. Wer durch Scott Franks Pulp-Phantasie hindurch dessen Quellen zu identifizieren mag, kann in Anbetracht der historischen Flickschusterei nur mit dem Kopf schütteln. Im Finale offenbart sich die Armseligkeit der Geschichte endgültig, sobald nämlich auch dem Regisseur die Pferde durchgehen und er den Schlussakkord seines Neo Noirs als monströs pathetische Rachefantasie über die Jahrzehnte hinweg inszeniert. Wie Branagh hier mit theatralischer Gestik einen banalen Krimiplot auf die Bühne des Jenseits zu überhöhen sucht, wirkt bestenfalls lächerlich. Nicht empfehlenswert!

 

Sehr gute deutsche DVD-Edition (2003) der Paramount Pictures mit dem Film bild- und tontechnisch einwandfrei im Originalformat, dazu die original englische Tonspur nebst Synchronisationen auf Deutsch (ganz furchtbar und unbedingt zu vermeiden) und Tschechisch sowie Untertitel auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Dänisch, Finnisch, Niederländisch, Isländisch, Norwegisch, Polnisch, Rumänisch, Schwedisch, Tschechisch, Türkisch und Ungarisch, sowie Audiokommentare von Kenneth Branagh, Scott Frank und Lindsay Doran plus den Kinotrailer als Extras.

 


Neo Noir | 1991 | USA | Kenneth Branagh | Scott Frank | Andy Garcia | Campbell Scott | Emma Thompson

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