Naked Alibi

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Bewertung
**
Originaltitel
Naked Alibi
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1954
Darsteller

Sterling Hayden, Gloria Grahame, Gene Barry, Marcia Henderson, Casey Adams

Regie
Jerry Hopper
Farbe
s/w
Laufzeit
86 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Universal-International Pictures Inc.
 

Hilldale, Kalifornien: Der mit Ehefrau Helen (Marcia Henderson) und seinem Sohn Johnny vor Ort lebende Bäckermeister Albert Victor Willis (Gene Barry) wurde betrunken und ohne Papiere aufgegriffen. Auf dem Polizeirevier wird er von Det. Lieutenant Fred Parks (Casey Adams) festgehalten und verhört, indessen man versucht, Willis’ Identität festzustellen. Parks scheint zu vermuten, dass Willis jemand sein könnte, der an den Raubzügen an der East Side beteiligt sei. Doch Al Willis will gehen, was Fred Parks zu verhindern sucht. Es kommt zu einem Kampf, Al Willis schlägt Parks einen Porzellanaschenbecher an den Kopf, der eine blutende Wunde davonträgt. Der Chief of Detectives Joe Conroy kommt zur Tür herein und beobachtet die Szene. Er zitiert Lietenant Parks hinaus, nachdem man Willis niedergerungen hat, der in seiner Erregung gegenüber Parks Rache schwört. Parks berichtet, indessen ein Polzeibeamter zu ihnen stößt und die Identität Albert Willis’ als verheiratetem Inhaber einer Bäckerei bestätigt. Conroy möchte gern den Bricht wegen des Juwelenraubs bei Foley am nächsten Morgen auf seinem Schreibtisch haben. Als Albert Willis schließlich geht, entschuldigt er sich bei Parks für sein Verhalten. In einem Taxi erreicht er seine Bäckerei, der benachbart er wohnt. Helen bringt soeben den kleinen Johnny zu Bett. Al verabschiedet sich erneut, diesmal ins Ladenolokal, das er noch in Ordnung bringen möchte. Indessen verlässt Fred Parks einen Stehimbiss und tritt auf die nächtliche Straße…

 

Warum sollte ich um den heißen Brei herum reden? Schlechte Filme gab es zu allen Zeiten der Filmgeschichte, und der hier ist unfassbar schlecht. Mancher Filmkritiker versucht sich heute prinzipiell an der Ehrenrettung klassischen Kinos. Dagegen ist ratsam, auch die Rohrkrepierer als solche zu benennen. So ist Tony d’Ambra von Filmsnoir.net der Meinung, Naked Alibi sei eben nicht “a banal pastiche of noir motifs and set pieces“ sondern ein surreales Filmerleben vergleichbar mit Luis Buñuels Das goldene Zeitalter (FRA 1930). In einer Renzension für Film Noir of The Week verspricht Guy Savage “a clean, simple, surprisingly good noir”. Aber einen solchen Film Noir, der mir schon in Anbetracht der Adjektive „sauber“ und „simpel“ verdächtig vorkäme, fand ich in Naked Alibi nicht. Sein Problem ist nicht das geringe Budget, die Kameraarbeit Russell Mettys (Im Zeichen des Bösen, USA 1958) oder die Riege der Darsteller, von denen einige exzellent, manche unter Niveau agieren, sein Problem ist eine hanebüchene Geschichte. Drehbuchautor Lawrence Roman serviert uns nach einer Erzählung J. Robert Brens und Gladys Atwaters einen Rollencharakter, der als Al Willis in einer Kleinstadt erfolgreich eine Bäckerei betreibt, seit Jahr und Tag verheiratet ist und einen Sohn hat. Er kam noch nie mit dem Gesetz in Konflikt, als er eines Abends betrunken und rüpelnd aufgegriffen und auf die Polizeiwache gebracht wird… Al Willis, extrem unbeherrscht und aggressiv, später in Anbetracht der Verfolgung durch Chief Joe Conroy zugleich verstört und paranoid, entpuppt sich im zweiten Leben als Al Schiller, der an der mexikanischen Grenze als Kopf einer Diebesbande - “hijacking ring“ - operiert und auch der psychotische Copkiller ist, der sich in Hilldale für sein Gastspiel auf der Polizeiwache rächt. Das Dumme ist: Sein seit Jahren unauffälliges Leben als Bäcker ist in Anbetracht seines Verhaltens nicht nur völlig unglaubwürdig, es ist auch gänzlich sinnlos. Es gibt für Willis keinen Grund, solche  Fassade aufrecht zu erhalten, sie steht mit seiner Gangsterrolle in keinem Zusammenhang. Das Ganze ist einfach blanker Unsinn.

 

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“He did it. I saw his face.“ Chief Joe Conroy hat offensichtlich jenen sechsten Sinn, der ihn gegenüber dem Rest der Menschheit auszeichnet. Er sieht ein Gesicht und die Frage nach dem Täter ist für ihn zu 100% geklärt. Nicht nur der Rollencharakter Joe Conroy ist in seiner faschistoid sebstgerechten Art unerträglich, auch das Schauspiel Sterling Haydens erweist sich als erbärmlich. Es ist offensichtlich, dass Hayden, der direkt aus Von der Polizei gehetzt (USA 1954) oder Der Attentäter (USA 1954), wo er jeweils die gleiche Rolle innehatte, aufs Set von Naked Alibi wechselte, von seinem Chief if Detectives extrem (!) gelangweilt ist. Das ist auch kein Wunder, denn er spielt einen Mann, der mindestens so abstoßend wie der Psychokiller Al Willis auftritt und der mit Gloria Grahame nicht die mindeste Chemie entwickelt. Eine “story of a love“, wie sie das Filmplakat verspricht, existiert nicht und zwar absolut nicht. Gene Barry spielt seinen Psychopathen Willis mit viel Einsatz, doch Gloria Grahame, die erst nach 30 Minuten in Erscheinung tritt, ist als Nachtclubsängerin Marianna der einzige Lichtblick hier, obgleich auch sie den Film nicht retten kann. Wenn nach einem vorhersehbaren Finale der Abspann läuft, hat man die übrigen Schauspieler schon vergessen, so unbedeutend konturlos sind ihre Rollen - wie im übrigen der ganze Film. In einigen Motiven zeigen sich Parallelen zu Mark Stevens’ Auf den Schienen zur Hölle (USA 1956), ein weitaus besseres Werk und im direkten Vergleich mit Jerry Hoppers Naked Alibi nicht nur vordergründig ein Film Noir.

 

Vor ein paar Jahren gab es von einem Filmvertrieb namens Hellfire Video (USA) eine DVD-Edition mit lausiger Bildqualität, die inzwischen vergriffen ist, aber Naked Alibi würde ich nicht einmal den Connaisseuren klassischen Film Noirs oder den Fans von Gloria Grahame empfehlen, der Film ist schlicht Zeitverschwendung und kaum das Abziehbild echten Film Noirs.

 


Film Noir | 1954 | USA | Jerry Hopper | Russell Metty | Casey Adams | Sterling Hayden | Gloria Grahame

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