Danger Signal

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Bewertung
**
Originaltitel
Danger Signal
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1945
Darsteller

Faye Emerson, Zachary Scott, Richard Erdman, Rosemary DeCamp, Bruce Bennett

Regie
Robert Florey
Farbe
s/w
Laufzeit
78 min
Bildformat
Vollbild
 

 
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© Warner Bros.
 
Im Zimmer eines Apartmenthauses nimmt der Schriftsteller Ronnie Mason (Zachary Scott) der tot im Bett liegenden Mrs. Alice Turner ihren Ehering vom Finger und begutachtet die Inschrift. Da schlägt die Vermieterin Mrs. Crockett (Virginia Sale) heftig gegen die Zimmertür und verlangt umgehend Einlass. Ronnie Mason entnimmt der Handtasche der Verstorbenen den Großteil des Geldes, wirft seinen Koffer aus dem Fenster im ersten Stock in die Hofeinfahrt und springt selbst hinterher. Er verstaucht sich den Knöchel, nimmt jedoch rasch seinen Koffer und huscht in den Verkehr der Straße. Indessen erkundigt sich einer der Mieter (J. Scott Smart) bei Mrs. Crockett, was denn los sei, und diese zeigt ihm einen Zeitungsartikel, demzufolge Alice Turner seit zwei Monaten als vermisst gelte. Der Mieter bricht schließlich die Tür auf… Ein Inspektor der Polizei (Addison Richards) erkundigt sich bei Thomas Turner (John Ridgely), ob er jemals dem Mann auf dem Passfoto, Ronnie Mason, begegnet sei, und jener bejaht. Im Greyhound Bus nach Los Angeles stiehlt Ronnie Mason einem Kriegsveteranen dessen Honorable Service Lapel Button als Zeichen für die ehrenhafte Entlassung aus der US- Armee. In der kalifornischen Metropole betreibt Hilda Fenchurch (Faye Emerson) ein Stenografiebüro, dessen Dienste auch von Jane Silla (Rosemary DeCamp), Doktorin der Psychologie, in Anspruch genommen werden…
 
“Funny how rich we are all, when we stop thinking about it.” Was diesem Film im Besonderen zum Verhängnis wird, ist sein Ende, das nicht nur kreuzbrav und bieder daherkommt, sondern auch jeglicher Logik entbehrt. Diesen Mangel an Logik kann ich nicht beschreiben, ohne den vermeintlichen Clou der Handlung, die alberne Pointe preiszugeben, auf die die Drehbuchautoren offensichtlich Wert legten. Die an Propaganda grenzende Darstellung aufrechten Biedersinns ist mit Blick auf die Rollencharaktere in Nebenrollen ein widerwärtiges Beispiel für die Selbstzufriedenheit des US-amerikanischen Kleinbürgertums in jenen Jahren, so dass man dieses Ende kaum fassen kann. Der Film lebt einzig von Zachary Scott, der als Schauspieler in einer für ihn frühen Rolle zeigen kann, was er zu leisten imstande ist. Die Handlung und ihre Entwicklung ist mehr als deutlich von Alfred Hitchcocks Im Schatten des Zweifels (USA 1943) inspiriert und lässt teils an George Cukors Das Haus der Lady Alquist (USA 1944) denken. Doch während Hitchcocks Film auf der Kurzgeschichte Uncle Charlie (1942) von Gordon McDonell beruhte und George Cukors Film auf dem schon 1940 in England verfilmten Theaterstück Gas Light (EA 1938) von Patrick Hamilton, war Robert Floreys Danger Signal eine Adaption des gleichnamigen Romans (EA 1939) von Phyllis Bottome, ihres Zeichens auch die Biografin des weltberühmten Psychologen Alfred Adler, bei dem sie selbst studiert hatte. Mit der Psychoanalytikerin Dr. Jane Silla (Rosemary DeCamp) findet das auch im Film seinen Niederschlag. Die erweist sich neben Zachary Scotts Ronnie Mason als der interessanteste Rollencharakter. Demgegenüber ist Richard Erdmanns Bunkie Taylor - der bieder linientreue Lausbub mit dem Herzen aus Gold! - hier so überflüssig wie ein Kropf.
 
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© Warner Bros.
 
“Danger Signal is, to put it bluntly, a mess. It’s a textbook example of how difficult the noir transition could be for the Hollywood studio system“, bringt es Frank Young für Film Noir of the Week auf den Punkt. Der Auftakt des Films, die ersten 20, 30 Minuten profitieren in ihrer Polarisierung der kleinbürgerlichen Idylle im Hause Fenchurch versus Wolf im Schafspelz, der Ronnie Marsh aka Mason hier ist, stark von der bereits in Hitchcocks Im Schatten des Zweifels ähnlich angelegten Gegensätzlichkeit. Wenig realistisch ist die schwache Persönlichkeit der Mrs. Fenchurch, die ihre Kinder allein großzog und vor Ronnie Marsh-Mason im Nu kapituliert. Auch die humoristische Note in der Darstellung des Dr. Andrew Lang (Bruce Bennett) als dem ach so typisch zerstreuten Professor passt überhaupt nicht zu einem aufmerksamen Psychologen. Es ist einfach ein Klischee, das in der Handlung untergebracht und in der Schlusssequenz das Bild der heilen bürgerlichen Welt, die wiederhergestellt wurde, zu runden hilft. De facto sind es das Finale und der daran anschließende Schluss, die den Film Lügen strafen und vollends ruinieren. Der Film Noir und der Thriller werden instrumentalisiert, wie das in den USA mit dem Erstarken der konservativen politischen Kräfte ab 1947 zu Propagandazwecken stets bewusst und gezielt getan wurde. Robert Florey war im Jahr 1945 auch Regisseur von God Is My Co-Pilot (USA 1945), einem der letzten Machwerke stupider Kriegspropaganda, wie sie just heute in Hollywood wieder populär ist. Danger Signal ist ein vollends belangloser Film, mittelmäßig bis kurz vor Schluss und in seinen letzten Minuten so dämlich, dass es kaum auszuhalten ist.
 
Es gibt bis dato weltweit keine DVD-Ausgabe des Films, der in einer restaurierten Fassung existiert, auch nicht als Teil der zahlreichen, von Warner Bros. und Turner Movie Classics auf den Markt gebrachten Editionen in den USA.
 

 

Film Noir | 1945 | USA | Robert Florey | James Wong Howe | Bruce Bennett | Zachary Scott | Faye Emerson

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