Deadline At Dawn

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Bewertung
**
Originaltitel
Deadline At Dawn
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1946
Darsteller

Susan Hayward, Paul Lukas, Bill Williams, Joseph Calleia, Osa Massen

Regie
Harold Clurman
Farbe
s/w
Laufzeit
83 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
New York: Der blinde und herzkranke Bar-Pianist Sleepy Parsons (Marvin Miller) geht langsam das Treppenhaus eines Apartmentblocks empor. Er klopft an der Wohnungstür der dem Alkohol verfallenen Erpresserin Edna Bartelli (Lola Lane), Schwester des Gangsters Val Bartelli (Joseph Calleia) und Parsons ex-Frau. Edna erwacht aus ihrem Rausch, öffnet ihm die Tür und lässt sich zu einigen zynischen Bemerkungen hinreißen, bevor sie ihm auf sein Drängen die 1400 Dollar übergeben will, die sie ihm schuldet. Doch das Bargeld und auch die Schecks sind aus der Schatulle verschwunden. Edna ist schockiert und kommt zu dem Schluss, dass jener Matrose, mit dem sie den Abend verbrachte, das Geld gestohlen haben muss… Irgendwo in Manhattan kauert ein Matrose der US-Navy, Alex Winkley (Bill Williams), an einem Zeitungsstand, dessen Besitzer Ray (William Challee) ihm in Anbetracht der mörderischen Sommerhitze in New York und aufgrund von Winkleys schwerem Kater zu einem Kaffee rät. Als Alex Winkley sein Taschentuch zückt, fällt ihm ein Bündel Geldscheine aus der Tasche, das ihm Ray zurückgibt. Aber der Glückliche weiß nicht mal, wie er überhaupt zu dem Geld kam, als er in der Schwüle der noch jungen Nacht in eine Tanzhalle getrieben wird. Hier ist die müde und genervte Tänzerin June Goth (Susan Hayward) soeben dabei, ihren aufdringlichen Tanzpartner Edward Honig (Steven Gerray) loszuwerden, als Alex Winkley mit ihr eine Plauderei beginnen will und sie seinerseits zum Tanz verpflichtet…
 
“Director Harold Clurman (…) lets the actors take their time with the dialogue - a particularly bad choice when you've got a lead as dull as Bill Williams”, meint James S. Rich für DVDTalk. Ja, sowohl der Rollencharakter als auch der Darsteller sind kaum auszuhalten, und es fügt sich zum nächsten, zentralen Problem. Die Handlung wird als Wettlauf gegen die Uhr verkauft, dümpelt aber in einer redundanten bis lahmen Abfolge beliebiger Ereignisse und unglaubwürdiger Koinzidenzen vor sich hin, so dass der Zuschauer sich veräppelt vorkommen muss. Vor allem wird die durch den Drehbuchautoren Clifford Odets (Der General starb im Morgengrauen, USA 1936) extrem "versüßte“ Handlungsträgerin June Goth – Susan Hayward ist eine tolle Darstellerin, sie trifft keine Schuld – als abgebrüht launischer Film-Noir-Charakter eingeführt, um als butterweiches Lämmchen vom Lande zu enden. Dass ausgerechnet June sich in den nicht naiven sondern dämlichen Matrosen Alex Winkley verlieben soll, ist hanebüchen. Es rechtfertigt im Nachhinein auch nicht, warum die beiden in der Wohnung eines Mordopfers herumstehen und als Duo anfangen, auf eigene Faust Detektiv zu spielen. Spätestens wenn sie gemeinsam auf die Straße laufen und June Alex dazu anhält, sich in den Täter hineinzuversetzen, um so herauszufinden, wohin er nach der Tat gegangen sein könne, greift sich der Zuschauer an die Stirn: “Much of the dialogue - especially in the first third of the feature, is pedantic, corny, and trite. I have never met folks who talk in this way!” heißt es zutreffend in der Rezension von Classic Film Freak.
 
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© Warner Bros.
 
Agatha Christie oder Raymond Chandler schrieben Krimis, darin die Mördersuche das zentrale Element der Spannung ist. Cornell Woolrich, dessen gleichnamiger Roman (EA 1944) hier die Vorlage bildete, konnte es auch. Aber Theaterregisseur Clurman und Bühnenautor Odets gehen mit ihrem aufklärerischen, moralischen Impetus, der an die Sozialdramen der Dreißiger gemahnt, viel zu steif ans Buch heran und servieren uns einen Reigen von Gutmenschen, die in Aphorismen sprechen, - “Remember, Alex, speech was given to man to hide his thoughts.“ - und ein paar Klischee-Gangster, die sich mit den Amateur-Detektiven verbünden, um den Bösewicht gemeinsam zu stellen... Der Rest ist wie eine von Kameramann Nicholas Musuraca abgedunkelte Noir-Fassung von Emil und die Detektive (EA 1932), doch konträr zu Kästners tollem Kinderbuch als ein nachgerade harmloses und verzuckertes Rührstück jenseits aller Glaubwürdigkeit „Deadline at Dawn, as disappointing as it is to write, proves to be widely unfocused and lacks a sharper director’s skills,” fasst es Edgar Chaput für Sound On Sight zusammen. Und die größte Enttäuschung liegt eben darin, wie das Talent mancher Beteiligter vor und hinter der Kamera auf Nimmerwiedersehen versenkt wird. Trotz Susan Haywards', Paul Lukas’ und Joseph Calleias, lauter klasse Schauspieler, ist dieses Machwerk nicht einmal für Cineasten empfehlenswert. Interessanterweise setzte John Farrow kurz darauf mit Die Nacht hat tausend Augen (USA 1948) ebenfalls eine Vorlage Cornell Woolrichs (EA 1945) komplett in den Teich.
 
In den USA erschien Deadline At Dawn in der 4DVD-Box (2010) der Film Noir Classic Collection Volume 5 von Warner Bros. Home Entertainment, topp restauriert, ungekürzt im Originalformat, inklusive englischer Untertitel. Auch in Europa gibt es von diesem ursprünglich vom Studio RKO Radio Pictures produzierten Film Noir mehrere DVD-Editionen, z.B. aus England und aus Spanien.
 

Film Noir | 1946 | USA | Harold Clurman | Cornell Woolrich | Nicholas Musuraca | Bill Williams | Joseph Calleia | Paul Lukas | Steven Geray | Susan Hayward

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