Dead Simple

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Bewertung
***
Originaltitel
I’ll Sleep When I’m Dead
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/USA
Erscheinungsjahr
2003
Darsteller

Clive Owen, Charlotte Rampling, Jonathan Rhys Meyers, Malcolm McDowell, Jamie Foreman

Regie
Mike Hodges
Farbe
Farbe
Laufzeit
98 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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An der englischen Kanalküste schlägt ein Mann vom Strand Golfbälle in die Brandung und der ex-Gangster Will Graham (Clive Owen) sinniert in den Dünen, was es bedeutet, einen Menschen verloren zu haben… In London ist sein jüngerer Bruder Davey (Jonathan Rhys Meyers) ein Drogenhändler, der sich auf den Partys der Reichen und Schönen herumtreibt und schnelles Geld macht. Heute Abend lässt er sich von seinem Kumpel Eddy (Bruce Byron) bei Sheridan (Amber Batty) absetzen, damit er dort auf einer Party für Stella (Daisy Beaumont) etwas Kokain ausliefert. Eddy und Davey sprechen über Will, der sich lange nicht bei ihnen gemeldet hat und Davey ist überzeugt, dass er nie wieder zurückkehren wird. Nach Abschluss des Deals verlässt Davey die Party wieder, doch Sheridan beobachtet, wie Stellas Begleiter David Myers (Damian Dibben) nervös telefoniert, just als Davey aus der Tür huscht und im Aufzug verschwindet… Will Graham löscht in dem Lieferwagen, den er zu seiner Behausung umgebaut hat, das Licht, als er bemerkt, dass einer Linousine auf den einsamen Waldweg gefahren kommt, wo er just wohnt. Mehrere Männer steigen aus, zerren einen weiteren aus dem Kofferraum und schlagen ihn brutal zusammen. Graham beobachtet das Geschehen und nachdem die Kerle davongefahren sind, lädt er sich den Verletzten namens Robert Calgani (Mark Hardy) auf die Schultern und fährt ihn schließlich zu einer Adresse, die er seinem Führerschein entnahm. Calganis Frau (Emma Dewhurst) begrüßt ihn mit vorgehaltener Schrotflinte. Doch als sie sieht, was der Grund seines Besuchs ist, lässt sie ihn ein…

 
“You’re wrong about most things most of the time, mate.“ Ganze 32 Jahre nachdem Mike Hodges mit Jack rechnet ab (UK 1971) einen der europäischen Neo-Noir-Filme schlechthin ins Kino gebracht hatte, bewies er mit Dead Simple, dass er in Sachen Dramaturgie und mit Blick auf eine fantastische Kameraarbeit, den ausgefeilten Werken seines englischen Kollegen Stephen Frars ebenbürtig, nichts verlernt hatte - im Gegenteil. Dead Simple ist ein Film, der eine exzellente Optik sein eigen nennt und mit seiner Vielzahl Nachtaufnahmen, darin leere Straßen, Gassen, Parkplätze, Unterführungen und Imbissrestaurants Orte der Verlorenheit sind, dem Stil klassischen Film Noirs nachempfunden ist. Auch die musikalische Begleitung aus der Feder von Simon Fisher-Turner kann voll überzeugen, neben dem Schauspiel von Jonathan Rhys Meyers, Jamie Foreman und Malcolm McDowell ein weiterer Pluspunkt hier. Auch zieht einen der dynamische Start und eine ausgetüftelte Schnittfolge, darin Gegenwart und Rückblende kunstvoll miteinander verzahnt sind, schnell in die Handlung hinein. Die ersten 40, 45 Minuten sind hochwertiges europäisches Neo-Noir-Kino, wie man es in der Art öfter zu sehen wünscht. Doch mit Rückkehr des ehemaligen Gangsters Will Graham nach London, was die Handlung auf einen Racheplot und auf die Strukturen organisierten Verbrechens in der Metropole fokussiert, lässt die Sache in jeder Hinsicht nach.
 
Zentrale Schwäche des Films ist Trevor Prestons Drehbuch, das einerseits Ambitionen durchscheinen lässt, andererseits damit nicht überzeugt. Weder der Rollencharakter des von Reue über sein verpfuschtes Leben als Gangster ins selbstgewählte Exil getriebenen Will Graham noch seine (über 18 Jahre ältere) ex-Geliebte, die Restaurantbesitzerin Helen (Charlotte Rampling), zeigen sich in ihren Anlagen als folgerichtig oder in ihrer Beziehung zwingend. Vielmehr hat man den Eindruck, dass vieles mit der Brechstange herbei konstruiert wurde, um den Film, dessen Kriminalhandlung lediglich ein Aufhänger ist, mit vielschichtigen und lebenssatten Charakteren zu versehen. Soviel zur Ambition. Doch die Rechnung geht nicht auf. Owen und Rampling haben kaum Chemie miteinander, ihr Schauspiel dümpelt in kompetenter Routine vor sich hin. Insbesondere Helen bleibt als Figur ein Anhängsel der Geschichte, das sich nicht mit Leben füllt. Auch viele andere Nebenstränge enden im Nichts – so die frühe Episode mit Robert Calgani, Wills Treffen mit seinen Kumpanen Arnie Ryan, Cannibal und Big John (Geoff Bell, Desmond Bayliss, Kirris Riviere) sowie der Nebenplot um den Gangster Frank Turner (Ken Stott). All das trägt zur Handlung wenig bei, es bleibt gewissermaßen auf der Strecke und provoziert beim Abspann den unbefriedigenden Gesamteindruck, den das mit einem lahmen und vorhersehbaren Finale ausgestattete Noir-Drama hinterlässt. Das ist schade, denn Potential gab es zu Beginn mehr als genug.
 
Recht gute DVD-Edition von VCL (2008) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, englische und deutsche Tonspur, ohne Untertitel. Nur die englische DVD-Edition von Momentum Pictures (2005) bietet als Extras zusätzlich Audiokommentare von Mike Hodges und Trevor Preston, geschnittene Szenen und die BBC-Dokumentation Mike Hodges & I’ll Sleep When I’m Dead.
 

 

 

Neo Noir | 2003 | UK | Mike Hodges | Clive Owen | Jonathan Rhys Meyers | Charlotte Rampling

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