Interpol ruft Berlin

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Bewertung
***
Originaltitel
The Vicious Circle
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1957
Darsteller

John Mills, Derek Farr, Noelle Middleton, Roland Culver, Wilfrid Hyde-White

Regie
Gerald Thomas
Farbe
s/w
Laufzeit
80 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Geoffrey Windsor (Lionel Jeffreys) sucht als Journalist des Daily Courier den Londoner Arzt Dr. Howard Latimer (John Mills) in dessen Büro in der Mayfair Clinic auf. Er möchte mit ihm über seinen Fachartikel in einem Medizinjournal sprechen. Aber Latimer ist nicht sonderlich gesprächig und weist darauf hin, dass ihm als Arzt nicht an Publicity gelegen sei und alles Wissenswerte im Artikel stehe. In dem Moment erhält der vielbeschäftigte Doktor einen Anruf. Sein amerikanischer Freund Charles Kaufmann ist auf dem Weg von New York nach London in Schottland zwischengelandet und daher verspätet. Er bittet Latimer, eine Freundin von ihm, die deutsche Schauspielerin Frieda Veldon (Lisa Daniely), die aus Berlin kommend heute am Londoner Flughafen eintreffen wird, abzuholen und in ihr Hotel zu begleiten. Dr. Latimer ist für den Abend schon mit seiner Verlobten Laura James (Noelle Middleton) und mit seinem Freund Kenneth Palmer (Derek Farr) zu einem klassischen Konzert in der Royal Festival Hall verabredet. Der Termin passt ihm gar nicht. Da bietet ihm der noch im Raum befindliche Geoffrey Windsor spontan an, Latimer zum Flughafen zu begleiten und die auch ihm bekannte Akteurin abzuholen. So willigt der Mediziner schließlich ein, den Freundschaftsdienst zu übernehmen. In der Schalterhalle lässt Howard Latimer Frieda Veldon ausrufen, als Windsor hereinkommt und zu verstehen gibt, dass sie bereits vor der Tür im Auto säße. Zu dritt begibt man sich auf den Weg zurück in die Innenstadt…
 
“Gritty British crime/noir“, heißt es zu dem wenig bekannten Thriller bei Darkness To Light. Aber der Film ist von der Raffinesse und von der Dunkelheit klassischen Film-Noir-Kinos meilenweit entfernt. Stattdessen ist es John Mills, der in routinierter Weise jene Rolle wiederholt, auf die er seit dem 10 Jahre zuvor gedrehten und weit besseren Film Noir Jim Ackland unter Mordverdacht / Zwielicht (UK 1947) u.a. festegelegt war. Auch als Dr. Howard Latimer ist er der zerstreute Gentleman, der als Mörder ohne Motiv in Verdacht gerät und von Mächten, die sich seinem Zugriff entziehen, für ihre Zwecke missbraucht wird. Während der Rollencharakter Jim Ackland zwei Jahre nach Kriegsende noch unterm Einfluss eines belastenden Vorfalls in der eigenen Vergangenheit stand und die Dunkelheit in ihm selbst ihren Ursprung fand, hat sich die Welt 10 Jahre nach diesem Klassiker britischen Film Noirs wieder geordnet. Es ist das Zeitalter des Kalten Krieges und es fordert erneut patriotischen Sinn und Dienst fürs Vaterland. Der ist einer im Untergrund – Interpol und die Geheimdienste treten an, um internationale Organisationen auszuhebeln. Hin und wieder geraten zwar Einzelne in die Strudel unauslotbarer Geschehnisse, doch über Kurz oder Lang steht ihnen nicht nur die Verlobte sondern auch ein Staatsdiener mit Rat und Tat zur Seite. Die Verhältnisse sind, vom Ende her betrachtet, wieder klar in Gut und Böse geschieden.
 
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„I’ve known Kimber for years.”- “Oh Darling, what’s that got to do with it? I went to a dentist for years until they arrested him for bigamy.“ Nicht nur vereinzelte Kameraeinstellungen mit entsprechend Film-Noir-typischer Low-key-Beleuchtung sondern auch vereinzelte Sarkasmen stechen als Reste der Glanzzeit des Film Noirs hervor. Aber im Ganzen wird dem Zuschauer nicht viel abverlangt und schon gar nichts zugemutet. Schnell ist man wieder in der Konvention. Kameramann Otto Heller macht seine Sache so solide wie Regisseur Gerald Thomas, denn solide Unterhaltung ist, was man anstrebt. Das internationale Kino der zweiten Hälfte der Fünfziger ist eine durchwachsene Ära, insofern viele Studios nach wie vor Filme produzierten, als sei weder die McCarthy-Ära je zu Ende gegangen noch als gäbe es eine ernstzunehmende Konkurrenz durch die Film- und Serienproduktion des Fernsehens. Francis Durbridge, hier der Autor des (hanebüchenen) Drehbuchs, stand in den Sechzigern neben Edgar Wallace und Agatha Christie als Signum für die Krimiunterhaltung des deutschen Fernsehens - haufenweise Eigenproduktionen, die sich des gotischen Settings aus der englischen Schauerromatik bedienten und als „Straßenfeger“ in die Geschichte eingingen. Derlei gemütliche Krimikost war dann längst die Antithese zum klassischen Film Noir, den die Regisseure des New Hollywood bald für sich entdeckten und mit dem sie der Biederkeit einer absterbenden Zeit den Sargnagel reichten. Interpol ruft Berlin ist als Zeitkapsel der 50er Jahre trotz seiner erstklassigen Darsteller in tragenden Rollen kaum der Rede wert.
 
Im 7DVD-Box-Set John Mills - Centenary Icon Boxset Part 2 (2008) der ITV Studios ist dieser heute obskure Thriller enthalten, ungekürzt und im Originalformat, mit englischer Tonspur ohne Untertitel, bildtechnisch einwandfrei und ohne Extras.
 

Film Noir | 1957 | UK | Gerald Thomas | Derek Farr | John Mills | Wilfrid Hyde-White

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