Jim Ackland unter Mordverdacht / Zwielicht

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Bewertung
****
Originaltitel
The October Man
Kategorie
Film Noir
Land
UK
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

John Mills, Joan Greenwood, Edward Chapman, Kay Walsh, Joyce Carey

Regie
Roy Ward Baker
Farbe
s/w
Laufzeit
92 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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In einer verregneten Nacht reist der in Sheffield ansässige Chemiker Jim Ackland (John Mills) mit einem Linienbus über Land und hat die sechsjährige Tochter (Juliet Mills) eines befreundeten Paares bei sich. Unmittelbar vor einem Bahnübergang verliert der Fahrer aufgrund eines technischen Defekts die Kontrolle, der Bus fährt frontal gegen eine Mauer… Im Loughton Hospital erläutert Dr. Martin (Felix Aylmer) dem besuchsweise anwesenden Versicherungsagenten Mr. Graham, dass Ackland aufgrund von Schuldgefühlen wegen des Todes des Mädchens und wegen ernsthafter Schädelfrakturen in seiner Rekonvaleszenz zweifach versuchte, Selbstmord zu begehen. Dennoch wird er entlassen und fährt mit dem Zug nach London, wo er im Brockhurst Common Hotel des gleichnamigen Vororts ein Unterkommen findet. Miss Selby (Catherine Lacey) zeigt dem Ankömmling sein Zimmer, die Nr. 8 im obersten Stockwerk; zuvor wird er noch Miss Heap (Esme Beringer) vorgestellt, einer älteren Mieterin, die ihre Abende in der Hotelhalle vor dem Kamin verbringt. Auf dem Weg nach oben treffen sie auch Mr. Peachy (Edward Chapman), bevor Jim Ackland, von der Reise und den Gesprächen müde, sein Zimmer bezieht. Als er in der Hotelhalle eine Partie Bridge ablehnt, zieht er sich gleich den Zorn anderer Hotelbewohner zu, indessen kurze Zeit später seine attraktive Zimmernachbarin Ms. Molly Newman (Kay Walsh) von ihrem Verehrer Mr. Wilcox (Jack Melford) ins Hotel geleitet wird…
 
“The October Man represented a significant shift in the British crime film / melodrama as noir attributes found their way into the genre,” resümieren Geoff Mayer und Brian MacDonnell in ihrer Enyclopedia of Film Noir (2007) zum Spielfilmdebüt des englischen Regisseurs Roy Ward Baker (Versuchung auf 809, USA 1952), der bald in Hollywood tätig wurde und dessen Karriere bis 1992 andauerte. Im deutschsprachigen Raum hatte das Werk neben den beiden o.a. Titeln noch zwei weitere, nämlich Im Zeichen der Waage in Österreich und War ich der Mörder? bei Aufführung in der DDR (ca. 1961). Dennoch ist der Film - sogar trotz seines Stars John Mills in der Hauptrolle - wie viele britische Film-Noir-Thriller der Vierziger und Fünfziger heutzutage auch international fast vergessen. Der renommierte Autor Eric Ambler schrieb Romanvorlage und Drehbuch und war obendrein Produzent. Der mit 20 Jahren als Kameraassistent bei Fritz Langs M - Eine Stadt sucht einen Mörder (GER 1931) debütierende Berliner Erwin Hillier war federführender Kameramann. Jim Ackland unter Mordverdacht / Zwielicht beeindruckt stets mit seinem expressionistisch-kontrastreichen Schwarzweiß, das demjenigen der US-amerikanischen Film Noirs Robert Siodmaks nicht nachsteht. Typisch für den englischen Nachkriegsfilm ist eine bis in Nebenrollen exquisite Besetzung mit Schauspielern, deren Kunst durchweg zu überzeugen vermag. Herausragend in der Darstellung des nach einem Unfall so gepeinigten Jim Acklands ist allerdings John Mills in einer seiner vielschichtigsten und sensibelsten Leistungen überhaupt.
 
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“It’s a pleasure to miss a meal here.“ Ein zunehmender Verlust von Identität im Rahmen der scheinbar Sicherheit stiftenden bürgerlichen Gesellschaft war eins der zentralen Themen jener Romane der Schwarzen Serie während der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre. Und es wurde zu einem der zentralen Themen all solcher Filme, die diese Bücher auf die Leinwand brachten - der Film Noirs. Mit Ankunft Jim Acklands im Brockhurst Common Hotel wird jenes zum Mikrokosmos der Sozietät, die über sein weiteres Schicksal mitbestimmt, wie Dr. Martin im Gespräch mit Mr. Graham, einem Vertreter dieser Sozietät, die für Ackland nicht länger bezahlen will, zum Ausdruck bringt. Ein Verkehrsunfall mit Folgen hat den bis dato vollkommen unauffälligen Jim Ackland in eine Krise gestoßen, für die seine Mitmenschen nicht die mindeste Geduld und kein Verständnis aufbringen. Sie erwarten, dass er durch Teilnahme an ihrer Gemeinschaft wieder in seine alte Rolle zurückkehrt – Erwerbsleben, Heirat, harmlose Vergnügungen. Stattdessen verschärft ein zweiter Vorfall die Krise sogar. Jim Ackland wird wegen Mordes gesucht, und er ist selbst unsicher, ob der Verdacht zutrifft oder nicht. Die Grenze zwischen Schuld und Unschuld, Gut und Böse – sie verschwimmt in diesem exemplarischen Film Noir, der einzig das Ideal der Liebe – ebenfalls typisch für den in der Romantik verhafteten Noir – als Ausweg anbieten kann. Denn das Gemeinwesen hat für Sonderlinge nichts übrig. Es verstößt sie in die Tiefen der Nacht.
 
Jim Ackland unter Mordverdacht / Zwielicht erschien 2008 einmalig in John Mills - Centenary Icon Boxset Part 1, einer 9-DVD-Box aus England, jedoch nie als hochwertige Einzel-DVD. Eine mitunter online angebotene griechische Ausgabe in Papphülle hat eine miserable Tonqualität, so dass der Film zu 80% unverständlich bleibt. Auf keinen Fall kaufen!
 

Film Noir | 1947 | UK | Roy Ward Baker | Eric Ambler | Sidney James | John Mills | Edward Underdown | Kay Walsh

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