Ganoven rechnen ab

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Bewertung
****
Originaltitel
La métamorphose des cloportes
Kategorie
Post Noir
Land
FRA/ITA
Erscheinungsjahr
1965
Darsteller

Lino Ventura, Charles Aznavour, Irina Demick, Maurice Biraud, Georges Géret

Regie
Pierre Granier-Deferre
Farbe
s/w
Laufzeit
98 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Paris: Die beiden Kriminellen Edmond Clancul (Charles Aznavour) und Arthur Gascard (Maurice Biraud) beobachten einen Paketboten, der aus seinem Kleinbus einige Pakete in einen Hinterhof trägt. Arthur verfolgt ihn, setzt ihn in einem Lastenaufzug fest, Edmond stiehlt seinen Wagen. Der Zuhälter Rouquemoute (Georges Géret) stattet der findigen Gertrude (Françoise Rosay) einen Besuch ab. Er benötigt einen Schneidbrenner zum Öffnen eines Panzerchranks, doch das Gerät der betagten Dame stellt ihn nicht zufrieden. Als er ihr gegenüber erwähnt, um was für einen Tresor es sich handele, zeigt sie ihm ihr bestes Stück. Doch die Leihgebühr ist enorm hoch – 900.000 Francs für drei Stunden. Arthur und Edmond suchen indessen nach Rouquemoute und befragen die Prostituierte Léone (Annie Fratellini), der sie Prügel androhen, aber der Gesuchte findet sich. Er gibt an, Gertrude habe 3 Millionen Francs für den Schneidbrenner haben wollen - eine Summe, die die drei Gangster sicher nicht auftreiben können. Edmond schlägt vor, sich mit dem Kunstsammler Alphonse Maréchal (Lino Ventura), einem Schulfreund, zu treffen, der eine solche Summe sofort hätte. Arthur wendet ein, dass die zu erwartende Beute von 12 Millionen Francs für Alphonse Kleingeld wäre. Dennoch begibt sich Edmond in ein teures Etablissement, wo Alphonse mit seiner Begleiterin Elisabeth (Patricia Scott) zu Abend speist. Er beklagt, unvorsichtigerweise in Spielschulden und in Not geraten zu sein. Beim gemeinsamen Billard veranschlagt er die zu erwartende Beute des Raubzugs kurzerhand auf 100 Millionen Francs. Und Alphonse schluckt den Köder…
 
„Der Film Noir Ganoven rechnen ab (…) vom Regisseur Pierre Granier-Deferre zeigt ein routiniert inszeniertes Drama mit humorvollen und subtilen (Zwischen-)Tönen“, schreibt Nils Grundmann in seiner Filmbesprechung für DigitalVD. Am Ende gibt der Rezensent dem Werk die volle Punktzahl und so sei verraten, dass doch mehr geboten wird. Richtig ist, dass Ganoven rechnen ab – der französische Titel lautet wörtlich übersetzt Die Metamorphose der Kellerasseln, was 1966 auch Titel der bei Suhrkamp veröffentlichten Romanvorlage (EA 1962) von Alphonse Boudard war – eher eine Hommage an den Film Noir ist und keine Parodie. Es gibt allerlei Zutaten, inhaltlich wie stilistisch, die den hierzulande zu Unrecht vergessenen Post Noir aus den Mittsechzigern deutlich über den zu erwartenden Kriminalstandard seiner schlichten Handlungslogik erheben. Klar, der Raub geht schief, Alphonse Maréchal geht für fünf Jahre ins Gefängnis. Seine ex-Komplizen plündern Alphonses Kunstsammlung, teilen den Erlös unter sich auf und leben in Saus in Braus. Sobald Alphonse auf freiem Fuß ist, sinnt er auf Rache… Das ist ein für den französischen Film Noir typischer Plot. So kennt man es aus Jean-Pierre Melvilles Vier im roten Kreis (FRA/ITA 1970) oder aus Claude Sautets Der Panther wird gehetzt / Volles Risiko (FRA/ITA 1960) nach José Giovanni, ebenfalls mit Lino Ventura. Charles Aznavour (Schießen Sie auf den Pianisten, FRA 1960) und Lino Ventura sind Grund genug, um sich diesen Beinahe-Klassiker zu Gemüte zu führen. Sobald der Rachethriller in sein Recht tritt, ist es mit dem (teils etwas albernen) Humor nicht weit her. Man sollte Michael Audiards - Vater von Jacques Audiard - Dialoge auch nicht plan mit Komödie verwechseln, bereichert auch Frankreichs erster weiblicher Clown, Annie Fratellini, das Ensemble mit einer einfühlsamen Darbietung.
 
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© Concorde Home Entertainment GmbH
 
Neben dem exzellenten Schauspiel wird auch hinter der Kamera nichts dem Zufall überlassen, wofür in erster Linie Nicolas Hayer verantwortlich ist, u.a. Kameramann für Henri-Georges Clouzots Der Rabe (FRA 1943) und Jean-Pierre Melvilles Der Teufel mit der weißen Weste (FRA/ITA 1962). Dessen Meisterschaft vollfertigt eine unerwartet kunstvolle Inszenierung, die gerade bei den Nachtaufnahmen und bei Perspektiven ins Dickicht der Großstadt das späte Schwarzweiß-Werk im Widescreen-Format veredelt. Der Regisseur Pierre Granier-Deferre, hier mit seinem dritten Film, trat später mit Die Katze (FRA/ITA 1971) und Adieu Bulle (FRA 1975), ebenfalls mit Lino Ventura, in Erscheinung und blieb in Deutschland doch eher unbekannt. Charaktervoll ist auch die Musik des Jazz-Organisten Jimmy Smith, der dem Film eine Note an Urbanität und Zeitgeist der Sechziger verleiht, die ihm (meist) gut zu Gesicht steht, ist sie auch teils zu präsent. Ein etwas hastiges Finale, ein sehr guter Schluss und eine großartige letzte Einstellung runden einen facettenreichen Film, der Freunden des französchen Film Noirs mit einem Schuss Nouvelle Vague und denen von Heist-Filmen in der Nachfolge von Jules Dassins Rififi (FRA 1955) ans Herz gelegt sei. Und ja, eine erstklassige Femme fatale gibt es auch.
 
Sehr gute deutsche DVD-Ausgabe (2013) der Concorde Home Entertainment GmbH, München, mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise französische oder deutsche Tonspur, dazu deutsche Untertitel, Extras gibt es keine.
 

Post Noir | 1965 | France | Pierre Granier-Deferre | Nicolas Hayer | Dominique Zardi | Charles Aznavour | Lino Ventura

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