Briefe aus dem Jenseits

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Bewertung
***
Originaltitel
The Lost Moment
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1947
Darsteller

Robert Cummings, Susan Hayward, Agnes Moorehead, Joan Lorring, Eduardo Ciannelli

Regie
Martin Gabel
Farbe
s/w
Laufzeit
85 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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Der Verleger Lewis Venable (Robert Cummings) sucht nach den Liebesbriefen des im Jahr 1843 in Venedig verschollenen, US-amerikanischen Dichters Jeffrey Ashton. Die Suche führt ihn selbst nach Venedig, wo sein Bekannter Charles Russel (John Archer) ihn unter dem Namen William Burton als Schriftsteller im Haus der steinalten Juliana Bordereau (Agnes Moorehead) und ihrer Nichte Tina (Susan Hayward) einquartiert hat. Nachdem ihn der Gondoliere Pietro (Frank Puglia) über die Kanäle dorthin fuhr, trifft er zuerst auf das Dienstmädchen Amelia (Joan Lorring). Ängstlich kümmert sie sich um ihre Katzen, denen der Aufenthalt im Haus untersagt ist, und auch sonst macht Amelia einen verschreckten Eindruck. Tina Bordereaus Begrüßung fällt mehr als kühl aus, doch sie und ihre Tante benötigen dringend die Mieteinnahmen. Diese sind allerdings exorbitant hoch, so dass Tina Bordereau Lewis Venables Märchen vom Schriftsteller, der die Einsamkeit sucht, sofort misstraut. Eine erste Untereredung mit  Juliana Bordereau ist für Venable sehr faszinierend, denn die 105 Jahre alte Greisin war seinerzeit selbst die Angebetete des seither verschollenen Dichters Ashton und damit die Empfängerin der ebenso vermissten Liebesbriefe. Lewis Venable vermutet sie stets in ihrem Besitz und bezieht seine Zimmer in einem entlegenen Flügel des Hauses, um ihrer früher oder später habhaft zu werden. Den Gondoliere Pietro hat er als Gärtner im Haus untergebracht, ein für ihn ebenfalls vorteilhafter Umstand…
 
„Briefe aus dem Jenseits wirkt innerhalb der Film Noir Collection leider ebenso deplatziert wie z.B. bereits Der General starb im Morgengrauen und Koch Media tut sich hinsichtlich der Außendarstellung der gesamten Reihe mit solchen Beiträgen sicherlich keinen großen Gefallen,“ urteilt Lennart Reimherr in seiner Rezension bei Splashmovie.de und trifft den Nagel auf den Kopf. Mit lediglich 11 Filmen in der seit Mai 2008 erscheinenden Serie ist die Titelauswahl kaum mehr nachvollziehbar und im Grunde willkürlich zu nennen. Thomas Willmann, der jeden Film mit einem Essay im eingeklebten, 12seitigen Booklet kommentiert, gibt selbst freimütig zum Besten, Briefe aus dem Jenseits sei „Literaturverfilmung, Kostümfilm, Melodram, film noir, Horrorfilm“ und einiges mehr in einem. De facto hat dieses gotische Schauermärchen mit seiner zuckersüßen Romantik und seinem expressionistisch angehauchten Grusel, der mehr an die Horrorfilme der Dreißiger als an den Film Noir der Vierziger erinnert, in dieser Edition absolut nichts verloren. Wilmann erwähnt sogar, dass das Werk in seiner Zeit völlig floppte, von der New York Times als „durchschnittlicher Horror-Streifen“ bewertet wurde und auch sonst keinerlei bleibenden Eindruck hinterließ. Weder lief der Film in England, Frankreich oder Deutschland (sein deutscher Titel verdankt sich einer TV-Ausstrahlung aus dem Jahr 1985) noch avancierte er in der Rezeption über Jahrzehnte zum Kultfilm. Wer ihn heute sieht, versteht warum. Briefe aus dem Jenseits ist solide Unterhaltung, doch die im Dienst Hollywoods mit Klischees verfälschte Erzählung The Aspern Papers von Henry James, auf der das Drehbuch beruht, ist in solcher Filmversion bestenfalls von historischem Interesse.
 
Bild Bild Bild
© Koch Media GmbH
 
“I felt the past close in around me like a fog. The door to the present shut behind me.” Robert Cummings ist als Darsteller hier nicht so schlecht wie sein Ruf. Susan Hayward ist demgegenüber längst nicht so gut, wie sie es in anderen Filmen ist, – z.B. im Film Noir Blutsfeindschaft (USA 1949) – und die grandiose Agnes Moorehead ist nicht zu erkennen und ihre Rolle mehr eine Karrikatur als ein Charakter. Thomas Willmann gibt in seinem Essay Einblicke in die Werksgeschichte des Films und in die der Beteiligten. Zum Film selbst sagt er fast nichts und das mit gutem Grund. Für 1947 und seine Zeit überhaupt wirkt Briefe aus dem Jenseits altbacken und konventionell – auch im Vergleich mit anderen, gotisch angehauchten Film Noirs, etwa mit Robert Siodmaks Die Wendeltreppe (1945) oder Delmer Daves The Red House (1947), beide deutlich besser. Obgleich Hal Mohrs Kameraarbeit heraussticht, ist auch die Regieleistung wenig eigenständig. Auffällig sind Anschlussfehler; so kommt Lewis Venable mehrfach ins abenddunkle oder nächtliche, von Kerzen erhellte Haus, betritt dann ein Zimmer und wir sehen im Fenster Venedigs Kulisse im Tages- oder frühen Abendlicht. Wenn man dem Film zu 15% zugestände ein Film Noir zu sein, wäre das hoch gegriffen, denn bis auf einige Kameraeinstellungen und einen halbherzigen Erpressungsversuch hat diese Gruselromanze damit nichts zu tun. So bleibt ein Rätsel, warum man bei der Koch Media GmbH (und zwar zum wiederholten Mal) für die einzige in Deutschland unterm Stichwort „Film Noir“ betitelte DVD-Reihe zweimal im Jahr so zielsicher daneben greift.
 
Sehr schön editierte DVD (2012) der Koch Media GmbH in der Film Noir Collection mit dem Film in nicht brillanter, doch allemal guter Bildqualität: wahlweise deutscher oder englicher Ton, keine Untertitel, eine Bildergalerie mit Werbematerial und das Booklet mit dem Essay als Extras.
 

Film Noir | 1947 | USA | Martin Gabel | Hal Mohr | Eduardo Ciannelli | John Archer | Robert Cummings | Agnes Moorehead | Joan Lorring | Susan Hayward

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