Mysteria

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Bewertung
**
Originaltitel
Mysteria
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2011
Darsteller

Robert Miano, Danny Glover, Billy Zane, Martin Landau, Michael Rooker

Regie
Lucius C. Kuert
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Los Angeles, Kalifornien: Der in die Jahre gekommene, einst erfolgreiche Drehbuchautor Aleister Bain (Robert Miano) arbeitet des Nachts an seiner Schreibmaschine und die Bilder in seinem Kopf sind die eines mysteriösen Kriminalfalls. Eine Frau hetzt in eine Telefonzelle, Polizei erscheint an einem Tatort, die Frau liegt blutend am Boden. Da bewegt sich an der Wand des Zimmers ein Schatten und ein Mann mit Hut taucht hinter Aleister auf, hebt eine Waffe und drückt ab. Aleister Bain sinkt getroffen auf den Schreibtisch. Plötzlich klingelt das Telefon. Der Autor erwacht, blickt auf das Blatt in der Maschine, wo zu lesen steht: “Fade In“, dahinter ein Doppelpunkt. Er geht zum Telefon, nimmt den Hörer ab. Ein Polizeibeamter (Danny Glover) spricht in einem kahlen Büro ins Telefon, dass man jemanden gefunden habe und er nun vor Ort sei. Aleister sitzt hinter einem Metalltisch und stellt sich den Fragen des Beamten, doch seine Erinnerung ist lückenhaft. Er weiß nicht einmal, wie er hierher kam. Freitags telefonierte er mit seinem Produzenten Fenelly (Billy Zane), der ihn deutlich an die Verspätung bezüglich der Skriptabgabe erinnerte und für zwei Uhr einbestellte. Und Mr. Sanders (Martin Landau) klopfte an die Tür, der Manager des Apartmenthauses, dem Aleister stets die letzte Monatsmiete schuldig war. Und gerade, als Aleister seine Klamotten vom Boden auflas, um sich zu Fenelly zu begeben, rief ihn Lavinia (Meadow Williams) an, eine den Autor Aleister Bain verehrende Filmstudentin…
 
Martin Landau (Der unsichtbare Dritte, USA 1959) tut mir Leid. Der Schauspieler hatte nur selten - etwa mit Woody Allens Verbrechen und andere Kleinigkeiten (USA 1989) - ein Händchen für gute Rollen in guten Filmen und sich meist in zweit- bis drittklassigen TV-Produktionen verdingt. Doch Mysteria hat er nicht verdient. Solche Travestie eines Neo Noirs ist wohl das Einfallsloseste, was ich in Jahren der Auseinandersetzung mit dem Werkskanon des Film Noirs zu sehen bekam. Autor, Produzent und Regisseur Lucius C. Kuert bringt es zuwege, eine Riege mehr (Landau, Glover) oder minder (Miano, Zane) kompetenter Hollywoodschauspieler in einer wirren Abfolge von Klischees aus Film Noirs und zeitgenössischen Thrillern zu versenken. In erster Linie sind nicht seine Darsteller sondern die inhaltlichen wie die formalen Elemente der Produktion schwer zu ertragen. Den nicht länger erfolgreichen Drehbuchautor, der es nochmals wissen will und von seinen Produzenten und der Polizei unter Druck gesetzt wird, kennen wir aus Billy Wilders Boulevard der Dämmerung (USA 1950) und aus Nicholas Rays Ein einsamer Ort (USA 1950). Doch William Holden und Humphrey Bogart hatten Klasse, was man von Robert Miano nicht sagen kann. Sein Kette rauchender und Whisky saufender Aleister Bain ist keine Person sondern ein Klischee. Und Klischees sind auch die anderen Figuren, Funktionsträger einer Geschichte, die wenig Gehalt hat und schlussendlich kaum Sinn ergibt. Stattdessen soll sie sich über ihre Erzählweise als clever erweisen – die Story in der Story in der Story, außer- und innerhalb des Kopfes jenes Autors, verschachtelt via Rückblenden, so dass sie den Betrachter aus dem Konzept und vor Spannung aus dem Häuschen bringt… Der ist nach zwanzig Minuten schlicht gelangweilt und schaut solchen Abziehbildern solange zu, bis er beschließt, seine kostbare Lebenszeit für Besseres aufzusparen und auszuschalten.
 
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© Sunfilm Entertainment GmbH
 
Die Kulissen wirken wie aus Pappmaché. Die Beleuchtung und die Kameraarbeit erweisen sich als (teils) dilettantisch. Der Schnitt - vom Regisseur in Personalunion durchgeführt - erscheint oft beliebig. Und die Musik nervt - Elektrorhythmen aus dem Heimstudio, die ständig auch unter den Dialogen liegen. Mysteria, amateurhaft im Grunde, gerät zur Selbstparodie. Ab der Hälfte ist der Rest vorhersehbar und völlig uninteressant. In der Geschichte des Film Noirs oder des Neo Noirs gibt es Beispiele für Low-Budget-Produktionen, die aus ihren Möglichkeiten das Maximale heraus holten und teils Filmgeschichte schrieben, von Edgar J. Ulmers Umleitung (USA 1945) über Marcus Reicherts Nachts in Union City (USA 1980) bis zu Tamra Davis‘ Guncrazy – Junge Killer (USA 1992). Mysteria schafft das Gegenteil. Gibt schon das Drehbuch wenig her, so gibt die Produktion der Sache den Rest. Daran können auch Martin Landau und Danny Glover nichts ändern. Mysteriös ist hier allein, warum sich die Sunfilm Entertainment GmbH überreden ließ, solches Machwerk in Deutschland als DVD und als BD (sogar in 3D) mit Hinweis auf den „Thriller, der die Bestsellerliste erzittern lassen wird“ (bemerkenswert sinnloses Zitat eines gewissen Hollywood Books) auf den Markt zu bringen. Dieses Rätsel löst der Film selbst leider nicht, er gibt es uns auf. Zwar ist er nicht so übel und peinlich wie das seinerzeit 40 Millionen Dollar teure Spektakel Sin City (USA 2005), aber genauso überflüssig.
 
Auffällig hässlich und irreführend gestaltete BD und DVD von Los Banditos Films GmbH / Sunfilm Entertainment GmbH (2011), die eine sehr gute Bildqualität bietet, wahlweise deutsche oder englische Tonspur, jedoch keine Untertitel und keine Extras.
 

Neo Noir | 2011 | USA | Lucius C. Kuert | Danny Glover | Billy Zane | Michael Rooker

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