On Dangerous Ground

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Bewertung
****
Originaltitel
On Dangerous Ground
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1952
Darsteller

Ida Lupino, Robert Ryan, Ward Bond, Charles Kemper, Ed Begley

Regie
Nicholas Ray
Farbe
s/w
Laufzeit
82 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Junggeselle Jim Wilson (Robert Ryan) und seine Kollegen Pete Santos (Anthony Ross), verheiratet mit Peggy (Tracey Roberts), und Pop Daly (Charles Kemper), Familienvater, begeben sich in einer Winternacht ins Polizeihauptquartier. Zusammen mit anderen Polizisten schwört sie Captain Brawley (Ed Begley) nach zwei ergebnislosen Wochen auf den Mordfall an zwei Kollegen ein. Nachdem Wilson sich in einer Bar beim Informanten Lucky (Gus Schilling) erfolglos nach Neuigkeiten erkundigt hat, fahren die drei zwecks Behandlung von Pops Schulter zu Doc Hyman (Jimmy Conlin). Im Wagen vor der Tür bekommt Wilson vom Zeitungsverkäufer Bagganierri (Nestor Paiva) einen Tipp wegen eines Gangsters namens Bernie Tucker (Richard Irving). So fährt Wilson, nachdem sie Pop nach Hause schickten, mit Pete zu Tuckers Freundin Myrna Powers (Cleo Moore). Am Spiegel über ihrem Schminktisch hängt ein Foto von ihr und Bernie. Der jungen Frau ist klar, dass mit Wilson nicht zu spaßen ist, obwohl auch der weiß, was ihr blühen könnte, wenn man Tucker und seiner Komplizen habhaft würde. Dass ihn der Tipp zu den Polizistenmördern führen wird, weiß Wilson, und so begibt er sich mit Pete zum Harbor Hotel, wo Tucker sich nach Myrnas Angaben versteckt hält. Doch Tucker will nicht reden und Jim Wilson bringt ihn mit Gewalt zum Sprechen. Am nächsten Tag zitiert Captain Brawley seinen Officer Wilson in ein Restaurant. Die zwei Hauptverdächtigen im Mordfall konnten dank Tuckers Tipp in den Morgenstunden gefasst werden. Aufgrund seiner Verletzungen hat man nun jedoch Bernie Tuckers Anwalt am Hals. Brawley warnt den impulsiven, hasserfüllten Jim Wilson vor weiteren Entgleisungen…
 
Die ersten 30 Minuten des Nicholas-Ray-Films On Dangerous Ground sind derart die Quintessenz des Film Noirs, dass man aus dem Staunen kaum heraus kommt. Dunkle Straßen, enge Stiegen, tiefe Schatten – die namenlose Großstadt bei Nacht, ganz offensichtlich New York City, schwitzt Neid und Gier, Misstrauen und Furcht. “Garbage, that's all we handle: garbage!“ speit Jim Wilson seinem Kollegen Pop Daly mehr entgegen, als dass er es ausspricht, als ihn solcher mit Gewalt zurückhält, einen Verdächtigen zusammen zu schlagen. Dieser Charakter Jim Wilson, um den es Ray vor allem geht, ist voller Bitterkeit, ein Mann von animalischer Brutalität, der nach eigener Auffassung die Resultate bringt, auf die es ankommt, an den Verhältnissen aber nichts ändert. Officer Wilson hasst die Menschen der Stadt, er verachtet ihre Bürger und pfeift auf Sympathien, doch für seinen Chef Brawley ist er selbst nahe dran, ein “gangster with a badge“ zu werden. Der Zuschauer erlebt Jim Wilson als einsam und zurückgezogen - er trauert seiner Vergangenheit als hoffnungsvoller Baseballspieler hinterher und lehnt Einladungen ins traute Heim von Pop Daly grundlos ab. Wilson ist ein geradezu exemplarischer Film-Noir-Protagonist, der die Attribute des Tough Guy aus dessen Frühphase mit denen der verletzlichen, ständig vom Scheitern bedrohten Männer aus seiner Hochzeit zu einen versteht.
 
Bild Bild Bild
© Warner Bros.
 
Anfang 1950 fertiggestellt, blieb der Film zwei Jahre beim Studio RKO unter Verschluss, weil dessen so konservativer wie exzentrischer Inhaber Howard Hughes sich über Rays Endprodukt unschlüssig war. Schließlich ließ er ihn um 10 Minuten kürzen sowie ein neues Ende drehen, daran Nicholas Ray angeblich keinen Anteil hatte, und brachte den auf die Weise „geschönten“ Film im Februar 1952 ins Kino, der dann auch prompt ein Misserfolg wurde. Über die Hälfte des Films spielt in der Provinz, – im 70 Meilen nordwärts gelegenen, fiktiven Westham – wohin Jim Wilson für einen Mordfall strafversetzt wird, nachdem er erneut im Dienst gewalttätig wurde. So dauert es 40 Minuten, bevor wir erstmals Ida Lupino, die weibliche Hauptdarstellerin überhaupt zu Gesicht bekommen. Bei 82 Minuten Spielzeit tritt sie nur in der zweiten Hälfte des Films in Erscheinung. On Dangerous Ground ist kein Meisterwerk, hätte aber eins werden können. Sowohl Nicholas Rays prägnante Regie, Bernard Hermanns (Psycho, USA 1960) eindringliche Musik als auch George E. Diskants innovative Kamera – der Film wurde fast komplett außerhalb von Studiosets gedreht, teils sogar mit Handkamera – geben einen starken Eindruck von dem Potential, das von RKO-Boss Howard Hughes einmal mehr verschenkt wurde. Dieser Film Noir, dessen erste 30 Minuten für seine Zeit so überaus brutal und „dreckig“ anmuten, lief in Deutschland nie im Kino und auch bis heute nicht im Fernsehen. Cop Jim Wilson, von Robert Ryan grandios porträtiert, rangiert nicht weit von Cop Webb Garwood (Van Heflin), ebenfalls gescheiterter Baseballspieler, in Joseph Loseys Dem Satan singt man keine Lieder (USA 1951).
 
Die französische Editions Montparnasse (2004) bringt den Film bildtechnisch topp restauriert in einer Version mit und einer ohne französische Untertitel, je mit original englischer Tonspur, ungekürzt im Originalformat, dazu die für diese Reihe übliche Präsentation (auf Französisch) durch Serge Bromberg. Stets ein Geheimtipp!
 

Film Noir | 1952 | USA | Nicholas Ray | George E. Diskant | Ed Begley | Robert Ryan | Ward Bond | Cleo Moore | Ida Lupino

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