Scharfschütze, Der

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Bewertung
*****
Originaltitel
The Gunfighter
Kategorie
Western Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Gregory Peck, Millard Mitchell, Helen Westcott, Karl Malden, Jean Parker

Regie
Henry King
Farbe
s/w
Laufzeit
81 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Den alternden Kopfgeldjäger und Revolverheld Jimmy Ringo (Gregory Peck) bringen die eigene Vergangenheit und der hieraus resultierende Ruf als schnellster Scharfschütze zunehmend um seine Freiheit. Ständig versucht ein Jüngerer, ihn herauszufordern und aus einem Duell mit ihm als Sieger hervor zu gehen. Als Ringo in einer Kleinstadt in einem Saloon steht, passiert das aufs Neue, und Jimmy Ringo muss den jungen Heißsporn Eddie (Richard Jaeckel) in Notwehr erschießen. Dessen drei Brüder (David Clarke, John Pickard, Alan Hale jr.) schwören Rache und nehmen die Verfolgung auf. Doch Ringo überwältigt jene, die er erwartet hatte, und lässt sie inmitten der Prärie ohne Waffen und ohne Pferde den Heimweg antreten. Er entschließt sich, in das nahe gelegene Cayenne zu reiten, wo seine Frau Peggy (Helen Westcott) mit ihrem gemeinsamen Sohn als Lehrerin ihr Auskommen hat. Jimmy Ringo betritt den örtlichen Saloon und wird vom Besitzer Mac (Karl Malden) gleich erkannt, denn die beiden kennen sich aus alten Zeiten. Mac benachrichtigt insgeheim Marshal Mark Strett (Millard Mitchell), doch er erweist sich ebenfalls als ein Bekannter Ringos. Strett weiß, dass Peggy, die unter dem Namen Walsh in Cayenne lebt, ursprünglich Ringos Frau war. Seit acht Jahren haben sie einander nicht gesehen. Dennoch fordert er Jimmy Ringo auf, die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen, denn das Erscheinen des Killers könnte, so fürchtet er, für Unruhe sorgen. Doch Ringo will Peggy und seinen Sohn sehen, setzt sich in eine Ecke des Saloons und beginnt zu warten…
 
Ein Western in Schwarzweiß, aber vollständig ohne die sonst für das Genre typischen Gut-Böse-Schemata, also wahrhaft ein Western für Erwachsene, wie Kritiker bis heute gern feststellen, im Grunde ein Film Noir in Verkleidung. Jimmy Ringo ist der Antiheld eines Film-Noir-Szenarios, wie es für die Spätvierziger typisch wurde – ein solcher, der nie den Weg in die bürgerliche Gesellschaft seiner Mitmenschen fand und dessen letzte Möglichkeit dorthin ihm einzig die Frau bietet, die selbst einem bürgerlichen Beruf nachgeht und die Mutter seines Sohnes ist. Jimmy Ringo ist sein Dasein als Kopfgeldjäger und damit „Revolverheld“ Leid, insofern er nun in die Jahre kommt. Jüngere folgen ihm nach, gewissenlose und brutale Männer, die sich durch seinen Tod ihre ersten Lorbeeren verdienen wollen. Der Schatten der Vergangenheit, der so verhängnisvoll auf jedem Schritt Ringos lastet, erinnert ans Schicksal von Dix Handley (Sterling Hayden) in John Hustons Asphalt-Dschungel / Raubmord (USA 1950) oder dasjenige von Bowie Bowers (Farley Granger) in Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (USA 1948). Vor allem auch Raoul Walshs Remake seines eigenen Film Noirs Entscheidung in der Sierra (USA 1941) als Western (Noir), betitelt Vogelfrei (USA 1949) und mit Joel McCrea in der zuvor von Humphrey Bogart gespielten Rolle, zeigt deutliche Parallelen zu Henry Kings Der Scharfschütze. Der Western Noir bot mit seiner historischen Szenerie eine letzte Bühne für kritische Töne wider die herauf dämmernde, erzreaktionäre McCarty-Ära, wie das auch John Huston in Der Schatz der Sierra Madre (1948) vorgeführt hatte.
 
Bild Bild Bild
© EuroVideo Medien GmbH
 
Zeitlos an Der Scharfschütze ist, dass der Film zugleich das durchweg feige und bigotte Bürgertum Cayennes in den Fokus nimmt. Aus ihrer Mitte entspringen die mordlüsternen Buben, die Ringo erschießen wollen. Der allgemeine Ehrenkodex zeugt von alttestamentarischer Amoralität und primitiver Sensationslust, so sich unter Masken der Wohlanständigkeit am Schaden des Nächsten ergötzt. Nur mühsam kann Marshal Mark Strett auf diesem Kessel der Instinkte den Deckel halten. Hier erinnert Der Scharfschütze, dessen Minimalismus solches kristallklar heraus stellt, an Fred Zinnemanns 12 Uhr mittags (USA 1952), den nicht nur John Wayne und Howard Hawks rigoros ablehnten, und auch an Delmer Daves’ Western Noir Zähl bis drei und bete (USA 1957). Es erstaunt nicht, dass die Vorlage zum Drehbuch - Oscar-Nominierung für die Beste Story - vom Regisseur André De Toth verfasst wurde, der sich selbst im klassischen Film Noir Pitfall (USA 1948) mit der Ambiguität bürgerlicher Kultur in den USA befasst hatte. Auch formal kann Der Scharfschütze überzeugen, der wie 12 Uhr mittags rasch in der Enge der Kleinstadt ankommt und das Szenario zum Entwurf wider den John-Ford-Western in den Weiten der Natur modelliert. Erstklassige Leistungen von Gregory Peck, den mit Schnurrbart niemand sehen wollte, Millard Mitchell und Karl Malden. Der Scharfschütze war 1950 an den US-Kinokassen ein Flop und hat sich erst über die Jahrzehnte zu seinem Ruf als Kultfilm und Klassiker hoch gedient. Sogar Bob Dylan erwies Henry Kings Film mit dem Lied Brownsville Girl (1986) seine Referenz: Well, there was this movie I seen one time / About a man riding 'cross the desert and it starred Gregory Peck...”
 
Erstklassige DVD-Ausgabe von Twentieth Century Fox Home Entertainment (2004). Die im Ganzen fünf Tonspuren sind Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, dazu 10 verschiedene Untertitel, bildtechnisch nicht brillant doch immerhin gut, ungekürzt im Originalformat und ohne Extras. Seit Januar 2012 gibt es die Neuauflage via EuroVideo Bildprogramm GmbH, München, doch sie bringt lediglich noch zwei Tonspuren, Deutsch und Englisch, und verzichtet vollständig auf Untertitel, dafür gibt es den US-Kinotrailer als Extra. Die deutsche Synchronisation ist im Übrigen kaum erträglich - dieser Film sollte unbedingt auf Englisch geschaut werden.
 

Western Noir | 1950 | USA | André de Toth | Henry King | Nunnally Johnson | Arthur C. Miller | Gregory Peck | Harry Shannon | James Millican | Karl Malden | Millard Mitchell | Richard Jaeckel | Ellen Corby

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