Metro Manila

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Bewertung
*****
Originaltitel
Metro Manila
Kategorie
Neo Noir
Land
UK/PHI
Erscheinungsjahr
2013
Darsteller

Jake Macapagal, John Arcilla, Althea Vega, Erin Panlilio, Iasha Aceio

Regie
Sean Ellis
Farbe
Farbe
Laufzeit
115 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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In der Provinz Banaue in den nördlichen Phillipinen sind der ehemalige Soldat Oscar Ramirez (Jake Macapagal) und seine Frau Mai (Althea Vega) als Reisbauern tätig. Zugleich sind sie die Eltern der kleinen Angel (Erin Panlilio) und ihres Buders (Iasha Aceio), der noch ein Baby ist. Aber in diesem Jahr zerstört ihnen die widrige Witterung einen Großteil ihrer Ernte, es regnet einfach zu viel. Als sie mit ihrem Ertrag im Dorf ins Büro der Handelsgesellschaft gehen, sagt ihnen der dortige Einkäufer (Mario Visto), dass sie in diesem Jahr für ein Kilo nur 2 Cents erhalten. Im letzten Jahr, so weiß es Oscar noch genau, waren es 10 Cents, doch den zuständigen Einkäufer interessiert nicht, ob die Familie davon wird überleben können oder nicht. So nehmen Oscar und Mai ihren Hungerlohn in Empfang und beschließen, das ärmliche Dasein in den Reisfeldern aufzugeben und ihr Glück in der Hauptstadt Manila zu versuchen. Sie investieren einen Großteil ihres Geldes in die beschwerliche Fahrt mit dem Bus Richtung Süden. Als sie schließlich dort ankommen, ist die ganze Familie wie verzaubert vom Glanz und von der Pracht einzelner Gebäude, indessen sich Oscar schnell auf den Weg macht, um eine Arbeitsstelle zu finden. Das Geld ist knapp; es reicht höchstens für einige Tage. In dem Gedränge vor der Vermittlungsstelle bietet ein freundlicher Herr (Daniel Magisa), der Oscar den Fremden gleich ansieht, seine Hilfe bei der Wohnungssuche an. Er wisse eine Bleibe für ihn und seine Familie, Oscar solle ihm folgen…

 

Der Überlebenskampf einer Provinzfamilie im Dschungel der Metropole Manila, die mit Fug und Recht dem Film seinen Titel verleiht, ist nichts für empfindliche Gemüter. Doch im Gegensatz zum zeitgenössischen US-Kino ist es keinesfalls die physische Gewalt, die im Mittelpunkt des Elends und der Nöte steht, sondern eine aller moralisch-ethischen Richtlinien, vom nackten Sozialdarwinismus angetriebene Gesellschaft. Wie Sean Ellis die Skrupellosigkeit einzelner Figuren und die der Urbanität im Ganzen in dieser unabhängigen Produktion porträtiert, geht selbst erprobten Connaisseurs des Neo-Noir-Kinos an die Nieren. Der Vertrauensverlust in einer vollends feindlichen Umwelt, die steten Enttäuschungen in dem Bemühen, im Leben endlich einen Erfolg verbuchen zu können und damit sich selbst und womöglich die Familie über Wasser zu halten, all das sind dem klassischen Film Noir vertraute Themen. Ob John Garfield als Harry Morgan in Michael Curtiz‘ Menschenschmuggel (USA 1951), ob Richard Widmark als Harry Fabian in Jules Dassins Die Ratte von Soho oder auch Fairley Granger als Bowie Bowers in Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (USA 1948), über allen hängt der Schatten zahlloser Bedrohungen und Demütigungen, der sich sukzessive niedersenkt, um sie ganz zu verschlingen. So ergeht es auch dem ehemaligen Soldaten und Reisbauern Oscar Ramirez, bis ihm wie durch ein Wunder gelingt, so scheint es, eine Anstellung als bewaffneter Wachmann von Geldtransporten zu ergattern. Nichts in Manila ist sicher, und ein solcher Job zählt zu den gefährlichsten. Im babylonischen Pfuhl der allgegenwärtigen Armut bleibt Geld das einzige Mittel, um solcher Vorhölle zu entrinnen, daraus Empathie und Rechtsprechung schon längst und für alle Zeit entwichen sind. Drogenhandel, Kinderprostitution und die Korruption auf allen Etagen einer von Zukunft und Träumen befreiten Sozietät: in Manila zählt ein Menschenleben nichts und jede Freude ist teuer erkauft. Sicher, die Hoffnung stirbt zuletzt. Daran scheint uns der britische Autor, Kameramann, Produzent und Regisseur Sean Ellis erinnern zu wollen. Aber wenn sie stirbt, stirbt sie eben.

 

Das Ausmaß dieser Egalität ist schwer zu ertragen. Erst ahnt der Zuschauer, dass auch die Sicherheit der eigenen vier Wände und einer Uniform nur eine scheinbare ist, schließlich weiß er es. Mit grandiosen Bildern und dank eines pointierten Skripts überzeugt Metro Manila aber nicht als sozialer Kommentar, der ebenso in Form einer Dokumentation an uns hätte herangetragen werden können. Im Gegenteil sind es seine Figuren, ihre Geschichte und die Dramaturgie der Handlungsentwicklung, jene zentralen Komponenten des Erzählens, welche Metro Manila zu einem packenden und überzeugenden Kinoerlebnis werden lassen. Mit Jake Macapagal, John Arcilla und Althea Vega in den zentralen Rollen dieses Mit- und Gegeneinanders hat sich Sean Ellis drei exzellente Darsteller ausgesucht, wenngleich sie international niemand kennt. Darin liegt auch das Problem seines Meisterstücks, das 2013 auf dem Filmfest Hamburg den Kritikerpreis gewann und im gleichen Jahr auch auf dem Sundance Film Festival ausgezeichnet wurde. In Frankreich, Belgien, Holland und in England lief der Film im Kino - in Deutschland schaffte er es trotz Preisverleihung in der Hansestadt noch nicht einmal auf den BD- und DVD-Markt. Neben Erik Mattis‘ On The Job (PHI 2013) und Ron Morales‘ Graceland (PHI 2012) gehört Metro Manila dennoch zu den Signalen eines selbstbewussten und kompetenten Filmschaffens auf den Philippinen, das heute aufhorchen und für die kommenden Jahre hoffen lässt. Unbedingt ansehen!

 

Es gibt englische BD- und DVD-Editionen (2014) der Independent Distribution mit dem Film bild- und tontechnisch erstklassig und ungekürzt im Originalformat, dazu die original Tonspur auf Tagalog, der auf den Philippinen meistverbreiteten Sprache, natürlich mit englischen Untertiteln, aber ohne jegliche Extras.

 


Neo Noir | 2013 | International | Sean Ellis | John Arcilla | Leon Miguel

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