Zipper

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Bewertung
****
Originaltitel
Zipper
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2015
Darsteller

Patrick Wilson, Lena Headey, Ray Winstone, Richard Dreyfuss, John Cho

Regie
Mora Stephens
Farbe
Farbe
Laufzeit
113 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Ascot Elite Home Entertainment

South Carolina, USA: vor der Urteilsverkündung gegen den korrupten Sheriff Hassler in Diensten des Bürgermeisters Jonas Stiegel herrscht im Gerichtssaal Hochspannung. Jurastudentin Dalia (Dianna Agron), Praktikantin bei Generalbundesanwalt Peter Kirkland (Christopher McDonald), tippt Staatsanwalt Sam Ellis (Patrick Wilson) auf die Schulter. Man treffe sich später zu einer Siegesfeier im Blend flüstert sie ihm zu, und man wünsche ihn in der Runde zu sehen. Doch Ellis gibt zu verstehen, dass man hier erstmal gewinnen müsse. Der Richter verkündet das Urteil… Vor dem Gerichtsgebäude umringen Journalisten den Sieger Sam Ellis und fragen, ob er es auf weitere Beamte im Umfeld von Stiegel oder auf den Posten des Generalbundesanwalts abgesehen habe, doch Ellis wiegelt ab. Auf der Fahrt zur Feier telefoniert er mit seiner Frau Jeannie, die sein Interview im Fernsehen verfolgte und mit Sohn James (Kelton Du Mont) in der Küche Gemüse schneidet. Sie gratuliert ihrem Mann, für den der heutige Sieg einen gewaltigen Karriereschritt darstellt. Ihr Vater (Dave Maldonado), gibt Jeannie zu verstehen, habe George Hiller (Richard Dreyfuss) gesehen. In bestimmten Kreisen wolle man, dass der Journalist Nigel Coaker (Ray Winstone) in seiner berühmten Magazinkolumne ein Portrait über ihn, Sam Ellis, bringe. Sie habe Nigels Nummer und werde ihn anrufen… Auf der Feier ist Sam Ellis‘ Kollege EJ (John Cho) der Meinung, dass für Sam als Generalbundesanwalt die Zeit jetzt reif sei. Doch jener hat vor allem für die hübsche Dalia ein Auge…

 

Ob Kritiker oder Zuschauer, diesen Film mag vor allem in den USA so gut wie niemand. Als ein seit Jahren tätiger Autor zum Film Noir und zum Neo Noir kann ich die Breite der Ablehnung kaum nachvollziehen. Im Fall einer kontroversen Auffassung zum Statement, zur Dramaturgie oder zu den Details eines Werks finden sich fast immer solche, die als seine Fürsprecher eine Lanze brechen. Bei Ridley Scotts grandiosem Neo Noir The Counselor (UK/USA 2013) befinde ich mich selbst in der Rolle. Der im Fahrwasser eines Sydney Lumet angesiedelte Politthriller Zipper der Autorin und Regisseurin Mora Stephens ist kein Meisterwerk. Vor allem in der ersten Hälfte nimmt er sich für einige Ecken und Enden seiner Geschichte, hat es den Anschein, zu viel Zeit. Ich hätte eingangs selbst nicht damit gerechnet, ihm eine Vier-Sterne-Bewertung zukommen zu lassen oder ihn überhaupt in die Rubrik “Neo Noir“ in diesem Portal aufzunehmen. Aber in der zweiten Hälfte beweist Mora Stephens, dass sie Krallen zeigen und zupacken kann. Der bis dahin halbwegs kontrollierte Karrierist und Staatsdiener Sam Ellis taumelt nun in die Abgründe der eigenen Psyche, welche sich an der Oberfläche seiner Lebensumstände gespiegelt und bebildert finden. Erst jetzt wird dem Zuschauer klar, wie sich seine Mustergattin, der mit ihr befreundete Journalist Nigel Coaker und der Lobbyist und Königsmacher George Hiller in je einem ureigenen Interessenverhältnis zu Sam Ellis bewegen und weit mehr Druck auf ihn ausüben, als es die berufliche Verantwortung jemals könnte. Nicht die Risiken im Vorfeld sondern das Diktum des Erfolgs selbst bedrohen Staranwalt und Ehemann Sam Ellis in steigendem Maß und verlangen nach einem Ventil, das den Druck aus dem Kessel entweichen lässt. Der Sex als solcher, der ihm dank der Escort-Agentur Executive Privileges dazu verhilft, ist unspektakulär. Zipper als Erotic Thriller zu vermarkten, seine Darstellung sexueller Handlungen als zentral fürs Filmerleben anzupreisen, ist das falsche Etikett. Die Qualität des Films liegt in der Glaubwürdigkeit der Beziehungen aller Rollencharaktere zueinander und in dem Verzicht auf eine Lichtgestalt und Identifikationsfigur. Die Menschen in Zipper sind bis ins Mark korrumpiert und bigott und sie wissen es aufgrund der ihnen eigenen Selbstgerechtigkeit nicht einmal, indessen sie bereit sind alles zu tun, um das Konstrukt ihres Strebens nach Macht und Reichtum zu erhalten.

 

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© Ascot Elite Home Entertainment

Es gibt eine Sequenz in Zipper, darin die Eheleute Sam und Jeannie Ellis im Bett beieinander liegen und Jeannie fragt, ob er noch der “Idealist“ sei, als den sie ihn kennengelernt habe. Der Zuschauer kann Sam die Mühe ansehen zu antworten. Man versteht sofort, wie falsch der Begriff mit Blick auf die Situation aus der Perspektive beider gewählt ist. Jeannie Ellis will vor allem wissen, ob Sam in ihren und in George Hillers Händen der geeignete Platzhalter auf einem Senatorenposten in Washington wäre. Ihr geht es allein um den Aufstieg in die Elite der Nation. Sie stellt ihre Frage bewusst in einen Kontext, der darauf abzielt, ob Sam nun, da es darauf ankommt, den Mut und die Kraft hat seine Chance zu nutzen. Zu dem Zeitpunkt weiß der Zuschauer, dass Sam Ellis nicht der Typ dafür ist, es im Grunde niemals war. Er ist stets der Junge, dessen Mutter ihren Platz im Protest gegen Vietnam und Nixon, im Widerstand gegen die von Jeannies Familie gebaute USA der Schönen und Reichen gefunden hatte, bevor sie an Krebs starb und während Sams Jurastudium dann Jeannie ihre Rolle übernahm… Zipper ist ein komplexer Film, der seinem Zuschauer Aufmerksamkeit abverlangt. Nur an der Oberfläche ist er ein Ehedrama, darunter ein Politthriller mit einer gehörigen Dosis Neo Noir. In Max Ophüls‘ Caught (USA 1949) zerbricht Barbara Bel Geddes an der Arroganz der “Elite“ in Gestalt Robert Ryans. In Alexander Mackendricks Dein Schicksal in meiner Hand (USA 1957) wird Burt Lancaster von der Gier nach Macht und Einfluss zerfressen. Mit seinem pointierten Finale und dem exquisiten Schluss ist Zipper ein Film, der mich bei der Stange hielt und zu einem zweiten Sehen einlädt. Empfehlenswert!

 

Exzellente BD- und DVD-Ausgaben (2016) der Ascot Elite Home Entertainment mit dem Film ungekürzt im Originalformat, dazu die englische Tonspur und eine deutsche Synchronisation (schon allein wegen der unpassenden Stimme für Jeannie Ellis nicht zu empfehlen), optional deutsche Untertitel, den US-Kinotrailer und einen deutschen Trailer als Extras.

 

Neo Noir | 2015 | USA | Mora Stephens | Marco St. John | Ray Winstone | Richard Dreyfuss

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