Jennifer Eight

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Bewertung
***
Originaltitel
Jennifer Eight
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1992
Darsteller

Andy Garcia, Uma Thurman, Lance Henriksen, Graham Beckel, Kathy Baker

Regie
Bruce Robinson
Farbe
Farbe
Laufzeit
120 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Paramount Pictures

Nach Scheidung und Alkoholabhängigkeit hat der aus Los Angeles stammende Police Det. Sergeant John Berlin (Andy Garcia) dringend einen Tapetenwechsel nötig und lässt sich in das in Nordkalifornien gelegene Nest Eureka versetzen. Als er dort an einem verregneten Morgen in seinem noch nicht renovierten Haus erwacht, ist es der Start in ein neues Leben. Vor Ort im Polizeirevier arbeitet auch sein Schwager und ehemaliger Förderer Sergeant Frederick Ross (Lance Henriksen), der wiederum mit Berlins älterer Schwester Margie (Kathy Baker) verheiratet ist. Die beiden haben auch einen Sohn, Bobby (Bryan Larkin), aber noch bevor er sie alle sehen könnte, hört Berlin an diesem ersten Morgen im Polizeifunk von einer Leiche auf der örtlichen Mülldeponie und fährt gleich dorthin. Es regnet in Strömen und bald trifft auch Ross mit dem Kollegen Travis (Perry Lang) dort ein, der den Sohn des Verwalters, den kleinen Trimble (Stephen Piemonte II) befragt, der weiß, dass hier ein Obdachloser mit durchschnittener Kehle zu finden sei. John Berlin berichtet, dass der Tote wohl seit zwei Wochen dort liege und Selbstmord begangen habe, doch findet er kein Messer. Ross lässt seine Beamten das Messer suchen, aber sie entdecken bloß einen toten Hund und Travis findet eine amputierte Hand. Letzteres ist auch für den anwesenden Reporter Mike Blattis (Lenny Van Dohlen) interessant, der John Berlin mit der Hand in der Kühlbox aufs Revier begleitet. Hier beginnt Berlin mit der forensischen Untersuchung des Körperteils…

                                                                         

“I'm running out of questions... and you're running out of lies.” Der Engländer Bruce Robinson galt nach seinem Skript für Killing Fields – Schreiendes Land (UK 1984) als eine der großen Hoffnungen Englands. Er schrieb das Drehbuch zu und führte Regie bei diesem Thriller, den er an ein Mainstream-Publikum zu adressieren hoffte, um dank des Erfolgs andere Projekte in den USA verwirklichen zu können. Doch sein Neo Noir Jennifer Eight wurde ein Riesenflop – vom Publikum ignoriert, von der Filmjournaille gnadenlos verrissen. Wer diesen Film 25 Jahre nach seiner Premiere sieht, fragt sich, warum man seinerzeit derart hasserfüllt reagierte und alles daran und darin ablehnte. In mancher Hinsicht passt Jennifer Eight perfekt in jene Zeit, als mit John Dahl, David Lynch, Ethan und Noel Coen und Quentin Tarantino die Dunkelheit in den Thriller zurückkehrte und der Neo Noir zum Erfolgsfilm avancierte. Letzteres meint nicht unbedingt den kommerziellen Erfolg, doch Blue Velvet (USA 1987), Kill Me Again / Töten Sie mich (USA 1989) und Die Spur führt zurück (USA 1990) hatten die Tür in jene 90er Jahre aufgestoßen, darin der Neo Noir bis L.A. Confidential (USA 1997) zu neuer Blüte fand. Der Auftakt in Jennifer Eight ist nicht perfekt, zugleich dank der Musik Christopher Youngs, der wunderbaren Kameraarbeit Conrad L. Halls, der exzellent gewählten Drehorte und dank des großartigen Schauspiels von Lance Henriksen, Kathy Baker und Kevin Conway als Polizeichef Citrine ungemein intensiv und glaubwürdig. Robinson serviert seinen Zuschauern ein Erzählkino, darin er allen beteiligten Rollencharakteren viel Aufmerksamkeit schenkt und sich bemüht, das komplexe Setting in seiner Breite und in seinen scheinbar nebensächlichen Konnotationen abzuklopfen. Anders ausgedrückt: Jennifer Eight ist ein Thriller, der mich von Anbeginn zu fesseln vermochte und mich lange bei der Stange hielt.

 

Andy Garcia ist nicht mein Lieblingsschauspieler, doch zuverlässig. Hier spielt er außergewöhnlich engagiert; seine Chemie mit Lance Henriksen ist exquisit. Uma Thurman ist als blinde Musikstudentin und Cellistin Helena Robertson schlicht wunderbar. Die Romanze zwischen beiden ist anfangs etwas holprig und eine der Schwächen des Films. Das Shasta-Trinity-Blindeninstitut mit seinen angeblich 150 Insassen ist allzu offensichtlich ein gespenstischer Ort, darin außer dem Hausmeister, dem Leiter Goodridge (Bob Gunton) und Helena nie jemand zu sehen ist. Zum Ende hin lässt Bruce Robinson die sichere Hand, mit der er das Skript verfertigte, als Regisseur leider im Stich. Sowohl kurz vor als auch während des Finales mehren sich Widersprüche, die Fragen an der Handlungslogik aufwerfen. Zum einen wird der Killer zu früh enttarnt, der in den letzten 10 Minuten an mehreren Orten (nahezu) gleichzeitig auftaucht oder zumindest eine extreme Reisegeschwindigkeit an den Tag legt. Das Finale ist in seiner Art vordergründig clever und wirft im Nachhinein zusätzliche Fragen auf, denn die daran Beteiligten haben zuvor nicht die dafür notwendigen Informationen ausgetauscht. Oder doch? Die letzten 15 Minuten wirken, als ob jemand im Schneideraum an den falschen Stellen Lücken gelassen und Überflüssiges eingefügt habe. Bei allem Bemühen, den über weite Strecke intensiven Neo-Noir wertzuschätzen, enttäuscht dessen wirres, abruptes Ende und lässt auch den wohlmeinenden Zuschauer frustriert zurück. Schade!

 

Sehr gute DVD-Edition (2002) von Paramount Pictures mit dem Film ungekürzt im Originalformat, den original englischen Ton und jeweils eine deutsche, französische, italienische oder spanische Synchronisation Tonspur, optional Untertitel auf Deutsch, Englisch, Arabisch, Bulgarisch, Dänisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Niederländisch, Isländisch, Italienisch, Kroatisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Schwedisch, Spanisch und Tschechisch, Englisch auch für Hörgeschädigte, den original Kinotrailer als Extra.

 


Neo Noir | 1992 | USA | Bruce Robinson | Conrad L. Hall | Andy Garcia | Lance Henriksen | Lenny von Dohlen | Uma Thurman

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