Woman’s Secret, A

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Bewertung
***
Originaltitel
A Woman’s Secret
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1949
Darsteller

Maureen O’Hara, Melvyn Douglas, Gloria Grahame, Bill Williams, Victor Jory

Regie
Nicholas Ray
Farbe
s/w
Laufzeit
85 min
Bildformat
Vollbild

 


 

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© Warner Bros.

New York: Die ihrem Publikum unter dem Pseudonym Estrellita bekannte Sängerin Susan Caldwell (Gloria Grahame) singt heute Abend live im Rundfunkhaus. In ihrem opulenten und behaglichen Heim zeichnet Susans Managerin Marian Washburn (Maureen O’Hara) den Auftritt mit. Kurze Zeit später tritt Susan Caldwell durch die Tür und teilt Marian kurzangebunden mit, dass sie zu kündigen beabsichtige. Sie sei ausgebrannt und müde davon, ein Leben als Estrellita zu führen, welches nicht das eigene und ihr von Marian und von Luke Jordan (Melvyn Douglas), dem zweiten ihrer Mentoren, aufgezwungen worden sei. Marian versucht die erregte Susan zu besänftigen, aber es gelingt ihr nicht, und Susan flüchtet weinend treppauf in ihr Zimmer. Marian widersteht dem Impuls ihr sofort nachzueilen und begibt sich kurz in ein Nebenzimmer, indessen die Haushälterin Mollie (Virgina Farmer) auf einer fahrbaren Anrichte Getränke in den Salon bringt. Als Marian Washburn wieder aus dem Zimmer kommt, hält sie kurz Ausschau, als wolle sie feststellen, ob sie bemerkt werde, sodann folgt sie Susan. Sie klopft und ruft den Namen der Gekränkten, doch niemand antwortet ihr. Also tritt sie ein und sieht auch sofort Susan Cadlwell an ihrem Toilettentisch… Während Mollie unten im Salon den Kaffee einschenkt, fällt im oberen Stockwerk unerwartet ein Schuss. Mollie hastet die Treppe empor und wird auf ihr Klopfen von Marian Washburn hereingerufen, die über dem leblos am Boden liegenden Körper Susan Caldwells kniet…

 

Die ersten 30 Minuten dieser Verfilmung des Romans Verpfändetes Leben (EA 1946) von Vicki Baum sind ebenso ungewöhnlich wie rasant in ihrer Inszenierung, die beizeiten dennoch an Michael Curtiz‘ Solange ein Herz schlägt (USA 1945) denken lässt. Aber die Charaktere und ihr Verhältnis zueinander erscheinen rätselhaft und zugleich komplex, so dass der Zuschauer in Anbetracht des Tempos bei der Stange bleibt, möchte er doch gern wissen, wie die Sache sich wohl entwickeln wird. Um das in Anbetracht der mit einer lebensbedrohlichen Schussverletzung im Krankenhaus befindlichen Estrellita aka Susan Caldwell bzw. der in Untersuchungshaft befindlichen und sogar geständigen Marian Washburn bewältigen zu können, bedient sich das Drehbuch des Pianisten und Vertrauten Marian Washburns, zudem Entdecker und Mentor Estrellitas, nämlich Luke Jordans. Jener berichtet dem die Untersuchung leitenden Inspektor Fowler (Jay C. Flippen) die verwickelte Geschichte. Und so drosselt der Film nach jenen ersten 30 Minuten das Tempo und wird in einer Weise detailversessen, die der Story kaum einmal förderlich ist. Zwar gibt es stets grandiose Szenen, etwa Susans erstes Vorsingen in dem seinerzeit einfachen Apartment Marian Washburns. Doch andererseits gibt es abstruse Entwicklungen, etwa eine Reise nach Algier oder die Figur Mrs. Fowlers (Mary Philips), der Kriminalromane lesenden Ehefrau des Inspektors. Sie sind für den Kern der Handlung völlig überflüssig und stehen der Prämisse jenes Anfangs geradezu im Weg. Von den drei beteiligten Darstellern mit lebensgroßen Rollen, die alle exzellent agieren, werden nur O’Hara und Douglas mit Rollencharakteren bedacht, die glaubhaft und vielschichtig scheinen. Gloria Grahames Susan Caldwell etabliert sich als Sängerin mit Talent und als Person aus einfachen Verhältnissen, doch die Nebenhandlung nach dem Strickmuster von Alles über Eva (USA 1950) wird einzig durch Dritte zum Ausdruck gebracht und drückt der Rolle und dem Film keinen Stempel auf.

 

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© Warner Bros.

”Nice people now and then shoot other people, who aren’t nice people. Really, they do.” Wenn es so wäre, hätte der Film wieder auf jene Spur zurückgefunden, dank derer er sich zu Beginn als Gegenstande von Interesse ausweist. Aber das schafft er in seiner zweiten Hälfte längst nicht mehr. Zusehends verwässern andere Elemente die eingangs mit einiger Härte und Kühle präsentierte Ausgangslage, die für zwei der Beteiligten zu einer Frage von Leben und Tod werden könnte. Sowohl der grauenhaft banale Humor in der Beziehung von Mrs. Fowler und Inspektor Fowler als auch die klischeehafte Rivalität der jeweils für ihre Frauen in die Bresche springenden Charaktere Luke Jordan vs. Lee Craneshaw (Bill Williams) ziehen das Niveau mächtig nach unten. Im letzten Drittel wird der Film Noir zusehends vom Kurswechsel zur Kriminalkomödie und zum bieder romantischen Melodram verdrängt. Sein Finale ist von einer fast schon grotesken Harmlosigkeit; das eingangs sorgfältig ausgearbeitete Gewebe der Handlung löst sich quasi von selbst auf. Fade und unentschlossen präsentiert sich A Woman’s Secret somit als weitere Fußnote in der nach Übernahme durch Howard Hughes zunehmend flachen und konturlosen Filmproduktion bei RKO Radio Pictures und damit trotz der hier beteiligten Talente als nicht empfehlenswert.

 

Nicholas Rays A Woman’s Secret ist nternational in einer bild- und tontechnisch erstklassig restaurierten Fassung auf DVD verfügbar. In Frankreich erschien der Film in der via Edition Montparnasse editierten Reihe RKO Collection ungekürzt im Originalformat mit dem englischen Ton und optional französischen Untertiteln und einem Filmessay mit französischem Ton.

 

 

Film Noir | 1949 | USA | Nicholas Ray | George E. Diskant | Bill Williams | Jay C. Flippen | Robert Warwick | Ellen Corby | Gloria Grahame

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