Gangsters

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Bewertung
****
Originaltitel
Gangsters
Kategorie
Neo Noir
Land
FRA/BEL
Erscheinungsjahr
2002
Darsteller

Richard Anconina, Anne Parillaud, François Levantal, Gérald Laroche, Francis Renaud

Regie
Olivier Marchal
Farbe
Farbe
Laufzeit
86 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Paris: Es regnet in Strömen, indessen die Polizeibeamten unter Inspektor Eddy Dahan (François Levantal) in ihren Wagen auf den Moment warten, dass sie zuschlagen können. Neben Rocky (Francis Renaud), Babar (Guy Lecluyse), Pitoune (Pierre Laplace) und Deutch (Jean-JacquesLe Vessier) ist auch der Dahan im Rang gleich gestellte Marc Jansen (Gérald Laroche) mit von der Partie. Die Truppe dringt in die Wohnung des Gangsters Franck Chaievski (Richard Anconina) ein, der sich mit seiner Freundin Nina Delgado (Anne Parillaud) gerade ein nachmittägliches Schäferstündchen gönnt. Als die Beamten die beiden aufs Revier führen, blutet Chaievski aus einer Kopfwunde, die ihm die Polizisten bei seiner Verhaftung beigebracht haben… Der inhaftierte Franck Chaievski pflegte seit einiger Zeit Kontakt zu einem Gangster namens “Petit“ Claude (Jean-Louis Tribes), dem es um eine Kollektion von Diamanten ging, die einem ermorderten Juwelier gestohlen wurde und die seither in Kreisen der Pariser Unterwelt gehandelt wurde. Chaievski genoss das Vertrauen jenes skrupellosen Gangsters Claude, doch eins hat der ihm niemals preisgegeben - die Namen jener beiden Polizisten, mit denen Claude zusammenarbeitete und die es ihm schließlich ermöglichten, an die Diamanten im Wert von 80 Millionen Francs zu gelangen. Als die Rede auf ihre Frauen kam, erwähnte Claude gegenüber dem mit seiner Freundin lebenden Franck allerdings, dass seine liebste Gefährtin der Nacht sich auf ihre rechte Schulter eine Rose tätowiert habe…
 
B-Filme der 40er bis 60er Jahre, insbesondere solche in Schwarzweiß und davon viele zugehörig zum Film Noir, gelten Connaisseuren klassischen Kinos gern als vergessene Perlen der Filmgeschichte und erwerben über die Jahrzehnte etwas wie einen Kultstatus. Sind derlei Filmwerke neueren Datums, werden sie dagegen als billig und wie ein Fernsehfilm wirkend abgetan. Statt einen guten Ruf zu erhalten, enden sie als DVDs, deren Aufmachung meist nicht zum Kauf einlädt, in den Ramschkisten der Unterhaltungaselektronik. Gangsters ist so eine B-Produktion, die auf den ersten Blick diesem Standard entspricht, die jedoch dank ihrer Darsteller, dank eines clever inszenierten Drehbuchs und einer engagierten Regie weit mehr zu bieten hat. Der französische Autor und Regisseur Olivier Marchal war selbst Inspektor der Kriminalpolizei, der parallel seine lebenslange Liebe zum Theater als Schauspieler und ab den 90er Jahren als Autor für Fernsehen pflegte, bevor er 2002 mit Gangsters seinen ersten Spielfilm nach eigenem Drehbuch vorlegte. Estklassig ist schon das Casting mit Richard Anconina und Anne Parillaud in den Hauptrollen, die mit Ende bzw. Anfang Vierzig einerseits noch munter, andererseits ordentlich gegerbt aussehen. Im Nu stellen sie Glaubwürdigkeit her - zwei vom Leben nicht gerade verwöhnte Figuren im Staatsdienst, jeweils mit einer urgeigenen Arbeitsethik und auch grundsätzlich eigenwillig. Und dann gibt es die Riege jener Polizisten, darin sich die korrupten Zwei verstecken. Solche wirkt mit François Levantal, Gérald Laroche, Pierre Laplace und Jean-JacquesLe Vessier so dermaßen abgehalftert, dass in der Physiognomie die Grenzlinie zwischen hartgesottenen Gangstern und Polizeibeamten bereits aufgehoben ist. Der Film trägt seinen Titel ganz und gar zu Recht. Er spielt auch damit und er punktet schon mit dem Ensemble allein.
 
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© Studiocanal GmbH
 
Genau zeitgleich kamen die Neo Noirs Narc (USA 2002) und Infernal Affairs - die achte Hölle (HK 2002) heraus, die thematisch in unmittelbarer Nachbarschaft zu dieser französisch-belgischen Produktion angesiedelt sind. Desillusioniert und abgehärtet, schon lange einsam und doch nicht hoffnungslos, so zeichnet auch Marchal seine zentralen Charaktere, die in einer schier unerträglichen Lage auf sich allein gestellt bleiben, aber in keinem Fall je mit Anerkennung oder gar einer besseren Zukunftsperspektive rechnen können. Auch “Franck Chaievski“ übertritt wider Willen das Gesetz, wird Zeuge und Mittäter eines Raubüberfalls, bei dem Menschen ums Leben kommen und kann nichts dagegen tun. Die beiden Ermittler erleiden körperliche und seelische Qualen, werden in der Untersuchungshaft stets tiefer in den Strudel der Gewalt hineingezogen und können sich nicht offenbaren. Gangsters ist ein beizeiten enorm düsterer und oft harter Neo Noir, exzellent gespielt, anhand von Rückblenden auch formal klug erzählt und obendrein noch im Abschluss konsequent. Olivier Marchals nächster Film war 36 - Tödliche Rivalen (FRA 2004), der in Frankreich zu einem Überraschungserfolg wurde. Doch aufgrund einer lausigen Darstellung durch einen seit Jahrzehnten überschätzten Gérard Depardieu und aufgrund seiner niemals endenden Musikuntermalung versumpfte der Film im Mainstream jener Copthriller, wie man sie aus Hollywood kennt. Gangsters ist eine pointierte und fies zugespitzte B-Produktion und genau deshalb um Klassen besser.
 
Gute DVD der Studiocanal GmbH (2003) mit dem Film ungekürzt im Originalformat, wahlweise die deutsche oder die französische Tonspur, optional deutsche Untertitel, den Kinotrailer, ein Making Of und eine B-Roll als Extras. Empfehlenswert!
 

Neo Noir | 2002 | France | Olivier Marchal | Gérald Laroche | Richard Anconina

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