Infernal Affairs – die achte Hölle

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Bewertung
*****
Originaltitel
Mou gaan dou
Kategorie
Neo Noir
Land
HK
Erscheinungsjahr
2002
Darsteller

Andy Lau, Tony Leung Chiu Wai, Anthony Chau-Sang Wong, Eric Tsang, Kelly Chen

Regie
Wai-keun Lau, Alan Mak
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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Hongkong: Der mit der Polizeigewalt gut vernetzte Triadenboss Hon Sam (Eric Tsang) schwört in einem buddhistischen Tempel die Offizierskadetten der Polizeiakademie auf seinen Kurs ein. Hon Sam braucht einen neuen V-Mann in der Spitze der Kriminalpolizei, denn der Superintendent of Police (SP) Wong Chi Shing (Anthony Chau-Sang Wong) macht ihm gehörig zu schaffen. Unter den Kadetten des Jahrgangs sind auch Chan Wing Yan (Shawn Yue) und Lau Kin Ming (Edison Chen), die in den Jahren ihrer Ausbildung bald zu den Besten gehören, bis Yan unehrenhaft aus der Akademie entlassen wird. Tatsächlich aber wird er Wongs wichtigster V-Mann in Hongkongs Unterwelt und über die nächsten 10 Jahre zu einem stadtbekannten Gangster der Drogenkartelle. Nach drei Jahren im engsten Kreis der Mitarbeiter von Hon Sam hat sich Chan Wing Yan (Tony Leung Chiu Wai) dessen Vertrauen errungen. Niemand außer SP Wong Chi Shing kennt noch Yans wahre Identität als Undercover-Agent. Doch bei einem ihrer geheimen Treffen offenbart ihm Yan, dass er nach Verhaftung von Hon Sam sein Leben und seine Identität zurück haben will. Indessen hat Lau Kin Ming (Andy Lau) bei der Polizei Hongkongs eine steile Karriere gemacht und ist selbst Inspektor. Bei der Arbeit ist ihm jedes Mittel recht und seine Erfolge beeindrucken die Kollegen stets aufs Neue. Beim sorgfältig geplanten Zugriff auf Hon Sam im Zuge einer Drogenübergabe durch Lieferanten aus Thailand, ist Lau Kin Ming dem Stab von SP Wong Chi Shing zugeteilt. Doch nicht nur Wong hat einen Kontaktmann in den Reihen der Triade, sondern auch Hon Sam einen bei den Spitzenleuten der Drogenpolizei…
 
”Film noirs in which police go undercover as criminals often blur the line between cops and crooks“, schreibt Douglas Keesey in seinem Buch Neo-Noir (2010). ”The neo-noir Infernal Affairs (2002) pushes this tendency to an extreme.Die jeweils verlorene Identität der Protagonisten, Chan Wing Yan als Spitzel in den Triaden Hongkongs und Lau Kin Mings doppeltes Spiel als hoher Polizeioffizier, führt zu inneren Spannungen, die diese Charaktere überhaupt erst zum Leben erwecken. Infernal Affairs - die achte Hölle ist kein Actionthriller, obgleich es einige temporeiche Szenen gibt, er ist vielmehr eine Charakterstudie zweier Gegenspieler, die erst im Erkennen und Enttarnen des Anderen die Chance erhalten, ihr eigenes Leben zurückzugewinnen. Solche Ausgangslage, darin die Geschichte wurzelt, ist nicht bloß clever, sie ist auch Film-Noir-Kino, insofern Chan Wing Yan und Lau Kin Ming sich selbst verloren haben und – gnadenlos angetrieben von den Interessen Dritter, namentlich Gangster Hon Sam und SP Wong Chi Shing – an eine Grenze gelangen, die das eigene Weiterleben in dieser Form in Frage stellt. Das wird in der Entwicklung der Geschichte durch zwei ihrerseits gut angelegte Frauenfiguren, Lau Kin Mings Ehefrau Mary (Sammi Cheng), Schriftstellerin, und durch Chan Wing Yans Psychotherapeutin Dr. Lee Sum Yee (Kelly Chen) gespiegelt. Hier gibt es eine vermeintliche Normalität im Leben des Polizeioffiziers Lau Kin Ming, darin ihm die Arbeit seiner Frau schmerzlich sein Doppelspiel vor Augen führt – der Betrüger betrügt in erster Linie sich selbst um sein Glück. Zu einer ähnlichen Einsicht gelangt Chan Wing Yan, der sich in seine Therapeutin verliebt und sich ihr zu erkennen gibt, aber nicht ernst genommen wird, obwohl sie insgeheim seine Liebe erwidert. So gerät beider Leben aus den Fugen, indessen sie, ohne es zu ahnen, einander suchen.
 
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© Ascot Elite Home Entertainment
 
Der psychische Druck, unter dem die Charaktere stehen, die sich in einer frühen Sequenz des Films begegnen und nicht erkennen (können), bringt überhaupt die dramatische Konsequenz der Handlung erst in ihren Fluss. Damit zelebrieren Wai-keun Lau und Alan Mak ein klassisches Erzählkino, das sie andererseits in eine hoch innovative, zeitgemäße Form bringen, die zu keinem Zeitpunkt in hektische Schnittfolgen ausartet oder sonst dem Zeitgeist auf den Leim geht – stattdessen gibt es fein montierte Rückblenden, teils in Schwarzweiß. Kurzum, der Film zeigt Klasse und hebt sich souverän vom Standard der Hongkong-Action ab, der längst so vorhersehbar ist wie hierzulande jede Krimiserie fürs Fernsehen. Die Kamera bringt uns die Großstadt bei Tag und bei Nacht, sie tränkt den Film mit Atmosphäre, doch die Erzählung bleibt bei den Menschen. Angenehm ist auch der Eindruck, dass Infernal Affairs – die achte Hölle ohne aufwändige Effekte daher kommt. Großartiges Schauspiel, vor allem von Andy Lau und Tony Leung Chiu Wai, glaubwürdiges Skript und eine stringente Regie ergeben volle Punktzahl. “Infernal Affairs is a great little film, and one that any neo-noir fan owes it to themselves to catch”, schrieb Darren für The Movie Blog. Fünf Jahre später brachte Martin Scorsese sein allemal respektables Remake unter dem Titel Departed – Unter Feinden (USA/HK 2006).
 
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Neo Noir | 2002 | International | Alan Mak | Wai-keun Lau | Andy Lau | Anthony Wong | Eric Tsang | Ka Tung Lam | Tony Leung Chiu Wai

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