Mädchen aus der Unterwelt

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Bewertung
****
Originaltitel
Party Girl
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1958
Darsteller

Robert Taylor, Cyd Charisse, Lee J. Cobb, John Ireland, Kent Smith

Regie
Nicholas Ray
Farbe
Farbe
Laufzeit
95 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Chicago, Illinois, in den frühen 30er Jahren: Im Nachtclub Golden Rooster treten eine Reihe von Varieté-Girls in einer Tanznummer auf, unter ihnen Vicki Gaye (Cyd Charisse) und Joy Hampton (Myrna Hansen). Im Publikum sitzt Louis Canetto (John Ireland), der im Auftrag des Mobsters Rico Angelo (Lee J. Cobb) einige der Frauen zu dessen Party am heutigen Abend einladen lässt. Für jede, die zusagt, gibt es eine Gage von 100,- US-Dollar. Vicki entschließt sich hinzugehen, sie lockt das Geld. Doch ihre Mitbewohnerin Joy erwartet einen Anruf ihres verheirateten Liebhabers, der allerdings seit 3 Wochen nichts mehr von sich hören ließ. Vicki Gaye hat dafür nur Geringschätzung übrig. Ihre einzige Romanze, die sie je verletzte, erlebte sie im Alter von 15 Jahren... Auf Rico Angelos Party erhält jede der Damen eine Börse mit der Gage, woraufhin man sich unter die illustre Gesellschaft mischt. Louis versucht sein Glück am Spieltisch und wählt sich Vicki als hübsch gebautes Maskottchen, die sich von dem Kerl allerdings belästigt fühlt. Rico Angelo ist völlig betrunken und feuert mehrere Schüsse auf eine gerahmte Fotografie der Schauspielerin Jean Harlow, die er verehrt und deren Heirat er ihr nicht verzeiht. Vicki Gaye bittet Thomas Farrell (Robert Taylor), Rico Angelos berüchtigten Anwalt, sie nach Haus zu geleiten, und nach einigem Zögern willigt der gehbehinderte Mann ein. Louis Canetto, den Farrell in einem Mordprozess verteidigt, sieht das ungern, zumal Gaye stets seine 400 US-Dollar vom Roulettetisch bei sich trägt, doch kann er nichts dagegen tun. Vor ihrem Apartmentblock bittet Vicki den galanten Farrell auf einen Drink nach oben…

“When you sell your pride, it’s tough to put a price on it.“ Von den Filmwerken aus Hollywood, die sich zur Jahrzehntwende in die 60er mit den USA der Prohibitionszeit und mit dem Wildwuchs des Gangstertums in den frühen 30ern befassten, war Mädchen aus der Unterwelt einer der ersten. Im Gegensatz zu Al Capone (USA 1959), Pretty Boy Floyd (USA 1960) oder Unterwelt (USA 1960) dient ihm die historische Dimension nur als Quell der Inspiration und als atmosphärische Tapete. An einer akkuraten Neuinterpretation der Epoche ist weder dem Autor George Wells noch dem Regisseur Nicholas Ray viel gelegen. Mit Blick auf ihre Charaktere ist die Geschichte zwar zeitlos, doch letzteres muss sich der Cineast erschließen. Wie so häufig in den Spätfünfzigern liegt der harte Kern unter typischen Bausteinen einer klischeebehafteten Filmhandlung verborgen. Nur sind die Sympathieträger, die dem Publikum in Mädchen aus der Unterwelt zwecks Identifikation angeboten werden, äußerst zwiespältige Figuren. Zum ersten ist Thomas Farrell ein korrupter Rechtsanwalt, der eine Jury mit üblen Tricks hinters Licht führt, um für einen Mörder, dessen Schuld ihm bekannt und bewusst ist, einen Freispruch zu erwirken. Farrell ist völlig skrupellos und davon überzeugt, dass ihn als “Krüppel“ nur seine Überlegenheit dank Taktik und Wissensvorsprung befähigt, in einer ganz dem Sozialdarwinismus verpflichteten Gesellschaft zu überleben. Allein seine Sinnesschärfe und Intelligenz ermöglichen es ihm, im Windschatten des mächtigen Rico Angelos selbst die Rolle des Manipulators und damit die eines Gewinners einzunehmen. Eine solche Position, dessen ist er sicher, wäre ihm als einem ehrlichen Menschen zeitlebens verwehrt worden.

 

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© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

”I’ll try not to be late... And remember: It’s only a man.” Vicki Gaye sucht sich selbst jene Freier, die ihren Lebensunterhalt als Revuetänzerin aufbessern. Bloß für einen Gutenachtkuss nimmt sie Thomas Farrell kaum mit in ihre Wohnung, wie sie das auf der Party Rico Angelos zu Beginn des Films bewusst und hartnäckig einfädelt. Gemäß der Prüderie in den USA der Fünfziger überlässt Ray alles Weitere der Interpretation seiner Zuschauer, doch der sich ergebende Streit über die Würdelosigkeit des jeweils Anderen ist ein bemerkenswert erwachsener Diskurs für einen Hollywoodfilm jener Zeit. Beiden Protagonisten ist ihre Unabhängigkeit und die volle Kontrolle um den Preis einer nur bedingt erlebbaren Emotionalität das Wichtigste. Die Abhängigkeit von Anderen ist gleichbedeutend mit dem eigenen Untergang, wie Joy Hampton es exemplarisch vorführt. Vor diesem Hintergrund ist noch das Finale, oberflächlich banal und vorhersehbar, biestig konsequent, denn der Anwalt Farrell dreht den Spieß um und bleibt sich dennoch treu. In Nicholas Rays Film gilt Auge um Auge, Zahn um Zahn. Sein Chicago ist von Bestien bevölkert, die einen nur etwas hübscher als die anderen. Die Choreographie der beiden Tanznummern von Cyd Charisse im Nachtclub Golden Rooster ist grandios. Als Film Noir in Farbe und in Widescreen steht Mädchen aus der Unterwelt – nach 22 Jahren Robert Taylors letzter Film für das Studio Metro-Goldwyn-Mayer - Gerd Oswalds Kuss vor dem Tode (USA 1955) und Allan Dwans Straße des Verbrechens (USA 1956) in nichts nach. Sicher kein Meisterstück, doch allemal sehenswert!

 

Erstklassige französische DVD (2006) von Warner Home Entertainment unterm Titel Traquenard mit dem Film topp restauriert, ungekürzt und im Originalformat, Tonspuren auf wahlweise Englisch oder Französisch, optional französische Untertitel, das Ganze ohne Extras. Die US-DVD-R (2009) der Warner Archive Collection bietet die gleiche Qualität (mit lediglich englischem Ton) ohne Untertitel und dafür plus Kinotrailer.

 


Film Noir | 1958 | USA | Nicholas Ray | Jack Lambert | John Ireland | Kent Smith | Lee J. Cobb | Robert Taylor

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