Drop, The – Bargeld

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Bewertung
****
Originaltitel
The Drop
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2014
Darsteller

Tom Hardy, Noomi Rapace, James Gandolfini, Matthias Schoenaerts, John Ortiz

Regie
Michaël R. Roskam
Farbe
Farbe
Laufzeit
106 min
Bildformat
Widescreen
 

 

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© Twentieth Century Fox Film Corporation
 
Der Stadtteil Booklyn in New York: Bob Saginowski (Tom Hardy) ist der Barkeeper in einer unauffälligen Kneipe namens Cousin Marv’s Bar, die tatsächlich seinem Kousin Marv (James Gandolfini) gehörte, bis ihn vor acht Jahren die tschetschenische Mafia eines Besseren belehrte. Seitdem arbeiten die beiden in ihrer unauffälligen Bude für Chovka (Michael Aronov) und dessen im Hintergrund agierende Familie. Cousin Marv’s Bar ist eine von mehreren Sammelstellen für illegal in der Stadt erwirtschaftetes Bargeld, das im Laufe des Abends in Umschlägen abgegeben und nach Geschäftsschluss dort deponiert bleibt, bevor es abgeholt wird…. Heute Abend gibt Bob den Freunden des vor 10 Jahren verschwundenen Richie Whelan einen aus und stößt mit ihnen im Gedenken an ihren vermutlich toten Freund an. Marv gefällt das nicht, er wünscht sie alle zum Teufel und meckert außerdem, weil Bob die verwahrloste Millie (Patricia Squire) auf Pump in der Bar trinken lässt, aber die erfahrene Tresenkraft Bob lässt sich von dem inzwischen zahnlosen Patron nicht beeindrucken. Spät nachts schließt Bob die Bar ab und geht durch den fallenden Schnee, man schreibt die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr, allein nach Hause. Am nächsten Morgen nimmt er wie jeden Tag in seiner Kirche an der Frühmesse teil, zu der sich stets auch Police Detective Torres (John Ortiz) einfindet. Bob streut vor der Bar Salz, räumt die Weihnachtsdekoration in ihre Kartons, steht hinterm Tresen und ist auf dem Heimweg, als er ein ungewöhnliches Geräusch vernimmt…
 
Der Neo Noir The Drop – Bargeld des belgischen Regisseurs Michaël R. Roskams und des Drehbuchautors Dennis Lehane (Gone Baby Gone - Kein Kinderspiel, USA 2007) gibt sich in seinen Dialogen “sophisticated“, zeigt eine ausgeklügelte Dramaturgie mit feinen Portraits der Charaktere und serviert eine tragfähige, spannende Geschichte. Zugleich ist die mit Elementen des klassischen Film-Noir-Kinos gespickte Handlung – Erzähler aus dem Off, urbane Settings im Neonlicht und in Schatten der Nacht, etc. – eine solche, die zu Missverständnissen einlädt. Denn The Drop – Bargeld ist ein Film mit einem Subtext, der mich im Unklaren darüber lässt, wie er verstanden werden will. Allein das ist eine Qualität, die ich dem Film anrechne. Doch vom Ende her betrachtet, gibt es Aspekte, die man entweder zugunsten eines rigide banalen Konservatismus’ oder als beängstigend einordnen kann. Der Film behandelt ein Thema, das seit den Sechzigern für kontroverse Debatten sorgt, dasjenige der Selbstjustiz. Erst in der Schlusssequenz wird dem Zuschauer deutlich, wer im Film wirklich der berechnende “Psycho“ und keinesfalls ein „Held“ ist. Um seine persönlichen Ziele zu erreichen, schreckt dieser Mann auch vor Mord nicht zurück, nachdem er den Widersacher (seiner Pläne) nach eigenem Wertekanon als Psychopathen und als „Abschaum“ eingestuft hat. Ein solcher verdient für ihn, der selbst ein Lügner und Heuchler ist, exekutiert zu werden, was sich sogar gegenüber seinen Arbeitgebern, der tschetschenischen Mafia, als gute Tat verkaufen lässt. Der perfide Tathergang beschert dem „Helden“ ein gutes Ende. Aber was für ein Ende beschert er dem Zuschauer? Denkt jener, dass er Zeuge eines “Happy Ends“ wurde und sich nun satt und zufrieden ins Bettchen kuscheln kann? Oder versteht er, wie und wieso diese Schlusssequenz im Grunde ein Alptraum ist, die vollständige Bankrotterklärung einer lange gewachsenen Ethik?
 
“I’m not the guy who wasted his entire life waiting for it to start.“ Der klassische Film Noir hatte die in Hollywood bis dahin offiziell geltende, naive Deckungsgleichheit der Begriffspaare „Recht und Unrecht“ sowie „Gut und Böse“ aufgehoben. Sein Zuschauer sah sich in Zonen außerhalb ihrer Schnittmenge katapultiert und haderte mit Sympathien für den- oder diejenigen, die „im Unrecht“ waren, nach seinem Verständnis jedoch „richtig“ handelten, was auch immer dafür die Kriterien gewesen sein mochten. The Drop - Bargeld treibt solche Zumutung auf die Spitze. Besonders deutlich wird das durch den Missbrauch des Christentums, Bobs innere Bindung an eine übermenschliche Instanz, die einst das Register seiner Taten beurteilen wird – eine plan mittelalterliche Zwiesprache. Sie kulminiert im letzten Auftritt der Staatsgewalt, die nur scheinbar eine untergeordnete Rolle spielt, denn jetzt wird klar, dass Police Detective Torres genau weiß, wer was getan hat, ihm jedoch die Beweise fehlen. The Drop - Bargeld ist ein fieser Neo Noir, ohne dass er sich in übertriebenen Gewaltdarstellungen suhlt. Aber wie viele Zuschauer verstehen diesen Subtext und seine extrem problematische Zuspitzung? Wie viele blenden ihn schlicht aus und einigen sich auf ein „Selbst ist der Mann!“, weil Bob Sagonowski schließlich ach so sympathisch und gutmütig scheint? Nein, das kann man Michaël R. Roskam und Dennis Lehane nicht zum Vorwurf machen, die uns eine Welt zeigen, darin jeder ein “Psycho“ und die in ihrer Dynamik völlig hoffnungslos ist. Wer sich hier mit Sympathieträgern konfrontiert wähnt, wird wie im Film Nadia (Noomi Rapace) selbst der Dummheit überführt, ob er oder sie das merkt oder nicht. In der Tat ein nachtschwarzer Film!
 
Erstklassige BD- und DVD-Ausgaben (2015) der Twentieth Century Fox Home Entertainment Germany GmbH mit dem Film ungekürzt im Originalformat, Tonspuren auf Deutsch und Englisch, Untertitel auf Deutsch, Englisch und Türkisch, den Kinotrailer als Extra.
 

Neo Noir | 2014 | USA | Michaël R. Roskam | Dennis Lehane | James Gandolfini | John Ortiz | Elizabeth Rodriguez | Noomi Rapace

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