Verlorene Frauen / Frauengefängnis

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Bewertung
*****
Originaltitel
Caged!
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1950
Darsteller

Eleanor Parker, Agnes Moorehaed, Ellen Corby, Hope Emerson, Betty Garde

Regie
John Cromwell
Farbe
s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Vollbild
 

 

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© Warner Bros.
 
Die 19jährige Marie Allen (Eleanor Parker), verurteilt wegen Beihilfe zu einem Raubüberfall, wird mit anderen Frauen ins Women’s State Prison gebracht, unter ihnen die Wiederholungstäterinnen Katie Cassidy (Marjorie Crossland) und Emma Barber (Ellen Corby). Maries arbeitsloser Ehemann Tom hatte versucht, bei einem Raubüberfall auf eine Tankstelle 40 US-Dollar zu erbeuten, war dabei erwischt und, als Marie ihm zu Hilfe kommen wollte, vor ihren Augen erschossen worden. Schon bei der ärztlichen Untersuchung, bei der es wie auch sonst im Gefängnis nicht zimperlich zugeht, stellt die hauptverantwortliche Krankenschwester (Eileen Stevens) fest, dass Marie Allen schwanger ist. Solange das Ergebnis des Bluttests aussteht, kommt die frisch Inhaftierte in den Isolationstrakt, wo sie zwei Wochen allein mit einer krankheitsbedingt Sterbenden bleiben muss und laut der dortigen Aufseherin (Jane Darwell) keine Post schreiben und keinen Besuch empfangen darf. Aber der Test bestätigt, dass Marie im dritten Monat schwanger ist und so wird sie von Ann (Lynn Sherman) zur Direktorin Ruth Benton (Agnes Moorehead) gebracht. Diese ist eine Frau mit Idealen und erkennt in der scheuen Marie sofort das Potential, bei guter Führung bald auf Bewährung entlassen zu werden. Im Anschluss aber macht Marie die Bekanntschaft von Evelyn Harper (Hope Emerson), der uneingeschränkten Herrscherin über die gefangenen Frauen. Solche hat ihre eigenen Pläne mit der zartbesaiteten Neuen, ob nun schwanger oder nicht…
 
"Just like the big cage in the zoo - only you clean it up instead of the keeper.“ John Cromwells Verlorene Frauen / Frauengefängnis ist ein derart zupackendes und meisterhaft ausgeführtes Drama, dass es schwerfällt sich vorzustellen, wie es zwei Jahre nach Verurteilung der Hollywood Ten und im Zug der nahenden, erzreaktionären McCarthy-Ära in den USA überhaupt entstehen konnte. Dergestalt erinnert der Film an Jules Dassins Zelle R 17 (USA 1947), darin es der Sträfling Joe Collins (Burt Lancaster) und einige Mithäftlinge sind, die unter dem sadistischen Aufseher Munsey (Hume Cronyn) zu leiden haben, der sie bis aufs Blut reizt und herausfordert. Und so wurden sowohl Jules Dassin als auch John Cromwell vom Komitee für unamerikanische Aktivitäten (HUAC) auf die Schwarze Liste gesetzt - blacklisted, wie es heißt - und mit Berufsverbot belegt. Dassin wurde durch die Regisseure Edward Dmytryk und Elia Kazan angezeigt, die sich dadurch in Hollywood selbst stigmatisierten und über Jahrzehnte von vielen gemieden wurden. John Cromwell führte im Anschluss Regie für den von RKO Radio Pictures produzierten Gangster / Das Syndikat (USA 1951) und wurde, wie mehrere Regisseure vor ihm, nach heftigen Differenzen mit Milliardär und Studioeigner Howard Hughes gefeuert. Schließlich denunzierte ihn Hughes als Kommunisten, was glatt gelogen war, doch im paranoiden politischen Klima der Zeit dennoch zu einem Aus für Cromwells Karriere führte, der erst sieben Jahre später noch zwei abschließende Filme drehte. Bis dahin hatte der despotische und ultrakonservative Howard Hughes das einst renommierte Studio RKO Radio Pictures mit einer Flut mittelmäßiger bis schlechter B-Filme bereits ruiniert.
 
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© Warner Bros.
 
“You see, kid, in this cage, you get tough or you get killed.” Neben vielen anderen grandiosen Sätzen, aufgrund derer Virginia Kellogs Drehbuch für den Oscar vorgeschlagen wurde, klingt dieser wie eine bissig böse Prophezeiung jener Ironie des Schicksals, die Caged (= Originaltitel) 1950 drei Oscar-Nominierungen einbrachte, doch im Folgejahr auch das Karriere-Aus und Berufsverbot für John Cromwell. Zudem verlor der Film in zwei Kategorien - beste Haupt- und beste Nebendarstellerin, für die jeweils Eleanor Parker und Hope Emerson nominiert waren - gegen pfiffige, doch gänzlich harmlose Komödien, nämlich Die ist nicht von Gestern (USA 1950) und Mein Freund Harvey (USA 1950). Den Oscar für das beste Original-Drehbuch erhielt Boulevard der Dämmerung (USA 1950), eine respektable und im Kontext halbwegs couragierte Entscheidung. Verlorene Frauen / Frauengefängnis ist dezidiert politisch und wirft ein Schlaglicht auf die durch Korruption, Anpassung, Ignoranz und Selbstsucht definierte Kaste der Staatsbeamten - von den niederen Rängen bis zu deren Spitzen. Die Glaubwürdigkeit und die Härte, mit der die systematische psychische Zerstörung eines Menschen vorgeführt wird, rückt diesen Film in die Nähe von Sozialdramen wie Luis Buñuels Die Vergessenen (MEX 1950) oder Nicholas Rays Im Schatten der Nacht (USA 1948), also jener Art Film Noir, wie er in den USA der McCarthy-Ära zugunsten leichter und patriotisch eingefärbter Unterhaltung gezielt und systematisch aus den Kinos verschwand. Verlorene Frauen / Frauengefängnis ist John Cromwells Meisterwerk. Es sollte auch hierzulande endlich wiederentdeckt und als BD oder DVD zugänglich gemacht werden. Unbedingt ansehen!
 
In den USA und in Spanien gab es via Warner Home Video jeweils bild- und tontechnisch erstklassig restaurierte DVD-Editionen (2007) des Films, ungekürzt im Originalformat mit dem englischen Ton und französischen bzw. spanischen und auch englischen Untertiteln, den Kinotrailer als Extra.
 

Film Noir | 1950 | USA | John Cromwell | Carl E. Guthrie | Taylor Holmes | Agnes Moorehead | Eleanor Parker | Ellen Corby | Jan Sterling | Lee Patrick

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