Never Trust a Gambler

NOIR CITY 21 - Oakland 2024



Psychologische Verteidigung


Concorde Home Entertainment


Eddie Muller


Wenn es Nach wird in Paris


Film Noir Collection Koch Media GmbH


banner_der_film_noir_3.jpg


Bewertung
***
Originaltitel
Never Trust a Gambler
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Dane Clarke, Cathy O’Donnell, Tom Drake, Jeff Corey, Myrna Dell

Regie
Ralph Murphy
Farbe
s/w
Laufzeit
79 min
Bildformat
Vollbild

 


 

© Columbia Pictures Corporation

San Francisco, Kalifornien: In hohem Tempo rasen am späten Abend zwei Streifenpolizisten (Charles Cane, Robert Anderson) quer durch die Stadt. Sie sind auf dem Weg in die 101 Walton Street, um dort Stephen Garry (Dane Clark) in Gewahrsam zu nehmen, der heute dem Gerichtsprozess wider den des Mordes an seiner Ehefrau angeklagten Gould trotz einer Vorladung als Zeuge der Anklage fernblieb. Aber Garry selbst hat in seiner Wohnung die Abendzeitung bereits vorliegen, die ihn auf der Frontseite als fehlenden Kronzeugen brandmarkt, und er packt seine Reisetasche. Als die Beamten an der Haustür klingeln, beeilt er sich, um über die Feuerleiter auf die Straße zu gelangen. Die Polizisten dringen mit dem Schlüssel der Hausmeisterin (Jessie Arnold) in Steve Garrys Wohnung ein. Dort müssen sie erkennen, dass der Gesuchte bereits auf und davon ist. Als sie später dem Undersheriff (Roy Engel) von ihrem fehlgeschlagenen Versuch berichten, gibt jener Anweisung, die Nachricht vom Verschwinden des Zeugen an alle Polizeidienststellen in Kalifornien weiterzuleiten. Im Morddezernat der Polizei von Los Angeles liest Captain Mills (Bradford Hatton) die Beschreibung Steve Garrys auch Sergeant Ed Donovan (Tom Drake) und seinem Assistenten Lou Brecker (Jeff Corey) vor und überträgt ihnen den Fall. Indessen befindet sich die in ihrer Nachbarschaft beliebte Lehrerin Virginia Merrill (Cathy O’Donnell) auf dem Heimweg. Früher lebte sie in San Francisco und war mit dem notorisch spielsüchtigen Steve Garry verheiratet…

 

“You never saw McCloy after that one night?“ – “Not me. I’d rather go out with an octopus. And if you find the guy that killed him, I’d like to give him a ten buck reward and shake his hand.” Das Drehbuch liefert so einige der für einen guten Film Noir typischen Stilelemente, angefangen bei Rollencharakteren am gesellschaftlichen Rand bis zu deren biestig desillusionierten Sichtweisen auf eine Welt in Händen der Rechtschaffenden. Letztere können sich als einer wie Police Sergeant Quentin McCloy (Rhys Williams) entpuppen, seines Zeichens ein impulsiver Alkoholiker, der sich an junge Frauen heranmacht und im Fall des Widerstands gegenüber seiner aufdringlichen Art handgreiflich wird. Als er versucht, die Lehrerin Virginia Merrill in ihrer eigenen Wohnung mit Gewalt zu Liebesdiensten zu zwingen, gerät er an ihren ex-Mann Stephen Garry. Der schlägt dummerweise etwas hart zu, und McCloy stirbt. Nun haben die beiden ex-Eheleute wirklich ein Problem am Hals. Und der ohnehin nervöse Justizflüchtling trifft prompt die falschen Entscheidungen. Das sind beste Voraussetzungen für einen guten Film Noir, so abseitig und übertrieben die Prämisse auch klingen mag, was sie im Übrigen mit denen anderer Klassiker ihrer Zeit gemeinsam hat. Doch weder liefern die Drehbuchautoren Jerome Odlum und Jesse Lasky Jr. mit Stephen Garry einen Rollencharakter, der vielschichtig oder auch nur sympathisch scheint, noch tritt Virginia Merrill in die dadurch entstandene Leerstelle. Stattdessen serviert man mit Police Sergeant Ed Donovan einen Gutmenschen von Polizisten, der unterm Strich ein kreuzbraver Spießbürger bleibt. Kurzum, es findet überhaupt nichts statt, was einen Film Noir wirklich auszeichnete. Nach und nach versandet die skizzierte Prämisse in einem Polizeidrama nach Schema F, so wie es im Verlauf des Jahrzehnts auch für dessen Fernsehserien typisch werden sollte. Und vielleicht dämmert es hier dem ein oder anderen Cineasten: „Na klar, wir sind ja mitten in der McCarthy-Ära." Also erwehrt sich die Gesellschaft der Rechtschaffenden des Schädlings in ihrer Mitte und rückt die ins Wanken geratenen Verhältnisse unbescholtener Bürger wieder gerade.

 

© Columbia Pictures Corporation

All das ist nicht den Darstellerinnen und Darstellern anzulasten, die im Einzelnen und als Ensemble im Grunde den hohen Standard des Film Noirs bei der Columbia Pictures Corporation wiederspiegeln. Es sind neben dem faden und konservativen Tenor des Drehbuchs vor allem eine Regie ohne jegliche Handschrift und eine Dramaturgie ohne Akzente, die Never Trust A Gambler zum zweitklassigen Popcornkino seiner Zeit, zu einer historischen Fußnote degradieren. Dane Clark, prinzipiell genau der richtige Schauspieler für eine solche Rolle, sollte in den folgenden Jahren seine Karriere vor allem im britischen Film Noir fortsetzen. Aber auch Cathy O’Donnell war im Hollywood der 50er kein Glück beschieden; vielmehr verschwand sie schon ab Mitte des Jahrzehnts zusehends von der Kinoleinwand. Regisseur Ralph Murphy drehte noch mehrere B-Filme in unterschiedlichen Genres, welche dann schnell in Vergessenheit gerieten, bevor er ab der Mitte des Jahrzehnts konsequenterweise zum Fernsehen wechselte. Never Trust A Gambler ist nur für Komplettisten des Film Noirs von Interesse und hat von einem stets im Verborgenen wartenden Ausnahmewerk des Filmstils rein gar nichts.

 

Obwohl dem Film Noir während der letzten Jahre viele Wiederveröffentlichungen zuteil wurden, gibt es bis heute (2023) weltweit keine BD- oder DVD-Edition des Films, der im deutschsprachigen Raum seinerzeit nicht im Kino lief, bild- und tontechnisch in einer erstaunlich guten Fassung und mit Originalton aber in diversen Online-Portalen auffindbar ist.

 


 

Film Noir | 1951 | USA | Ralph Murphy | Aldo Ray | Charles Cane | Dane Clark | Jeff Corey | Percy Helton | Rhys Williams | Will Wright | Cathy O'Donnell | Jean Willes

Neuen Kommentar schreiben

CAPTCHA
Diese Sicherheitsfrage überprüft, ob Sie ein menschlicher Besucher sind und verhindert automatisches Spamming.