Insurance Investigator

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Film Noir Collection Koch Media GmbH


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Bewertung
***
Originaltitel
Insurance Investigator
Kategorie
Film Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1951
Darsteller

Richard Denning, Audrey Long, John Eldredge, Hillary Brooke, Reed Hadley

Regie
George Blair
Farbe
s/w
Laufzeit
60 min
Bildformat
Vollbild

 


 

 

San Marlo, Kalifornien: Der Glockenschlag einer Turmuhr verkündet, dass es 22.00 Uhr am Abend sei, aber George Sullivan (Roy Gordon), Seniorpartner der Sullivan Hammond Realty Corporation, ist stets im Büro. Er blickt selbst auf seine Armbanduhr, genehmigt sich einen knapp bemessenen Whisky und ergreift seinen Hut, bevor er das Licht löscht und auf den Korridor tritt. Zu seinem Erstaunen reagiert der Aufzug, dessen Kabine laut Anzeige im Untergeschoss ruht, nicht auf sein Signal, und so tritt er ins links gelegene Treeppenhaus. In dem Moment wird er mit dem Knauf eines Revolvers hinterrücks niedergeschlagen, fällt die Stufen hinab und bleibt auf dem Absatz liegen. Sullivan ist tot, wie sein Angreifer feststellt. Der geht in dessen Büro, drapiert die Karaffe mit dem Whisky geöffnet auf dem Schreibtisch und verschüttet etwas davon. Dann läuft er hinab in das Kellergeschoss und nimmt den Holzklotz aus der damit blockierten, automatischen Aufzugstür… In George Sullivans herrschaftlichem Anwesen erläutert Juniorpartner John Hammond (John Eldredge) dessen Tochter Nancy (Audrey Long), dass ihn der Tod ihres Vaters zutiefst schockiere, sie selbst aber finanziell nichts zu befürchten habe. Erst vor einigen Wochen hätten ihr Vater und er selbst eine Versicherung abgeschlossen, die ihn die Geschäfte der Firma weiterhin leiten und sie sorgenfrei leben ließe. Nancy aber hört John kaum zu. Ihr leuchtet nicht ein, dass ihr Vater den Zeitungsberichten zufolge in einem Zustand der Trunkenheit die Treppe hinabgestürzt sei. Derlei sah ihm überhaupt nicht ähnlich, doch Hammond sucht ihre Zweifel zu zerstreuen…

 

“This efficient little thriller must have pleased cinemagoers who experienced its initial B-feature release, and it remains very watchable today”, schreibt John Grant in einer Rezension des Werks für Noirish und liegt damit ganz und gar richtig. Richard Denning spielt den Versicherungsdetektiv Tom Davison, dessen in San Francisco angesiedelte Cosmopolitan Insurance Co. den x-ten Fall eines plötzlichen Todesfalls kurz nach Abschluss der Police mit verdoppelter Versicherungssumme im Fall eines Unfalltodes – dem Film-Noir-Freund durch den Filmtitel Double Indemnity (USA 1944) bekannt – mehr als verdächtig erscheint. Also tritt Davison unter falschem Namen in die Dienste John Hammonds und beginnt, in der Immobilienfirma des inzwischen alleinigen Inhabers ein wenig herumzuschnüffeln… In Billy Wilders Frau ohne Gewissen (USA 1944) spielt Edward G. Robinson Versicherungsdetektiv Barton Keyes, einen Mann mit untrüglichem Spürsinn für Lug und Betrug. In Robert Siodmaks Rächer der Unterwelt / Die Killer (USA 1946) ist Edmond O’Brien als Insurance Investigator Jim Reardon derjenige, der den Kriminalfall um den ermordeten ex-Boxer Ole Anderson (Burt Lancaster) letztlich löst. Richard Denning bewegt sich folglich auf ausgetretenen Pfaden; das wissen auch die Autorinnen Getrude Walker (Im Solde des Satans, USA 1950) und Beth Brown sowie Regisseur George Blair. Kaum jemand ist, wer er oder sie zu sein scheint, und der skrupellose Chuck Malone (Reed Hadley), Inhaber des mondänen Nachtclubs und Spielcasinos Nighthawk, ist als Drahtzieher eines Versicherungsbetrugs im großen Stil ein glaubwürdiger Bösewicht. Ein Film Noir mit Hillary Brooke und Phillip Pine in Nebenrollen ist per se ein Anreiz, und die beiden spielen engagiert und gaubwürdig.

 

 

“She lied to me about that. And where there’s a lie there’s a lead.” Drehbuch und Regie mühen sich redlich, die Geschichte nach Schema F, welche wir Zuschauer von Anbeginn durchschauen, auf Trab zu bringen. Letzteres gelingt auch, wie John Grant vermerkt, dennoch sollte man sich von Insurance Investigator nicht allzu viel versprechen. Der lediglich einstündige Film ist eine B-Produktion der Republic Pictures und weist das vor allem durch ein B-Finale aus, wie es schon in jedem Gangsterdrama der 30-er Jahre hätte stattfinden können. Audrey Long ist nicht die schillerndste und facettenreichste Schauspielerin der Ära, und ihre Chemie mit Denning wirkt beizeiten etwas erzwungen. Allemal ist solcher Film Noir im Fahrwasser stilbildender Werke aus dem vorherigen Jahrzehnt kurzweilig und auf den Punkt inszeniert, weshalb der Cineast und Freund klassischen Kinos sich keinesfalls ärgern müsste, solche Stunde investiert zu haben. Richard Denning trat bis Mitte der 50er in B-Produktionen auf und verkörperte via NBC in 32 Episoden einer TV-Serie die bis dato letzte Inkarnation des Privatdetektivs Michael Shayne (USA 1960-61), der zuvor im Radio u.a. von Jeff Chandler gesprochen und im Kino von Lloyd Nolan und Hugh Beaumont verkörpert worden war. 

 

Bis heute (2023) gibt es weder eine BD- noch eine DVD-Edition dieses Films, der in diversen Online-Portalen in Form einer technisch akzeptablen TV-Kopie mit dem Originalton ohne Untertitel und im korrekten Bildformat (4:3 Vollbild) und mit einer etwas verrauschten Tonspur zu sehen ist.

 


 

Film Noir | 1951 | USA | George Blair | John Eldredge | Jonathan Hale | Phillip Pine | Reed Hadley | Richard Denning | Hillary Brooke

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