Millionenraub in San Francisco

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Bewertung
***
Originaltitel
Once A Thief
Kategorie
Post Noir
Land
FRA/USA
Erscheinungsjahr
1965
Darsteller

Alain Delon, Ann-Margret, Van Heflin, Jack Palance, John Davis Chandler

Regie
Ralph Nelson
Farbe
s/w
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© Warner Bros.  © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

San Francisco, Kalifornien: In einem Jazzclub spielt ein Schlagzeuger (Russell Lee) ein virtuoses Solo und heizt das Publikum an. Es besteht aus Beatniks, die vor Ort Drogen kaufen oder welche einnehmen. Auch der vor Monaten aus dem Gefängnis entlassene Luke Marko (Zekel Markio) ist mit einer Freundin (Ki Longfellow-Stanshall) anwesend. Ein Mann in einer Schafslederjacke mit Pelzkragen verlässt den Club und besteigt einen vor der Tür geparkten Ford Model-A Roadster. Der Wagen fährt quer durch Chinatown und kommt vor der Spirituosenhandlung Wings Market zum Stehen. Von einem zweiten Mann auf dem Beifahrersitz nimmt der in der Lederjacke einen Revolver Kaliber 38 entgegen, steigt aus und betritt den Laden, darin Mrs. Lisa Wing (Toy Yat Mar) mit dem Besen zugange ist. Während Mr. Wing (Toy Mar) von dem im ersten Stock gelegenen Büro zum Zeugen wird, bedroht er sie mit der Pistole und geht hinter den Tresen, wo er die Registrierkasse leert. Der zweite Mann sieht durchs Fenster zu, wie der Dieb wieder hervorkommt und Lisa Wing kaltblütig erschießt, bevor er einen Schuss durch Mr. Wings Bürofenster sendet. “Come on, Eddie, let’s go.“ ruft sein Kumpel und schon springen sie in den Wagen und verschwinden in der Nacht. Als Police Inspector Mike Vido (Van Heflin) und sein Kollege Frank Kane (Steve Mitchell) den Tatort observieren und sich Mr. Wings Augenzeugenbericht anhören, keimt in Vido der Verdacht, dass der ihm bekannte Eddie Pedak (Alain Delon) der Täter sein müsse…

 

“The only real people I know are dead - pushed into nuthouses, lobotomy, junk, suicide or really cooling it - and saying nothing to nobody.” In der Eröffnungsszene, während der Russell Lee ein furioses Schlagzeugsolo spielt, verdeutlichen Autor Zekel Markio und Regisseur Ralph Nelson, dass sie diesen Film in Abgrenzung zum Film Noir der 40er und 50er Jahre an ein anderes Publikum adressiert sehen möchten - an jene Beatnik-Generation, die sich in der ersten Phase ihrer Transformation zur Gegenkultur der Hippie-Bewegung befindet. In dem Jazzclub wird mit Drogen gehandelt und Drogen werden eingenommen, und solches Treiben erscheint Besuchern und Kellnerinnen selbstverständlich. Auch wenn Robert Burks (Vertigo - Aus dem Reich der Toten, USA 1958), über einen Zeitraum von 13 Jahren Kameramann für Alfred Hitchcock, die Filmhandlung in wunderbare Schwarzweißkompositionen rahmt, und Ralph Nelson (Die Faust im Gesicht, USA 1962) sein Werk mit einiger Dramatik und mit Gewaltszenen würzt, wird solches Versprechen der ersten Minuten leider nie eingelöst. Zekel Markio hieß mit Geburtsnamen Marvin Leroy Schmoker und war seit den 50er Jahren selbst Beatnik. Zwischen 1959 und 1964 schrieb er unterm Pseudonym John Trinian insgesamt 7 Kriminalromane. Deren zweiter mit dem Titel The Big Grab (EA 1959) wurde in Frankreich von Henri Verneuil als Lautlos wie die Nacht (FRA/ITA 1963) verfilmt, in Hauptrollen Jean Gabin und Alain Delon. Niemand sonst als Delon, in seiner Heimat 1965 längst ein Filmstar, spielt die Hauptrolle in der französisch-amerikanischen Koproduktion Millionenraub in San Francisco. Zekel Markio verfasste das Drehbuch nach seinem Roman Scratch A Thief (EA 1961) - auf Deutsch als Millionenraub in San Francisco (EA 1965) - und übernahm die Rolle des Drogenhändlers und ex-Häftlings Luke Marko. Einmal abgesehen von den authentischen Dialogen aus erster Hand und einigen Schwenks in die Subkultur im San Francisco der Mittsechziger, folgt der Film jedoch den Standards vieler Film Noirs der vorherigen Jahrzehnte, was für das Werk im Ganzen positive und negative Konsequenzen hat.

 

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© Warner Bros.  © Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

Ralph Nelsons Millionenraub in San Francisco, der kommerziell floppte, verfügt neben Burks als Kameramann mit Jack Palance, Van Heflin und Ann-Margret im Ensemble der Darsteller und mit Lalo Schifrin als Komponist der Filmmusik über eine bemerkenswerte Liste hochrangiger Namen der Zeit. Dennoch entwickelt er sich nur zu einem Sammelsurium teils erstklassiger Szenen und dümpelt als Ganzes im Mittelmaß vor sich hin. So sind die ersten 40 Minuten tendenziell zäh und langatmig. Danach erweist sich Eddie Pedak, Familienvater und Ehemann, als ein erzkonservativer Mistkerl, der seine Frau Kristine (Ann-Margret), die wegen seiner Arbeitslosigkeit für die Familie in dem eingangs gesehenen Jazzclub zu arbeiten beginnt, wie ein Stück Dreck behandelt und schlägt. Und Ann-Margret zeigt als Kristine nicht nur eine für die Generation der Beatniks untypische Unterwürfigkeit, sondern kommt in einigen der dramatisch zugespitzten Szenen an die Grenze ihrer schauspielerischen Qualitäten, wenn sie hysterisch und theatralisch wird und dabei schlicht unglaubwürdig wirkt. Vor allem Van Heflin konnte mich erneut überzeugen – mit 57 Jahren vorzeitig gealtert und abgehalftert, doch zu guter Letzt der großartige Schauspieler, der er immer war. Mehrere der Nebendarsteller liefern ebenso gute Darbietungen ab und auch das Finale ist konsequent hart und dunkel. Mit seinen allzu bekannten Versatzstücken anderer Film-Noir-Klassiker um den wieder und wieder von seiner Vergangenheit verfolgten Gangster und mit Ann-Margrets missglückter Darbietung blieb mir zum Abspann nur der Gedanke, was möglich gewesen wäre und auf der Leinwand leider nicht stattfindet.

 

Eine französische DVD-Edition (2018) der L.C. J Editions & Productions bietet als Les tuers de San Francisco (eine Lizenz der Warner Bros. Entertainment Inc.) den Film bild- und tontechnisch erstklassig restauriert, ungekürzt im Originalformat (2:35:1 Widescreen) und mit einer französischen Kinofassung plus der englischen Originalfassung inklusive nicht ausblendbarer französischer Untertitel. Extras gibt es keine. Eine US-Edition (2015) als Once A Thief auf einer DVD-R in der Warner Archive Collection, die mir allerdings nicht vorliegt, beinhaltet den Film einzig in der Originalfassung ohne Untertitel, nach Angabe auf dem Cover aber in Vollbild 4:3, was ein falsches Bildformat wäre.

 


Post Noir | 1965 | USA | Ralph Nelson | Robert Burks | Alain Delon | Jack Palance | Jeff Corey | Tony Musante | Van Heflin | Ann-Margret

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