Six Ways To Sunday

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Bewertung
***
Originaltitel
Six Ways To Sunday
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
1997
Darsteller

Norman Reedus, Deborah Harry, Adrien Brody, Peter Appel, Elina Löwensohn

Regie
Adam Bernstein
Farbe
Farbe
Laufzeit
97 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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© I-On New Media GmbH

Youngstown, Ohio: Der 18-jährige Harold Odum (Norman Reedus) hat die High School abgeschlossen, lebt aber weiterhin im eigenen Jugendzimmer bei seiner Mutter Kate (Deborah Harry). Er arbeitet als Aushilfskoch in einem Imbisslokal und hält mit seinem schmalen Einkommen sich selbst und Kate in ihrem herungekommenen Apartment über Wasser. Stets bereitet seine Mutter dem Sohn das Badewasser zu und wäscht ihren Sprössling, wenn jener in der Wanne liegt. Zudem bestimmt sie über seine Schlafzeiten, indem sie seine Nachtischlampe ausschaltet, denn in Harolds Zimmer wurden alle Steckdosen von Kate eigenhändig entfernt. Harry hatte noch nie eine Freundin oder ein sexuelles Verhältnis zu einer Frau. Mit Blick auf Liebe und Sex herrscht bei ihm Unsicherheit vor, denn er kann nicht beurteilen, inwieweit seine vermeintlich asexuelle Veranlagung als normal gilt… Seit frühen Schultagen ist Arnie Finkelstein (Adrien Brodie) Harrys einziger enger Freund. An einem trüben Wintertag nimmt Arnie, der für den Gangster Abie Pinkwise (Peter Appel) als ein Schuldeneintreiber arbeitet, seinen Freund in einen Stripclub mit, wo er dessen Inhaber Fishetti (Paul D’Amato) unsanft an die Rückzahlung einer von Pinkwise und dessen Syndikat geliehenen Summe erinnern soll. Ehe sich Arnie versieht, schlägt der von den halbnackten Stripperinnen irritierte Harold den Schuldner brutal zusammen und steigert sich in einen Rausch der Gewalt, welcher Fishetti zuletzt blutüberströmt auf dem Boden liegend zurücklässt…

 

“Based on Charles Perry's novel Portrait of a Young Man Drowning, this film has a hip, neo-noir look (…) that's dimmed by molasses-slow pacing, clumsy dialogue, and heavy-handed Oedipal content”, schrieb der Filmjournalist Peg Aloi kurz nach Premiere des Films für die Wochenzeitung The Boston Phoenix und liegt damit richtig. Der Film besticht gleich zu Beginn durch die Trostlosigkeit seiner Drehorte und das bizarre Verhältnis von Mutter und Sohn. Die Chemie zwischen den langjährigen Freunden Arnie und Harold, die trotz ihres High-School-Abschlusses von Gelegenheitsjobs und Auftragsarbeiten für ein jüdisches Gangstersyndikat leben, überzeugt gleichermaßen. Jene von Peg Aloi explizit hervorgehobene Romanvorlage (EA 1962) des einmaligen afroamerikanischen Autors und Schauspielers Charles Perry hatte die Handlung in Brooklyn, New York, und in den 30er Jahren, der Zeit der Großen Depression angesiedelt. Deprimierend ist die von Gewalt, von Ruchlosigkeit und von fehlender Zukunftsperspektive gezeichnete Atmosphäre in Youngstown allerdings auch. Die beim Gangster Louis Varga (Jerry Adler) als Dienstmädchen angestellte Iris (Elisa Löwensohn), eine aus Ungarn stammende Einwanderin, gibt dem in Youngstown gebürtigen Harold klar zu verstehen, wie sehr sie die Stadt verabscheue und dass sie nach Kalifornien auswandern wolle, wo ihr Bruder lebe. Aber die Gehirnwäsche seitens der Mutter und die dank seiner Brutalität erfolgreichen ersten Schritte in ein Leben als Krimineller haben Harold Odum bereits tief beschädigt, so dass dieser letzte Ausweg in eine bürgerliche Existenz zumindest Harry verstellt zu sein scheint.

 

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© I-On New Media GmbH

In der Summe gibt es vieles, was auch den Film beschädigt und einen eher kritischen Blick auf die nach Quentin Tarantinos Pulp Fiction (USA 1994) verzweifelt um hippe Coolness bemühten Gangsterfilme der 90er Jahre erlaubt. Six Ways to Sundays ist keine Komödie, obgleich das Werk gern so vermarktet wird, denn dafür ist es mit Blick auf die Themen der Romanvorlage und die explizite Darstellung von Gewalt und sexueller Übergriffe zu hart. Der 28-jährige Norman Reedus geht bei mir nicht als 18 durch. Als Hauptdarsteller ist sein Schauspiel (trotz der Chemie mit Brody) wenig bemerkenswert, und es gilt auch für Pop-Ikone Deborah Harry und einige der Akteure in Nebenrollen. Richtig gut sind genaugenommen bloß Jerry Adler und Adrien Brody. Das Finale ist dergestalt inszeniert, dass der Ausgang unglaubwürdig erscheint; zudem ergibt die Schlusssequenz keinen Sinn, da sie nach der im Film selbst vorgebenen Chronologie der Ereignisse so nicht stattfinden könnte. Sollte sie sich demgegenüber in jene Serie von Halluzinationen einfügen, die hier auch eine Rolle spielen, wird das seitens der Regie nicht kenntlich gemacht. Mich hinterließ die letzte Einstellung jedenfalls ratlos und sogar etwas verärgert, schließlich gibt der Film seinem Zuschauer über weite Strecken zu verstehen, dass seine sukzessive Enthüllung des Geisteszustands der Hauptfigur eine clevere Inszenierung sei. Im Ganzen ist Six Ways To Sunday jedoch  ein für seine Zeit epigonenhafter Neo Noir, den man sehen kann und nicht sehen muss, und davon gibt es in jenem Jahrzehnt leider viele.

 

Es gibt eine sehr gute deutsch DVD-Edition (2005) der I-On New Media GmbH im Pappschuber mit dem Film ungekürzt im Originalformat, bild und tontechnisch einwandfrei, dazu den original englischen Ton und alternativ dazu eine deutsche Synchronisation, optional deutsche Untertitel, inklusive des US-amerikanischen und des englischen Kinotrailers als Extras.

 


Neo Noir | 1997 | USA | Adam Bernstein | Adrien Brody | Isaac Hayes | Norman Reedus | Deborah Harry

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