Rewers

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Bewertung
****
Originaltitel
Rewers
Kategorie
Neo Noir
Land
POL
Erscheinungsjahr
2009
Darsteller

Agata Buzek, Krystyna Janda, Anna Polony, Marcin Dorociński, Adam Woronowicz

Regie
Borys Lankosz
Farbe
Farbe + s/w
Laufzeit
96 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Warschau im Jahr 1952: Wenn die Verlagslektorin Sabina Jankowska (Agata Buzek) im Kinosaal den Bericht über aktuelle Sportwettkämpfe verfolgt und bei der Stadionsparade die muskulösen Körper der Soldaten vorbeiziehen sieht, kann sie sich der eigenen Erregung kaum erwehren… Der Arbeitsalltag der jungen Frau in dem renommierten Verlagshaus Nowina ist eher nüchtern und trist. Bei einer Besprechung mit Verlagsdirektor Barski (Bronisław Wrocławski) geht es um einen Gedichtband des durch seine Beteiligung am Warschauer Aufstand zum Volkshelden gewordenen Marcel Wodzicki (Blazej Wójcik). Sabina, die für das Ressort Lyrik haupverantwortlich ist, wird von Barski darauf aufmerksam gemacht, dass das Buch in seiner aktuellen Form nicht wird erscheinen können. Der Dichter solle mit Rücksicht auf die aktuelle politische Situation in Polen einige Änderungen vornehmen, nichts Gravierendes, und schon stände der Sache nichts im Wege. Barski ordnet zudem an, Sabina solle sich um den jungen Mann etwas mehr bemühen… Zuhause hat Sabinas Mutter Irena (Krystyna Janda) größte Sorge wegen eines Golddollars, den ihr Vater einst aus Sibirien mitbrachte. Gold darf nicht länger im Privatbesitz sein; es muss laut einer neuen Verordnung abgegeben werden. Sabinas Bruder Arkadiusz (Lukasz Konopka), ein Kunstmaler, hält diese Weisung der Behörden jedoch für eine weitere Posse der kommunistischen Machthaber und bietet seiner Mutter an, die Münze bei sich im Atelier zu verstecken…

 

“Rewers ist eine dunkle Geschichte von den Zeiten der Not, aber fast ein Pastiche-Thriller im Stil des Film Noir“, heißt es in in der Filmbeschreibung des Berliner Ladens Pigasus – Gallery Polish Poster Music & Film. Für mich trifft es das genau, wobei erwähnt werden muss, dass der eigenwillige Film von Borys Lankosz und dessen rabenschwarzer Humor einerseits genuin Polnisch, seine Dramaturgie andererseits von Bestleistungen der neueren französischen Komödie beeinflusst scheint. Zugleich liegt er eindeutig im Fahrwasser weiterer Parodien und Hommagen an den klassischen Film Noir wie Verschwörung im Berlin-Express (SWE 2003) oder Tote tragen keine Karos (USA 1982), beide ebenso in Schwarzweiß gefilmt und im kontrastreich expressionistischen Stil der 40er und 50er Jahre gehalten. Die Geschichte von Leben und Liebe der schüchtern zarten und scheinbar unbeholfenen und verzagten Verlagslektorin Sabina Jankowska ist voll von schwarzem Humor und bissigen Anspielungen auf die politischen Ereignisse in der jungen Volksrepublik Polen unter der Vorherrschaft der kommunistischen Sowjetunion, seinerzeit noch unter Diktator Josef Stalin, dessen Tod im März 1953 ebenfalls im Film verarbeitet wird. Wer in den ersten 45 Minuten denkt, dass der Film mit Blick auf seine Hinwendung zum Filmstil des Film Noirs, der in der kunstvollen Kameraarbeit durch Marcin Koszalka (Czerwony paja, POL/CZ/SLO 2015) von Anbeginn präsent ist, im Fahrwasser der Harmlosigkeit bleibe, wird in dessen zweiter Hälfte eines besseren belehrt. Die drei Damen im Zentrum des Films – Sabinas Oma (Anna Polony) gehört zu ihnen - wissen sich in ihrer von Männern so widersinnig dominierten Welt zu helfen und zur Wehr zu setzen, und das tun sie schließlich ohne Wenn und Aber. Im Gegensatz zur Volksrepublik bherrschen sie diesen Film, und so ist es für die Zuschauer ein Segen, dass alle drei eine jeweils exquisite Leistung bieten.

 

Das Filmland Polen ist in Deutschland heute nur geringfügig präsent. Dass Andrzej Wajdas Asche und Diamant (POL 1958) bei den Filmfestspielen in Venedig ausgezeichnet wurde oder dass Jerzy Kawalerowicz‘ Nachtzug (POL 1959) zu den besten europäischen Post Noirs seiner Zeit gerechnet werden darf, ist kaum noch bekannt. In den letzten 15 Jahren ist der Kriminalfilm und der Thriller in Polen allerdings erneut salonfähig geworden, und nicht zuletzt Borys Lankosz ist eine seiner Schlüsselfiguren, der mit Ziarno Prawdy (POL 2015) und mit Dunkel, fast Nacht (POL 2019) sich erneut aufs Terrain des Neo Noirs begab. In letzterem giibt es auch ein Wiedersehen mit Agata Buzek und Marcin Dorocinski, wobei es in Rewers vor allem eine überragende Krystyna Janda ist, die mich wiederholt zum Schmunzeln brachte. Sie füllt ihre Rolle mit einer solchen Enegergie und einem solchen Gespür für Zwischentöne, dass es eine Freude ist. Fazit: ein bissiger und selbstbewusster Retro Noir aus Polen, dessen Humor auch ein internationales Publikum anspricht. Sehenswert!

 

In einigen englischsprachigen Ländern und in Frankreich kam der Film im Kino, in Deutschland lief er 2010 auf dem Hamburg Filkmfestival, allerdings gibt es keine deutsche BD oder DVD davon. Eine bild und tontechnisch erstklasssige polnische DVD-Edition (2010) via Syrena Films beinhaltet das Werk im Oroginalformat und ungekürzt, sowie mit der polnischen Tonspur und optional englischen oder deutschen Untertiteln. Die Auswahl an Extras beinhaltet lediglich die polnische Tonspur ohne Untertitel.

 


Neo Noir | 2009 | International | Borys Lankosz | Agata Buzek | Krystyna Janda

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