Too Late

 

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Bewertung
**
Originaltitel
Too Late
Kategorie
Neo Noir
Land
USA
Erscheinungsjahr
2015
Darsteller

John Hawkes, Crystal Reed, Dichen Lachman, Vail Bloom, Joanna Cassidy

Regie
Dennis Hauck
Farbe
Farbe
Laufzeit
107 min
Bildformat
Widescreen

 


 

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Los Angeles, Kalifornien: Die Stripperin Dorothy Mahler (Crystal Reed) streift über einen am Stadtrand gelegenen Hügel und versucht zu telefonieren, aber der Akku ihres Mobiltelefons ist leer. Als die Freunde Matthew (Rider Strong) and Jesse (Dash Mihok) des Weges kommen, leiht sich die unerschrockene Frau von Jesse dessen Telefon aus und ruft den Privatdetektiv Mel Samson (John Hawkes) an. Sie fragt ihn, ob er sich an sie erinnere, man habe sich vor drei Jahren einmal getroffen und Mel bejaht sofort. Als Dorothy erzählt, dass sie in Schwierigkeiten sei und seine Hilfe bräuchte, weist Mel sie an zu warten, er werde sofort zu ihr kommen. Bei Rückgabe des Mobiltelefons geben sich Jesse und Matthew als Drogendealer zu erkennen. Sie fragen Dorothy, ob sie etwas haben wolle, es sei umsonst, und die Frau nimmt eine Ectasy-Pille, obgleich sie erst einmal zuvor in ihrem Leben so etwas genommen habe. Matthew möchte sie später, wenn sie ihren Kundenbesuch absolviert haben, wiedertreffen und zum Brunch einladen, und die beiden ziehen davon. Dorothy versteckt sich, weil sie pinkeln muss, hinter einen Busch. Plötzlich entdeckt sie einen uniformierten Parkranger, der sie seelenruhig beobachtet, und sie kleidet sich flugs wieder an. Der Mann heißt Skippy Fontaine (Brett Jacobsen) und erläutert ihr, dass sie eindeutig gegen die Parkverordnung verstoße, und für eine Weile scherzen sie. Doch nicht weit von ihnen liegt an einem Baum ein nackter Toter, dessen Funkgerät die Gespräche anderer Parkranger wiedergibt…

 

“Writer/director Dennis Hauck’s self-consciously Tarantino-esque dialogue is not only too-often film-schoolish, it’s too often self-referentially comparative-lit-ish as well, and that’s not a good thing“, schreibt Glenn Kenny in seiner Filmkritik für rogerebert.com und bringt zur Sprache, was mich hier vom ersten bis zum letzten Dialog selbst störte. Ja, die verkrampfte Hipster-Ironie in allen Dialogen ist eindeutig der empathielosen Coolness in Filmen Quentin Tarantinos abgeschaut, so dass Too Late über 20 Jahre nach Tarantinos Erfolg mit Pulp Fiction (USA 1994) etwas peinlich Anachronistisches anhaftet. Obendrein kopiert Dennis Hauck die narrative Struktur von Pulp Fiction, die seinerzeit von Stanley Kubricks Die Rechnung ging nicht auf / Killing (USA 1956) abgeguckt war, indem er seine Filmhandlung in fünf Segmente à ca. 20 Minuten unterteilt, die entgegen ihrer chronologischen Abfolge gereiht sind und dem Zuschauer die ungeheure Cleverness eines Puzzles vorgaukeln, dessen Geschichte ganz simpel ist und es auch bleibt. Auch sonst beweist Hauck einen Hang zum Gimmick, indem er die Segmente je als Oneshot (ungeschnittene Einstellung) filmt, wie man es von Alfred Hitchcocks Cocktail für eine Leiche (USA 1948) oder von Josh Beckers Running Time (USA 1997) kennt. Im Unterschied zu den genannten Werken, entbehrt dieses Konzept bei Too Late jedoch der Notwendigkeit. Die über einen Zeitraum von drei Jahren gestreckte Geschichte müsste überhaupt nicht derart erzählt werden. Aber so ziemlich alles, was in Too Late neu und anders sein will, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als kopiert und längst bekannt. Das ist zu Teilen auch bedauerlich, denn sowohl die Erzählung, vor allem aber die beteiligten Darsteller zeigen teils viel Potential.

 

Spätestens seit Debra Graniks gradiosem Winter’s Bone (USA 2010) rangiert John Hawkes bei mir als einer der besten Charakterdarsteller des US-amerikanischen Independentfilms. Mit Blick auf die Wahl seiner Neo-Noir-Filme hat er seither aber kein sicheres Händchen bewiesen, da auch Zachary Slusers The Driftless Area (CAN/USA 2015) trotz eines wunderbaren Hawkes‘ auf ganzer Linie gegen die Wand fährt. Dichen Lachman ist in Too Late ebenfalls fantastisch, auch Crystal Reed konnte mich überzeugen. Aber Haucks Inszenierung seiner weiblichen Charaktere in anzüglichen oder blank freizügigen Szenen, wogegen ich von jedweder Prüderie frei nichts einzuwenden hätte, erscheinen nicht bloß aufgesetzt, sondern als bewusste Entblätterung zugunsten zusätzlichen Schauwerts, also Peep Show. Wie so vieles in diesem Film, ist das einfach überflüssig, wohingegen solches Überflüssige vom extrem flachen Humor des Duos der Drogenhändler, Jesse und Mathew, gekrönt wird. Die beiden sind einfach unerträglich, zumal schlecht gespielt, und sie erinnern einen kurz vor Ende des Films nochmals daran, wie miserabel die in der Anlage passable Geschichte im Film aufbereitet und inszeniert wird. Schade! Die Beteiligten vor und hinter der Kamera hätten etwas Besseres zustande bringen können. Aber das von Hauck gezeigte Verständnis von Film Noir und Neo Noir bleibt am Ende ganz oberflächlich, und damit ist recht offensichtlich mehr nicht drin.

 

Der Neo Noir Too Late wurde nach seinerPremiere ausschließlich als 35-Millimeter-Kopie im Kino aufgeführt, bevor er inzwischen auf Streaming-Portalen, in Deutschland z.B. auch mit deutschen Untertiteln, zur Verfügung gestellt wurde. Editionen als BD oder als DVD gibt es weltweit keine.

 


 

Neo Noir | 2015 | USA | Dennis Hauck | Dash Mihok | Jeff Fahey | John Hawkes | Robert Forster | Joanna Cassidy

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